Unnötige und nötige Versicherungen

Thema: // Author: Arne Lotze

Die kürzeste Begründung ist bekanntlich gerade vier Buchstaben lang: „Isso.“ Nun spielt einem die Muttersprache häufig den Streich, dass mehr mitschwingt als man sich das selbst beim flapsigen „Isso“ gedacht hatte.

Es hat nämlich den Eindruck, dass wir Deutschen zuweilen wenig überprüfen – außer bei mir im Büro, wo siehe Riester: Trauerarbeit verharrt und geprüft wird – und Dinge einfach machen, sein lassen und fortführen, „weil es immer schon so war“.

Der ZEIT sei Dank muss ich die Frage, ob denn denkbar ist, dass man 50 Jahre lang Dinge alles andere als optimal tut, nicht schwebend im Raum stehen lassen.

Versicherungsausgaben pro Kopf

Gemäß einer Studie (Stand 2010) geben die Deutschen durchaus beachtlich viel Geld für Versicherungen aus. Nur, jetzt kommt das Perfide, der Anteil zu Gunsten „anderer Versicherungsausgaben“ und zu Ungunsten der Altersvorsorge ist bedenklich ungesund.

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Nun wundert einen, nicht zuletzt eingedenk der Grass-Debatte, dass die Generation der jungen Erwachsenen zwar einerseits betont, dass man mit den Geschehnissen von 20, 30 oder 40 Jahren vor der eigenen Geburt nicht mehr direkt etwas zu tun habe. Andererseits erwärmt man sich für Produktlösungen, die auch so unterirdisch sind, weil sie ebenfalls noch aus der Zeit des 2. Weltkrieges stammen.

Ich erlebe recht häufig, dass die Frage „Warum hast Du das denn genau so und nicht anders gelöst?“ kaum beantwortet werden kann. Regelmäßig verstehen Verbraucher Produkte nicht, die deswegen aber dennoch Geld kosten – und zur Beraterseite, die nicht ordentlich erklärt, gehört immer auch ein Beratener, der zu wenig nachfragt.

Von der Wichtigkeit von Fragen war hier schon zu lesen: Lasse bzw. Topographie des Betrugs.

So kommt es, dass wir Deutschen über- und unterversichert sind. Überversichert, was Sachversicherungen angeht. Da wird eine Hausratversicherung mit Glasbruchversicherung abgeschlossen und Fahrräder, Surfbretter, Skier und die Digitalkamera werden nochmal extra versichert. Oh, und das Mobiltelefon natürlich.

Kein Geld für Altersvorsorge

Auf der anderen Seite ist dann keine Liquidität mehr da für die Altersvorsorge.

Nur: Das Risiko das Rentenalter zu erreichen dürfte deutlich höher liegen als das Risiko, dass Hab und Gut mehrfach und unverhältnismäßig geschädigt werden.

Hinzu kommt unglücklicherweise, dass, wer vorgesorgt hat, zwar auch im Rentenalter noch Ski fahren kann oder Fahrrad oder sich einen neuen Herd kaufen kann, dass jemand, dem die Kamera wichtiger war als das Schließen der Rentenlücke aber Probleme bekommen dürfte, beim Verkauf einer 30 Jahre alten Kamera genug Geld zu bekommen, um für zwei Wochen Lebensmittel einzukaufen.

Es ist daher durchaus ratsam, den Versicherungsfimmel der Kriegsgeneration abzulegen und dabei gleich Produkte in die Wüste zu schicken, deren Daseinsberechtigung mir ein absolutes Rätsel ist. Oder übersehe ich einen Vorteil an Produkten, die einem zusichern, dass man in zehn Jahren ganz sicher weniger für das investierte Geld kaufen kann als zu dem Zeitpunkt in dem man investiert hat? Namentlich also der Deutschen Liebste: Bausparvertrag und Sparbuch.

Ich wäre der Freude voll, wenn ich noch das feierliche Begehen des „Sparbuchgedenktages“ erleben dürfte.

Isso

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