Private Haftpflichtversicherung

Thema: // Author: Arne Lotze

Braucht eine Private Haftpflichtversicherung wirklich jeder? Zahlt die auch, wenn ich mein eigenes Telefon fallenlasse? Und haften Eltern wirklich für ihre Kinder? Gleichwohl gering im Beitrag ist die Private Haftpflichtversicherung immens wichtig, da große Schäden selten aber immerhin vorstellbar sind. “Blöd gelaufen” lässt sich manchmal schwer vermeiden. Schlaglichtartig wird auf einige Tarifmerkmale hingewiesen und mit einem Mythos aufgeräumt – Eltern haften nämlich nur bedingt für ihre Kinder.

Ein Gastbeitrag von Malte Vosteen

– Der Tropfen auf den heißen Stein.

PHV

Ein sehr langweilig klingendes Thema… Es birgt aber interessante Aspekte. Der Beitrag soll dort aufklären, wo man über Google sonst nur die Homepages von Versicherungen findet, deren Informationen mehr bewerben, als dass sie für Transparenz sorgen.

Zunächst eine kurze Einleitung in das Thema, da aufgrund einer aktuellen Befragung nicht davon ausgegangen werden kann, dass die Bedeutung und Wichtigkeit dieser Versicherung bekannt ist. Immerhin hat circa ein Drittel der Haushalte in Deutschland keinen solchen Versicherungsschutz.
Durch ein Missgeschick verschütten Sie Wasser über ein Handy; da Sie eine Ampel bei Rot überqueren, wird ein Unfall verursacht; Sie vergessen eine Kerze auszumachen und es entsteht ein Brand oder Sie verlieren den Schlüssel für die Haustür eines Mehrparteienhauses: All das sind Fälle in denen sie verpflichtet sind, den Schaden zu regulieren.  Ohne Frage können Sie ihrem Bekannten das Handy mangels Versicherung aus der Privatschatulle ersetzen, nur wie sieht es mit den Behandlungskosten und ggf. Verdienstausfälle für die Unfallbeteiligten aus?

§ 823 BGB

Der zentrale Paragraph ist § 823 des Bürgerlichen Gesetzbuches: Wer einem anderen schuldhaft einen Schaden zufügt, muss den Schaden ersetzen. Dies ist das grundsätzliche Prinzip der privaten Haftung. Eine leichte Unachtsamkeit reicht in der Regel aus, um eine Haftung zu begründen.

Haftpflichtversicherung ist keine Pflicht

Die Einordnung der privaten Haftpflicht ins Versicherungssystem weist einige Mängel auf: Zunächst sei einmal vorweggenommen, dass es gerade keine Pflicht für diese HaftpflichtVersicherung gibt! Verpflichtet sind Sie also zu haften, nicht aber sich selbst davor zu schützen, den angerichteten Schaden aus eigener Tasche bezahlen zu müssen.

Anders verhält es sich bei der Kfz-Haftpflichtversicherung. Das heißt Sie dürfen ein Auto im Straßenverkehr nur bewegen, wenn dies haftpflichtversichert ist. Es gibt einen gesellschaftlichen Konsens, dass die Pflichtversicherung im Straßenverkehr notwendig und richtig ist. Diesen Konsens gibt es leider bis heute jedoch im Bereich private Haftpflichtversicherung noch nicht. Dabei ist sie nicht minder wichtig, schützt sie im schlimmsten Falle doch vor einem Leben am Existenzminimum.

Forderungsausfalldeckung

Die Tatsache, dass erst circa 60 % der Haushalte haftpflichtversichert sind, ist ein wichtiger Anhaltspunkt für die Wahl des Versicherungsvertrages. Man stelle sich folgenden Fall vor: Man hat selbst einen Schaden erlitten, dieser wurde von einem anderen schuldhaft herbeigeführt. Der Schädigende ist nicht haftpflichtversichert und verfügt selbst nicht über ausreichend finanzielle Mittel, um den Schaden zu regulieren. Es kann also dazu kommen, dass man selbst in finanzielle Schwierigkeiten kommt. Es gibt jedoch Policen, die genau in diesem Fall einspringen. Zu achten ist daher zwingend auf eine Forderungsausfalldeckung, die den Schaden übernimmt, sollte ein Dritter nicht haftpflichtversichert sein. Es lohnt sich, darauf zu achten, wann genau die Forderungsausfalldeckung greift, einige Anbieter bieten dies nur bei Vorsatz an. Allgemeines Manko: Es muss zunächst der Rechtsweg ausgeschöpft sein. Verfahrenskosten müssten also selbst – oder von einer Rechtsschutzversicherung – getragen werden.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Deckungssumme, diese sollte bei mindestens fünf Millionen Euro liegen. Gerade Altverträge erreichen diesen Wert oft nicht. Es sollte darüber hinaus darauf geachtet werden, ob Personen-, Sach- und Vermögensschäden gleichermaßen abgedeckt sind.

Auch gibt es Unterschiede, ob gemietete oder geliehenen Sachen mit versichert sind. Allgemeinhin werden Schäden an Dingen, die man sich ausgeliehen hat, behandelt wie Schäden an eigenen Dingen – und die werden nicht bezahlt. Hier lohnt sich ein kurzer Blick in die Versicherungsbedingungen.

Sie haben den Haustürschlüssel eines Mehrparteienhauses verloren – schnell können dort hohe Kosten durch einen Schlosswechsel auf Sie zukommen. Die private Haftpflichtversicherung sollte daher Schlüsselschäden umfassen.

Der Vollständigkeit halber soll erwähnt werden, dass eigener Vorsatz einen Versicherungsschutz ausschließt. Genauso verhält es sich mit Gefälligkeiten: Der Einpark- oder Umzugshelfer haftet nicht. Aber auch hier gibt es einige wenige Policen, die diesen Schutz bieten.
Sofort würde man zustimmen, dass man im Beruf nicht über die private Haftpflichtversicherung geschützt ist, dass dies jedoch auch schon beim Ehrenamt nach Feierabend der Fall ist, ist vielen nicht bewusst. Meistens reicht jedoch ein kurzer Anruf beim Verein oder der Einrichtung, um zu erfahren, dass es eine Haftpflichtversicherung gibt.

Wann empfiehlt sich eine Änderung der privaten Haftpflichtversicherung?  Oben wurde schon genannt, dass Altverträge kontrolliert werden sollten. Zudem kann man grundsätzlich sagen, dass es immer dann Sinn macht, wenn sich die Lebenssituation ändert: Heirat, gemeinsamer Haushalt, Geburt eines Kindes oder die Volljährig-/Erwerbstätigkeit.

Zum Schluss ein kleiner Überblick über das Preisniveau: Für Familien gibt es Tarife zwischen 54 € und 190 €, für Singles zwischen 35 und 153 €.
Wenn Sie eine sehr günstige Haftpflichtversicherung finden, vergewissern sie sich, dass es keine Selbstbeteiligung gibt.

Fazit: Das eigene Vermögen kann schneller als man denkt zum Tropfen auf den heißen Stein werden, wenn es um die Haftung für einen entstandenen Schaden geht. Es gibt bis heute keine gesetzliche Pflicht zur privaten Haftpflicht, dennoch sollte es für jeden eine Pflicht sein.
So nämlich wird der Schadensfall zum Tropfen auf den heißen Stein. Große Schäden sind unwahrscheinlich – aber nicht unmöglich. Statistisch gesehen gibt jeder Deutsche 2000 € im Jahr für Versicherungen aus. Da wiederum scheint der Beitrag für die private Haftpflichtversicherung als Tropfen auf den heißen Stein.

Viel Erfolg auf der Suche nach der passenden Haftpflichtversicherung!

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
Dann melde Dich: per Mail beratung@finanzdiskurs.de oder Telefon +49 178 3484412

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