Rechnungszins sinkt – und jetzt?

Thema: // Author: Arne Lotze

Es sinkt für Sie: der Rechnungszins

Die „Niedrigzinsphase“ ist in aller Munde. Und sie ist ernst zu nehmen. Niedrig sind nämlich alle Zinsen: die, die man zahlen muss, die die man bekommt und auch der Rechnungszins, der bei Versicherungen eine Rolle spielen. Das ist außerdem nichts Neues, sondern hat seit Mitte der 90er Jahre Tradition:

Rechnungszins

Wen betrifft das?

Der Rechnungszins betrifft grundsätzlich jeden, der Versicherungen hat oder plant sie abzuschließen, die mit dem Rechnungszins kalkuliert werden. Das sind:

  • Berufsunfähigkeitsversicherungen
  • Pflegerentenversicherungen
  • Altersvorsorgeprodukte

Bei diesen Produkten ergibt der Beitrag multipliziert mit dem Rechnungszins die Summe, die ein Versicherer von seinem Kunden haben möchte, damit er ihm eine Versicherung anbietet. Wenn nun also das Risiko 2017 gleich ist wie in 2016, der Zins aber sinkt: müssen die Beiträge steigen.

Wie viel? Weiß man erst in 2017 genau. Der Zins jedenfalls sinkt um 27%, nämlich von 1,25% auf 0,9%. Schätzungsweise wird sich das in 5%-10% höheren Beiträgen auswirken.

Und nun? Stress, Hektik, Panik?

Nein.

Denn es ist ja erfreulich einfach:

  • Berufsunfähigkeitsversicherungen sind ohnehin wichtig. Siehe hier. Um die darf man sich gerne ganz unabhängig von irgendeinem Rechnungszins, der sinkt, lösungsorientiert Gedanken machen. Sicher, 2016 abschließen ist günstiger als 2017. Hätte ich keine, würde ich aber auch 2017 zu einem höheren Preis eine abschließen, einfach, weil sie wichtig ist.
  • Pflegerentenversicherungen sind eine tolle Sache. Viele junge Kunden haben aber andere Prioritäten als nun das Risiko, einen teuren Pflegeplatz bezahlen zu müssen, absichern wollen. Für wen das ein Thema ist, ergibt das 2016 definitiv mehr Sinn als 2017. Zumindest in meinem Beratungsalltag ist das eher eine Randerscheinung – die sich auch eleganter lösen lässt. Siehe mein Beitrag Altersvorsorge und Pflege.
  • Altersvorsorgeprodukte. Wie zumindest die finanzdiskurs Leser wissen, ist eine Altersvorsorge in erster Linie eine Geldanlage. Und langfristiger Vermögensaufbau hat mit Zinsen nur am Rande zu tun. Der sinkende Rechnungszins betrifft hier in erster Linie Altersvorsorge, die 2016 schon kein Mensch braucht bzw. die eigentlich seit Jahrzehnten kein Mensch gebraucht hat. Nur weil die 2017 NOCH weniger bringt, muss man die 2016 wirklich nicht noch ganz schnell abschließen.

Es ist nämlich legaler Betrug und ein Skandal

Ich nehme die Grafik vorweg:

Umlaufrendite Garantiezins

Über Jahrzehnte haben Versicherer nämlich das Geld ihrer Kunden genommen, haben sich eine Teil als Kosten in die eigene Tasche – oder in riesige Glasbauten – gesteckt und haben dann in die blaue Kurve investiert. Die zeigt, was man an Zinsen bekomenn hat, wenn man Deutschland Geld geliehen hat. Die Kunden haben weniger als die rote Linie bekommen (weil ja Kosten für den Versicherer entstehen).

Seit 2012 sind die fetten Jahre für Versicherer so langsam vorbei und sie müssten anfangen, draufzulegen. Und oh Wunder: mit einem Mal sind sog. „Index-Policen“ oder Fondspolicen oder „flexible Garantiemodelle“ eine gute Idee.

Wen wollen die Damen und Herren Versicherer eigentlich verar… auf den Arm nehmen?

Was also tun als Kunde?

Gar nichts Besonderes. Wer das Thema Berufsunfähigkeit noch offen hat, am besten kümmern. Darüber hinaus wird viel heiße Luft gemacht. Die Niedrigzinsphase ist selbstverständlich ein Problem – Altersvorsorge mit jämmerlichen Garantien ist aber nicht die Lösung. Garantiert!

 

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
Dann melde Dich: per Mail beratung@finanzdiskurs.de oder Telefon +49 178 3484412

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