So nicht – die passende Krankenversicherung

Thema: // Author: Arne Lotze

Tempora mutantur, es nos mutamur in illis

umbertoeco

Der Mann mit dem Hut ist Umberto Eco und hat nichts mit der Krankenversicherung am Hut. Umberto Eco ist „italienischer Schriftsteller, Kolumnist, Philosoph und Medienwissenschaftler und der wohl bekannteste zeitgenössische Semiotiker“ so Wikipedia. Das heißt im Grunde, dass Umberto Eco ein richtig Guter und ein bemerkenswert schlaues Köpfchen ist. Davor verneige ich mich und danke für ein so wunderbares Wort wie „Tetrapilotomie“ – die Kunst ein Haar in vier gleich große Teile zu spalten, das ich bei der Lektüre von Das Foucaultsche Pendel aufschnappte. Das führt auch dazu, dass Umberto Eco den Titel aus dem Handgelenk geschüttelt übersetzen würde: „Die Zeiten ändern sich und wir ändern uns mit ihnen.“

Obwohl Umberto Eco unheimlich viel weiß und als einer der ganz wenigen vielleicht noch an die Tradition eines Universalgelehrten anzuknüpfen vermag, macht selbst er nicht alles. Das wird daran liegen, dass man in einer Welt, die so vielschichtig und spezialisiert ist, gar nicht mehr alles können und wissen kann. Vielmehr besteht die Aufgabe darin, Wissen zu managen und sei es, in dem man Experten als Ansprechpartner hat, die einem Wissen als Entscheidungsgrundlage zur Verfügung stellen. Umberto Eco äußert sich beispielsweise nicht zu Versicherungen und Geldanlageprodukten – gleichwohl er, sofern er das nur wollte, hier mit Sicherheit ebenfalls eine Kapazität werden könnte. Er würde sich ebenso sicher jedoch zunächst einlesen.

Tut man das nicht, ist das Ergebnis ein unsäglicher Artikel wie er aus Harald Martensteins Feder unlängst zu lesen war:

Schuster, bleib bei Deinen Leisten

Martenstein

Da ich bemerkenswert abschweife, wenn ich diesen Beitrag in extenso kommentiere, fasse ich mich kurz und gehe das Wagnis ein, härter abzuurteilen als ich das vielleicht meine: Dieser Beitrag ist verantwortungslos und dumm.

Aber, jeder hat mal einen schlechten Tag und dann schreibt man bestimmt auch mal von Dingen, von denen man keine Ahnung hat und schließt induktiv vollkommen unschlüssig: „Ich habe mal gesehen, dass jemand, der über die Straße gegangen ist, verunfallt ist. Ergo sollte kein Mensch jemals mehr über die Straße gehen.“ Merk‘ste selbst, Harald. Herr Marteinstein hat glücklicherweise aber überwiegend gute Tage und dann lese ich ihn auch recht gern.

Ich komme zurück zu dem, was der Punkt gewesen sein wird. Wir leben also in einer Gesellschaft mit vielen Spezialisten und die Herausforderung besteht im wesentlichen darin, zu erkennen, was man ohne deren Expertise nicht selbst kann und sich dann die richtigen Experten zu suchen.

Dies trifft nun  durchaus auch auf die Finanzbranche zu, die man keineswegs mal eben nebenbei und mit Hilfe von ein, zwei kostenlosen Vergleichsrechnern aus dem Internet in den Griff bekommt.  Auf eine Spitze getrieben wird dies im Bereich Private Krankenversicherung, der für den Versicherten unmöglich zu überblicken ist und in den sich Vermittler nur dann wagen sollten, wenn sie sich entsprechende Expertise angeeignet haben. Ich stimme daher Sven Hennig vollumfänglich zu:

„Die Analyse von Finanztest ist das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt wurde“

Sven Hennig portfolio international

Sven Hennig ärgert sich hier über ein Angebot von Finanztest, die einen Berater obsolet machen möchten, indem sie für 18 € anhand von 15 Fragen Tarifempfehlungen geben. Dabei scheitern sie grandios. Ich zitiere aus dem letzten Abschnitt:

„Die Analyse von Finanztest ist das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt wurde. Kunden können sich unter diesen Umständen auch gleich mit einem der vielen Vergleichsrechner im Netz begnügen […] Doch auch für Berater sind die Hürden hoch. Wer glaubt, die PKV nur mal so ‚nebenbei‘ mit zu vermitteln, um schnell Geld zu verdienen, der täuscht sich gewaltig.“

Recht hat er. Viele der Menschen, die es gut meinen aber schlecht machen und bei „Sonstwie Test“, „Apfelsinia Stiftung“ oder „Verbraucherschutz Gedöns“ sitzen, sind im Kern eben keine Vermittler und agieren ohne jedes Haftungsrisiko. Dabei passiert dann eine Menge Unfug, den am Ende der Kunde auszubaden hat.

Krankenversicherung – komplex und haftungsintensiv

Es ist doch so: Wer als Berater wirklich wirklich richtig gut ist, berät hauptberuflich und verdient dabei gutes Geld. Was also bewegt jemanden dazu, im Schwerpunkt einer anderen Tätigkeit nachzugehen und nebenbei für einen Festpreis den Eindruck zu vermitteln, hier passierte fundierte Beratung? Ich weiß das natürlich nicht. Ich unterstelle aber, dass Kunden hier Beraterexperten suchen und Journalisten finden, die häufig nicht ganz falsch, selten aber goldrichtig liegen. Und gerade in sensiblen Bereichen wie Krankenversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung oder Altersvorsorge ist „nicht ganz falsch“ schnell „Klassenziel verfehlt“.

Nun kann ich mir beileibe nicht vorstellen, dass Umberto Eco das Klassenziel verfehlt. – Aber richtig, er bleibt ja auch bei seinem Berg von Leisten und äußert nicht auch noch Meinungen zu Versicherungen und Geldanlage.

Ich wünsche mir, dass sich oben genannte „Test/Stiftung/Verbraucher…“ ein Beispiel daran nehmen mögen. Dadurch freiwerdende Zeiten können durchaus gewinnbringend mit der Lektüre von Ecos Texten gefüllt werden, wobei ich aufgrund persönlicher Lektüreerfahrungen das Einlesen in die garstige Semiotik nicht unbedingt empfehlen möchte.

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
Dann melde Dich: per Mail beratung@finanzdiskurs.de oder Telefon +49 178 3484412

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