PKV: Standard, Basis, Wirtschaftlichkeit

Thema: // Author: Arne Lotze

Mit der PKV wird Unfug getrieben

… diese drei. Am größten jedoch ist der Unfug, der darüber geschrieben wird.

Das Originalzitat ist nochmal nachzulesen in: Bibel, die: Paulus, 1 Kor 13,13.

Dort geht es aber weniger um Krankenversicherungsvarianten. Dafür kann man als Experte vom Glauben abfallen, wenn man liest, wie das Thema PKV in der Presse verhandelt wird:

Handelsblatt: Wie Privatpatienten Geld sparen

privatpatienten geld sparen

Zunächst ist durchaus erfreulich, dass die private Krankenversicherung nicht pauschal dämonisiert wird. Der Artikel scheint aber vor allem adressiert an im Übermaß egoistisch motivierte Systemnutznießer, die sich das so vorstellen:

Erstmal bin ich in jungen Jahren privat krankenversichert und spare richtig Geld. Bei Angestellten, die ungefähr 30 Jahre alt sind, sind das schon mal 200 € monatlicher Beitrag. Davon spart dann die Hälfte zwar der Arbeitgeber, aber 100 € lohnen sich durchaus.

Dann möchten sie gerne mit Eintritt in das Rentenalter wieder zurück in die gesetzliche Krankenversicherung und zum zweiten Mal Geld sparen.

Das, lieber Herr Gesangsverein, ist zum einen ein Trugschluss und beruht zum anderen auf einem großen Missverständnis.

Kurz zum Trugschluss: Wie hier bereits zu lesen war, zahlen ebendiese Angestellten in den überwiegenden Fällen auf alle Einkunftsarten Beiträge in die Sozialversicherung:

Damit Du losgebunden, frei

Ersparnis und Frohsinn sei auch mit dabei

Bedeutsamer aber ist das Missverständnis – dem auch Thomas Schmitt vom Handelsblatt unterliegt. Es geht doch in Herr-Gotts-Namen bei der Gesundheit nicht allein um Geld. Andernfalls müsste es zum Geburtstag auch nicht heißen „[…] Gesundheit und Frohsinn sei auch mit dabei“, sondern „Ersparnis und Frohsinn sei auch mit dabei“. Gesundheit kann man nämlich nicht kaufen. Gerade deswegen ist so wichtig, dass man kurz einen Moment überlegt, was man auf finanzieller Seite tun kann und möchte, um zumindest die Wahrscheinlichkeit eines langen, gesunden Lebens zu erhöhen.

„Privatversicherte leben länger“ titelte portfolio international gerade erst wieder:

Privatversicherte leben länger

Das Hauptaugenmerk bei der Entscheidung für eine private Krankenversicherung sollte auf dem höheren Leistungsniveau liegen – das vor allem vertraglich zugesichert ist und nicht einseitig verändert werden kann, wie es in der gesetzlichen Krankenversicherung seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts zur Gewohnheit geworden ist.

Krankenversicherung und die Kartoffel

Die Rechnung kommt zum Schluss

Dass man in jungen Jahren häufig Geld spart, ist definitiv ein netter Zusatzeffekt. Es sollte aber nicht zum Motivator werden. Zumal die Rechnung am Ende serviert wird. Wer den Tarif mit dem günstigsten Zahlbeitrag wählt, den er finden kann, wird den Bodensatz des Leistungsniveaus einkaufen und wird im Folgenden ständig Leistungen teilweise oder ganz aus eigener Tasche bezahlen müssen. Unter dem Strich wird sich das wahrscheinlich als Milchmädchenrechnung entpuppen.

Auf die Leistung kommt es an

Und das gilt genau so für Thomas Schmitts Artikel. Dass es Möglichkeiten gibt, im Rentenalter am Zahlbeitrag zu sparen ist ja zutreffend und im ein oder anderen Fall auch sinnvoll oder gar nötig. Wo aber liegt denn der Sinn darin, in jungen, wahrscheinlich gesunden Jahren einen top Versicherungsschutz gehabt zu haben und ihn ausgerechnet dann aufzugeben, wenn man ihn mit höherer Wahrscheinlichkeit brauchen wird? Dass die Beiträge in beiden Systemen, der gesetzlichen wie der privaten Krankenversicherung steigen dürfte ja bekannt sein. Das ereilt den privat Versicherten also keineswegs unerwartet. Und, mal angenommen ein privat Krankenversicherter hat Beiträge in jungen Jahren nicht gespart und für den nächsten Urlaub ausgegeben, sondern beiseite gelegt und damit über 37 Jahre sehr konservative 4,00 % p.a. erwirtschaftet. Dann stehen im Rentenalter 100.166,95 € zur Verfügung.

Das müsste helfen, dem Zahlbeitrag entspannter entgegen zu sehen. Insofern wäre ich absolut begeisterungsfähig für ein Presseerzeugnis, in dem einerseits darauf hingewiesen wird, dass Gesundheit wichtig ist und andererseits darauf hingewiesen wird, dass Geld sich tatsächlich vermehren kann, wenn man es klug investiert und einem hilft, gelassen in den hoffentlich langen Lebenssonnenuntergang zu segeln.

Zudem man sich dann nicht mehr den Kopf darüber zerbrechen muss, auf welche Weise man sein Leistungsniveau verramscht und ob Standard jetzt besser ist als Basis und ob die gesetzliche Krankenversicherung mit ihrem Wirtschaftlichkeitsgebot nicht doch irgendwie nett gewesen wäre.

Übrigens, nein, wäre sie nicht.

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
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