PKV: Einer flog über’s Vermittlernest

Thema: // Author: Arne Lotze

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Sie sind ein komisches Völkchen, diese Versicherungsmenschen. Derzeit trifft komisch auf dynamisch. Denn, der Versicherungsmarkt ist in Aufruhr. Wie Vermittler von Versicherungsprodukten zukünftig vergütet werden, ist offen. Einstweilen wird vor allem gejammert. Das hat auch was Erfrischendes – weil nämlich endlich mal nicht über die schlechte Vertriebsstimmung gejammert wird, sondern über Vergütung.

Das ist doch schon mal was.

Die Branchendebatte werde ich hier nicht aufrollen. Die Bewertung finde ich aber ungemein spannend.

Im Versicherungsjournal vom 24.10.2013 ist zu lesen:

jeder zweite vermittler

Selbst therapieren funktioniert nicht, selbst beraten auch nicht

Käme es tatsächlich so, wäre das natürlich problematisch. Was bei Ärzten auf dem Land längst eingetreten ist, würde dann auch der Fall, was die Versicherungsberatung angeht. Genauso wenig, wie es funktioniert, sich im Internet zu belesen und sich dann selbst zu diagnostizieren und zu therapieren, funktioniert es, sich selbst ein formvollendetes Absicherungskonzept herbeizurecherchieren.

Verbraucher können natürlich irgendwelche Tabletten nehmen und sie können irgendwelche Versicherungen abschließen. Im ersten Fall drohen anhaltende Schmerzen jetzt, im zweiten Fall Schmerzen später, wenn sich herausstellt, dass im Schadenfall nicht geleistet wird oder die Altersvorsorgelösung nicht ganz so ergiebig war, wie Marketingbroschüren das glaubhaft gemacht haben. In beiden Fällen ist noch nicht einmal gesagt, dass viel viel hilft.

Das wäre also ein Problem. Und in einer Stadt wie Hamburg kaum vorstellbar. Wir wollen das versuchen. Wir befinden uns an der Universität. Klausurenphase. Die Wirtschaftswissenschaftler schreiten ins Auditorium Maximum. Aufgeregtes Abgleichen der letzten Lernergebnisse. Einmal noch aufs Telefon schauen. Vorfreude auf das Getränk mit Kommilitonen und Freunden am Wochenende.

Da fehlt doch was!?

Richtig. Weit und breit nicht ein Versicherungsklaus, der mit Gummibärchen wedelt.

Für mich ist die Vorstellung völlig verrückt. Werden wir Zeiten erleben, in denen Studierende sich um einen Vertriebler streiten, der mit seinen Gummibärchen panisch wegrennt, weil er fürchtet, niedergetrampelt zu werden?

Das würde einer gewissen Komik nicht entbehren. Und, es wäre nicht gar so dramatisch.

Für die Vermittler, die sich am Markt behaupten, wäre jene Entwicklung übrigens positiv. Nur weil es weniger Vermittler gibt, wird die Nachfrage ja nicht kleiner. Zuweilen gab es nur vielleicht einfach so viele Vermittler, dass man sich bemühen musste, um zu merken, dass es eine Nachfrage gibt. Die gab es und die wird es weiter geben. Wenn es dann am Ende eine Beratung hoher Qualität sein sollte, die sich durchsetzt, hätte das auch sein Gutes.

Rück (?) -besinung auf hochwertige Produkte?

Zumal man sich wirklich wundert. Über dieses Völkchen. Makler, so das Versicherungsjournal am 16.10.2013 finden die Beratung in Sachen private Krankenversicherung schwierig. Helfen könne nur „die Rückbesinnung auf qualitativ hochwertige Produkte mit eindeutigen und transparenten Bedingungen sowie stabilen Beiträgen“.

hochwertige Produkte

Jungs, Mädels, meine Güte! Wenn Marktteilnehmer verschwinden, die einen solchen Unsinn erzählen, begrüße ich das.

 

Die PKV-Beratung ist also schwierig und komplex. Stimmt. Gott sei Dank! So haben Berater immerhin ihre Berechtigung in einem Feld, das für den Verbraucher unmöglich zu bewältigen ist. Um Daten aus dem Fahrzeugschein in einen Kfz-Versicherungsvergleichsrechner einzugeben braucht kein Kunde der Welt einen Versicherungsberater.

Noch glorreicher finde ich allerdings die sogenannte „Rückbesinnung“ auf qualitativ hochwertige Produkte. Was zum Teufel haben die geschätzten Kollegen denn in der Zwischenzeit gemacht? Private Krankenversicherungen vermittelt nach dem Motto: „Hauptsache billig“?

In welchem Schrank man nächtigen muss, um so zu handeln, ist mir nicht luzide. Allein schon aufgrund der Haftung, die sich gerade Versicherungsmakler einkaufen. Wer billig kauft, kauft zwei mal. Und wer billig vermittelt sieht seinen Kunden mit einiger Wahrscheinlichkeit auch mindestens zwei mal. Im Büro und dann noch mal vor Gericht.

Selbstverständlich achtet man gerade beim Thema Krankenversicherung zuvorderst auf Qualität. Schließlich geht es um die Gesundheit. Und davon hat man bekanntlich nur eine.

Ich titelte bereits – ein komisches Völkchen …

Vor allem, weil sich über Qualität doch so trefflich sprechen lässt. Ende letzten Jahres war noch zu lesen:

PKV-Versicherte leben gemäß Statistiken also länger, sie warten kürzer auf Termine, bekommen dann noch mehr Zeit mit ihrem Arzt und sind in der Folge zufriedener mit ihrem Arztbesuch.

Ist doch super. Wenn ich mal krank wäre – allein, ich glaube nicht an Ansteckung – wäre das doch genau das, worauf ich Lust habe. Mir soll schnell geholfen werden, man soll nett zu mir sein und die Behandlungsmethoden sollen auf dem neusten Stand der medizinischen Technik sein, durchgeführt von jemandem, für den das Routine ist.

Ein komisches Völkchen.

Das ganz offensichtlich außerdem zu wenig finanzdiskurs liest.

Das größte Vertriebshindernis in der privaten Krankenversicherung besteht nämlich in den Beitragsanpassungen. Kein Wunder, dass Kunden sich mit dem Thema schwer tun, wenn selbst ihre Berater das systemisch nicht durchdrungen zu haben scheinen.

Beitragsanpassungen

Dabei ist das so schwierig gar nicht: Alles wird teurer. Mieten, Brot, Bahnfahrkarten – und Kosten, für eine Heilbehandlung. Die wird schließlich durchgeführt von Ärzten und auch Ärzte zahlen im Laufe der Zeit höhere Mieten, kaufen neue Geräte und werden von Krankenhäusern besser bezahlt.

Deswegen ist völlig normal, dass sowohl die gesetzliche Krankenversicherung als auch die private Krankenversicherung über die Zeit teurer werden. Es ist sogar wünschenswert. In einer Welt, in der es keinen medizinischen Fortschritt gibt und in der Ärzte so hundsmiserabel arbeiten, dass sie keine Gehaltserhöhung bekommen, möchte ich nämlich nicht krank werden.

Hinzu kommt, dass die gesetzliche Krankenversicherung im Höchstbeitrag ordentlich teurer wurde: 107,86% Beitragssteigerung über die letzen 24 Jahre. Nachzulesen hier:
Germany: Neue Beitragsbemessungsgrenze

Zudem gibt es in der privaten Krankenversicherung Alterungsrückstellungen in Milliardenhöhe – die auch volkswirtschaftlich relevant sind.

In der gesetzlichen Krankenversicherung hingegen gibt es: nüscht. Außer einem riesigen Deckel für heute junge Generationen, die blöd aus der Wäsche gucken werden, wenn sie alt sind und merken: wir haben ja nüscht.

Nachzulesen hier:

Sozialversicherung: Auf den Deckel

Komisch, das Völkchen, nich’?!

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
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