Leistungsvergleich gesetzliche und private Krankenversicherung

Thema: // Author: Arne Lotze

“Was ist denn jetzt besser, die gesetzliche oder die private Krankenversicherung?”

Schön wäre, wenn das so einfach zu beantworten wäre. Ist es nicht. Das Thema ist komplex und hochindividuell und erfordert insofern einen Berater, der unbedingt unabhängig agiert einerseits und ein hohes Maß an Fachwissen hat andererseits. Insofern dient dieses Video lediglich als erste, kurze Orientierung. Wer Beratung möchte, kann die – siehe Disclaimer unter dem Beitrag bekommen. Einige wichtige Informationen finden sich aber in jedem Falle auch im Rahmen der ersten Orientierung.

Du kannst Dich frei für eine Variante der Krankenversicherung entscheiden?

Die Frage ist gerechtfertigt, denn das kann grundsätzlich erstmal nicht jeder. Man kann sich aussuchen, ob man privat oder gesetzlich versichert sein will, wenn man selbständig ist, als Angestellter über der Versicherungspflichtgrenze (auch Jahresarbeitentgeltgrenze) verdient – die aktuelle siehe hier – bzw. auch als Student oder Beamter. Die letzteren beiden sind Fälle für sich, die in diesem Video nicht zur Sprache kommen. In der überwiegenden Zahl weiß ich aber von kaum Beamten, die gesetzliche versichert sind und von kaum Studenten, die privat versichert sind. Dafür gibt es gute Gründe, auf die wir uns hier aber nicht konzentrieren wollen.

Selbständige und Angestellte über JAEG also

Entscheidend ist: Gesundheit haben wir nur eine, hier an Leistung zu sparen, ist fahrlässig. Ich habe keinerlei Verständnis für den „Hauptsache Billig“ Kampf am Markt, der dazu geführt hat, dass hier schon von einer „Rückbesinnung auf Qualität“ zu lesen war. Bei der Gesundheit sollte man als allerletztes Einschränkungen in Kauf nehmen und Geiz ist hier sicher nicht angebracht. Eine Krankenversicherung zu haben, ist ja nicht wichtig, damit man bei einer Grippe zum Hausarzt gehen kann, sondern dann, wenn eine OP ansteht und ich möglichst schnell möglichst gut behandelt werden möchte, um vollständig und bald wieder auf dem Damm zu sein. Sowas kostet eine Menge Geld – beispielsweise 86.000 € und dafür braucht man eine Versicherung – und aus diesem Grund kostet ein ordentliches Leistungsniveau auch etwas Geld.

OP 86.000

Leistungen in der gesetzlichen Krankenversicherung

Die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherungen sind größtenteils identisch und dürfen auch gar nicht abweichen. Sie stehen im Sozialgesetzbuch V – inklusive dem wenig charmanten Wirtschaftlichkeitsgebot.

Wirtschaftlichkeit

Hinzu kommt der Unsicherheit, was die Beständigkeit des Leistungsniveaus angeht. Seit den 1970er Jahren gab es eine große Menge von Gesundheitsreformen, die am Ende nichts weiter waren als Verschlechterungen der Leistungen durch Streichungen oder die Einführung von Selbstbehalten. Siehe ein Dokument vom PKV Verband:

Chronik der GKV-Leistungskürzungen – 30 Jahre

Nichtsdestotrotz ist das Niveau der GKV aktuell im internationalen Vergleich noch sehr ordentlich. Die Demografie lässt allerdings vermuten, dass das nicht ewig so bleiben wird. Siehe dazu einmal mehr Prof. Raffelhüschen.

Ein großer Vorteil der GKV gegenüber der PKV ist zweifelsohne die beitragsfreie Mitversicherung von Kindern. In der PKV kostet jedes Kind extra – nicht so viel wie ein Erwachsener aber immerhin kosten sie extra.

Leistungen in der privaten Krankenversicherung

Die gibt es nicht. Also Leistungen gibt es schon, die stehen aber nicht in einem Sozialgesetzbuch sondern im jeweiligen Bedingungswerk. Insofern gibt es zwischen Ramschniveau und Premiumsegment alles. Ich kann hier nicht auf die gesamte Fülle der wichtigen Kriterien eingehen, weil viele davon ihrerseits wieder erklärungsbedürftig sind, ich möchte aber wiederholen: Zuerst der Blick auf die Leistungen, erst dann auf den Preis.

Wenn man ein hochwertiges Bedingungswerk eingekauft hat, ist das entscheidende Kriterium die „medizinische Notwendigkeit“. Ich empfehle bei größeren Behandlungen – Unfälle natürlich ausgenommen – immer zuerst einen Kostenvoranschlag, den sog. „Heil- und Kostenplan“ einzuholen, damit der Versicherer schon im Vorwege zusagt, dass er die Behandlung für medizinisch notwendig anerkennt und sie somit auch bezahlt. Ärzte haben ohnehin schon zu wenig Zeit für ihre Patienten, ihnen ist wahrlich nicht noch zuzumuten, dass sie mit dem Patienten prüfen, was seine Krankenversicherung gemäß Bedingungswerk bezahlt und was nicht. Im Zweifelsfall behandeln sie einfach und schreiben dann eine Rechnung – die auch dann bezahlt werden muss, wenn der private Krankenversicherer nicht zahlt. Vorsicht also mit der Annahme: „Ich bin privat versichert, mir wird alles bezahlt.“

Fazit

Der Vergleich, der individuell Lösungen bringt, muss individuell erfolgen. Es braucht einen guten Berater und etwas Zeit – die sich dann aber auch ausgezahlt haben wird. Die Entscheidung für eine Lösung in der Krankenversicherung ist schließlich eine mit großer Tragweite.

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
Dann melde Dich: per Mail beratung@finanzdiskurs.de oder Telefon +49 178 3484412

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