Krankenversicherung: Studienversagen

Thema: // Author: Arne Lotze

Studienversagen und Stussaufnahme

Stop, ich mache das mal eben vor, das Zurückrudern. Liebe Premium Circle Deutschland GmbH, liebes Institut für Mikrodaten-Analyse (IfMDA), ich hoffe, Ihr habt aufgepasst. So oder ähnlich kann man das machen, wenn man Meinung transportiert und das nicht verhältnismäßig tut. So muss man das wahrscheinlich sogar machen, wenn das Organ kein Blog sondern eine sog. Studie ist.

Siehe  hier:  Versicherungsjournal Premiumcircle Studie

Ich rudere also, da ja durchaus gute Informationen ihren Auftritt haben.

Nachhaltigkeitsproblem der Gesetzlichen Krankenversicherung

So kann man gar nicht häufig genug darauf hinweisen, dass die Gesetzliche Krankenversicherung ein riesiges Nachhaltigkeitsproblem hat mit Blick auf die Entwicklung der Altersstruktur der Gesellschaft in Deutschland. Vielleicht weil, so wird ketzerisch formuliert, das System im vorletzten Jahrhundert seinen Ursprung habe. Das ist natürlich nicht ganz verkehrt. Als Bismarck die Krankenversicherung eingeführt hat, gab es in Deutschland ganz viele junge und wenig alte Menschen. Wer alt war, ist recht früh gestorben und vor allem die Behandlung lebensgefährdender Krankheiten und lebenserhaltende Maßnahmen waren weit vom heutigen Stand entfernt. Da ging die Rechnung vom Solidarsystem natürlich auf.

Heute sieht die Rechnung ganz anders aus. Wenn Rentner früher 80% der Kosten, die sie verursacht haben, selbst getragen haben, sind es heute nur noch 40%. Das, so der Leiter des IfMDA, sei eine „Verletzung des Generationenvertrages“ und schließlich „Staatsversagen“. „Die heutigen Erwerbstätigen werden die Verlierer im Generationenvertrag sein.“

Das nochmal nachzulesen aus dem Munde von Prof. Raffelhüschen

Da gehe ich d‘accord. Zumal Rücklagen nicht gebildet werden und somit die Lawine sehenden Auges Richtung Tal rauschen gelassen wird. Das würde auch erklären, warum so viele Deutsche Hundefreunde sind. Die hoffen natürlich, dass sie von ihrem vierbeinigen Freund aus dem Schnee gegraben werden und mit was zum Aufwärmen versorgt werden, wenn sie erst von Schneemassen verschüttet wurden. Bekümmern wird dies nur einen Kollegen, denn wo Schnee liegt, muss bekanntlich nicht mehr gelaufen werden.

Lawinenrettung

Weiter in der Studie. Auch richtig ist der Hinweis, dass die 32 größten privaten Krankenversicherer 208 Tarifsysteme mit 1.567 Kombinationen anbieten. Ich habe natürlich die Zahlen nicht überprüft. Die Richtung stimmt aber und führt vor Augen: für den Endverbraucher nicht bewältigbar. Das ist nicht zwingend zu dämonisieren. Das zeugt immerhin von dynamischem Wettbewerb – und all diejenigen, die Versicherungen vermitteln, haben endlich mal Gelegenheit zu zeigen, was sie können.

Zu Recht der Hinweis vom PKV Verband: Es kommt auf die Qualifizierung des Vermittlers an. Stimmt.

Qualifizierung durch schlechtere Bezahlung?

Seltsam sind die Schlüsse die in der Studie daraus gezogen werden: Prämisse: Qualifizierung ist wichtig. Ergo: Wir lösen das, indem wir schlechter bezahlen. Vermittlungsprovisionen sollen gemäß Studie auf weniger als die Hälfte dessen beschränkt werden, was bislang gezahlt wird.

Das ist Stuss. Bei allem Zurückrudern.

Mal angenommen, es macht sich jemand selbständig und lässt einen Informatikstudenten im 1. Semester eine Website bauen. Für, sagen wir, 600 €. Das Unternehmen wächst und er brauchtirgendwann einen Online-Shop und ein Warenmanagementsystem. Der Student gibt auf, weil er ad hoc weder das Können, noch während dem Studium die Zeit hat. „Das muss einer machen, der richtig fit ist und dem mehr Zeit widmen kann.“

– Wie wahrscheinlich ist wohl der erfolgreiche Ausgang der Suche nach einem Webdesigner, wenn der Inhaber des Unternehmens sagen wir 300 € dafür bezahlen möchte?

Wie kann man denn einerseits auf ein hohes Maß an Sorgfalt und Qualifikation pochen und andererseits weniger dafür ausgeben wollen?

Es liegt nahe darauf zu schließen, dass hinter dem Studienversagen einiges Kalkül liegt. Die Premiumcircle Deutschland GmbH bietet Maklern Infrastruktur zur spezialisierten Vermittlung von Krankenversicherungen, Berufsunfähigkeitsversicherungen und Altersvorsorge.

Wenn man den Status quo jetzt nur schlimm genug darstellt und dann im Rundumschlag noch alle an den Pranger stellt, die nicht mit dem Geschäftsmodell Premiumcircle folgen, ist das hinsichtlich der eigenen Positionierung im Markt natürlich gar nicht ungeschickt.

Ehrlicherweise sollte man das ganze dann aber nicht „Studie“ sondern „Imagebroschüre“ nennen.

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
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