Germany: neue Beitragsbemessungsgrenze

Thema: // Author: Arne Lotze

 

 

Meanwhile-in-Germany

Der öffentliche Dienst in den USA steht still. Und die Märkte und wir werden erleben, wie sehr sich Barack Obama noch auf den Kopf stellen muss – und was das am Ende für Erfolge zeitigen wird.

Indessen erlebt Deutschland den ganz hauseigenen Stillstand bei der Regierungsbildung –und böse Zungen behaupten, dass am Ende der Verhandlungen ohnehin vier Jahre Stillstand stehen werden.

Mit wenig Trara und Konfetti wurden – indessen – die neuen Werte der Sozialversicherung für 2014 veröffentlicht: Haufe: Neue Werte Sozialversicherung 2014, neue Beitragsbemessungsgrenze für die Krankenversicherung inklusive.

Die immer aktuellen übrigens nachzulesen hier.

Und hier schließt sich der Kreis. Schließlich möchte der US-amerikanische Präsident eine bezahlbare Krankenversicherung für jeden. Die Krankenversicherung haben wir in Deutschland schon – und seit 2009 besteht sogar die Pflicht, krankenversichert zu sein.
Mit welchem Erfolg? Nun, die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherungen sind wesentlich dem Sozialgesetzbuch V zu entnehmen und wurden seit den 1970er Jahren schon mehrfach „reformiert“. Im Grunde wurden Leistungen gestrichen und Zuzahlungen eingeführt – aber das klingt viel grässlicher als „Reform“.

Gesetzliche Krankenversicherung beständig teurer

Dafür wurde sie dann aber immerhin beständig teurer.

Das merken viele gesetzlich Versicherte nur gar nicht. Gründe dafür gibt es vor allem 2:
1. Bei Angestellten geht der Krankenversicherungsbeitrag direkt vom Bruttolohn ab. Meistens interessiert nur das, was Netto übrig bleibt – und sehr wahrscheinlich noch das Jahresbrutto, das bei der nächsten Gehaltsverhandlung zur Debatte steht. So kommt es, dass ich 2013 wieder in viele überraschte Gesichter geblickt hab, als ich ihnen auf ihrer eigenen Lohnabrechnung zeigen konnte, dass sie sich mit ihrem Arbeitgeber gute 700 € mtl. Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag teilen.

2. Im Kopf der gesetzlich Versicherten verankert ist zumeist nur der Beitragssatz. Der wiederum steht seit 2011 stabil bei 15,5% und hat sich seit 1990 überhaupt nur von 12,50% dorthin entwickelt.
Aber viel interessanter ist doch, wie sich der Höchstbeitrag, die sog. Beitragsbemessungsgrenze entwickelt hat. Und dafür ist eben nicht nur entscheidend wie viel Prozent sondern wie viel Prozent von was.
Und da macht der Spaß a Kurv, wie der Schwabe sagt. Waren es 1990 noch 28.992 € Jahresbrutto sind wir in 2013 bei 47.250 € angekommen und erreichen 2014 mit 48.600 € ein weiteres Hoch.

107% Steigerung binnen 24 Jahren

Das bedeutet eine Steigerung von 107,86% binnen 24 Jahren oder in Euro (ohne Pflegebeitrag): 302 € Höchstbeitrag werden auf 627,75 € mehr als verdoppelt.

Den historischen Verlauf in tabellarisch gibt es hier.

Der Teil des Kuchens, den man abgeben musste, ist also kaum gewachsen. Aber der Kuchen ist heute doppelt so groß. Oder für die Sportler unter uns: Eine halbe Laufrunde ist immer noch einen halbe Laufrunde. Wir sind aber inzwischen vom 10km Lauf beim Halbmarathon angekommen. Und wenn das so weitergeht, erlebe ich den Marathon auch noch.

Nun trifft das natürlich nur gesetzliche Krankenversicherte mit einem Einkommen ab knapp 50.000 € im Jahr. „Die können sich das doch auch leisten“, denkt sich vielleicht der eine oder andere, der seinen Lebensunterhalt mit der Hälfte dessen bestreitet – und selbstverständlich eine viel geringere Steigerung des Beitrags erlebt hat.

Das denkt sich der Gesetzgeber auch. Deswegen zahlen freiwillig Versicherte – 2014 also ab 53.550 € Jahresbrutto – auch als Rentner auf die Gesamtheit ihrer Einkünfte ihren Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag. Das nochmal nachzulesen auf diesem hier.

Was fängt man mit den Informationen jetzt an? Geringverdiener freuen sich vielleicht ein wenig, dass sie für einen verhältnismäßig günstigen Beitrag die gleichen Leistungen bekommen wie Besserverdiener.

Und Besserverdiener setzen sich am besten mit ihrer Wahlfreiheit, was die Krankenversicherungssysteme angeht, auseinander.

Ein Geschenk ist die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung für sie nämlich wahrlich nicht.

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
Dann melde Dich: per Mail beratung@finanzdiskurs.de oder Telefon +49 178 3484412

Das könnte dich auch interessieren

  1. Wunschtraum eierlegende Wollmilchsau

    Nach der Lektüre von 50 Seiten (!) Kommentaren, die ich mir aus dem Spiegel online Forum ausgedruckt

  2. So nicht – die passende Krankenversicherung

    Tempora mutantur, es nos mutamur in illis Der Mann mit dem Hut ist Umberto Eco und hat nichts mit der

  3. Wer soll das bezahlen?

    Wer hat so viel Geld? Mit Blick auf die medizinische Versorgung handelt es sich begrüßenswerterweise

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.