Rürup-Berufsunfähigkeitszusatzversicherung

Thema: // Author: Arne Lotze

Der Kundennutzen gruselt sich

Wenn Altersvorsorge und Berufsunfähigkeitsschutz aufeinandertreffen, sieht das nicht nur im Schriftbild gruselig aus, das ist es auch für den Kundennutzen. So sieht das auch der Bund der Versicherten:

rürup buz bdv

Warum eine Berufsunfähigkeitsversicherung gekoppelt wird

Die Koppelung zweier Verträge, die zwar beide Versicherungsverträge sind, sonst aber nicht zwingend zusammengehören ist ein reiner Verkaufstrick. Kaum ein Kunde gibt gerne Geld aus für Versicherungen und insbesondere im Falle der Berufsunfähigkeitsversicherung, die ein Risiko absichert, an das man lieber nicht denken möchte zum einen und zum anderen nicht ganz günstig ist, werden die Beiträge meist einsichtig aber dennoch mit Murren in Kauf genommen. Schließlich möchte man seine Beiträge am liebsten zahlen, ohne die Versicherung je in Anspruch nehmen zu müssen, weil man zeit des Erwerbslebens fit bleibt wir ein Turnschuh.

Da sind die Kollegen findig und schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe: 1. sparen Deutsche ohnehin wahnsinnig gerne Steuern. Und 2. kommt ihnen der Vertrag, wenn es was vom Staat „dazugibt“, gleich günstiger vor.

Warum man das nicht tun sollte

Das aber ist ein Trugschluss. Da der Berufsunfähigkeitsvertrag an eine Altersvorsorge gekoppelt sein muss, ist der Zahlbeitrag am Ende logischerweise höher als der einer reinen, selbständigen Berufsunfähigkeitsversicherung. Klar, da ist ja auch keine Altersvorsorge mit dabei. Das macht das Konstrukt weniger transparent und flexibel – und ob nun ausgerechnet eine Rürup-Rente, die keinerlei Kapitalwahlrecht bietet und somit eine Wette gegen das Versicherungsunternehmen um den Zeitpunkt des Ablebens darstellt, die wünschenswerteste Form der Altersvorsorge ist, sei dahingestellt. Siehe dazu auch die clevere Altersvorsorge.

Vor allem aber ist es so, dass nicht nur die Beiträge behandelt werden wie die zu einer Rürup-Rente, sondern auch etwaige BU-Renten (siehe diese Tabelle). Das führt dazu, dass von der versicherten Berufsunfähigkeitsrente desto mehr Geld beim Finanzamt landet je älter man beim Eintritt der Berufsunfähigkeit ist. Moment, das ergibt aber doch überhaupt keinen Sinn, oder???

Nein, tut es nicht. Denn logischerweise werden in jungen, gesunden Jahren nur sehr wenige Leute berufsunfähig und das Risiko steigt mit zunehmendem Lebensalter:

alter bu

Sinnvoll wäre doch dann, desto weniger Steuern zu zahlen je älter man ist! Stimmt.

Berufsunfähigkeit mit selbständigem Vertrag absichern

Und so ist das auch bei einer selbständigen Berufsunfähigkeitsversicherung ohne Rürup Schnickschnack. Hier gerechnet für einen 34 Jahre alten Kunden im Jahr 2015 (der zu versteuernde Anteil hängt von der Rentenlaufzeit ab. Siehe der zweite Abschnitt in dieser Tabelle).

Bildschirmfoto 2015-10-27 um 13.12.08

Man müsste also, um das Risiko Berufsunfähigkeit adäquat abzusichern bei einer Rürup-Berufsunfähigkeitszusatzversicherung eine vergleichsweise höhere Rente absichern, was den Vertrag zusätzlich teurer macht. Außerdem würde das dazu führen, dass man seine Altersvorsorgebeiträge automatisch mit erhöhen muss. Damit das eine Rürup-Berufsunfähigkeitszusatzversicherung mit entsprechenden Steuervorteilen ist, muss der Rürup-Teil nämlich immer mindestens 51% des Versicherungsvertrags ausmachen.

Na Bravo! Oder wie die fantastischen Vier es formulieren: „Kein Applaus für Scheiße“

kein Applaus für scheiße

(Entschuldigung).

 

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2 Kommentare zu “Rürup-Berufsunfähigkeitszusatzversicherung”

  1. Bunty schrieb am

    Hallo Arne, vielen Dank für Video und Artikel! Sehr interessanter Inhalt.

    Ich finde Aussagen wie, man sollte dieses mit jenem nicht kombinieren, weil da zwei Sachen vermischt werden zwar vom Gefühl her schön greifbar, aber für ein echtes Argument gegen diese Kombination halte ich das Anführen von Gefühlen nicht. Was, wenn genau aus dieser zunächst mal ungewöhnlichen Vermischung am Ende ein Vorteil entsteht…?! Wenn es allerdings handfeste Gründe gegen so eine Vermischung gibt, sollte man davon natürlich Abstand nehmen. Nun ist natürlich die Frage wo die Wahrheit liegt. Genau das versuche ich gerade herauszufinden.

    Ich habe mal gehört, dass ca. 20% der Menschen berufsunfähig werden. Also 80% nehmen die BU-Rente nicht in Anspruch. Das würde ja auch bedeuten, dass 80% der Leute von den beschriebenen negativen steuerlichen Auswirkungen auf die ausgezahlte BU-Rente verschont blieben und im Gegenteil sogar noch die steuerlichen Vorteile in der Einzahlphase genießen würden. So wie ich es bei der Recherche verstanden habe, sind diese Vorteile umso größer je höher der persönliche Steuersatz ist.

    Kann man also sagen, je geringer der persönliche Steuersatz, desto geringer der Vorteil aus der Kombination und desto weniger Sinn ergibt so ein BUZ-Produkt?

    Was bleibt von der Kritik am BUZ-Produkt aber übrig, wenn man einen hohen Steuersatz hat und gesund bleibt, also BU-Rente mit Steuernachteilen nicht in Anspruch nimmt?

    => auf jeden Fall sehe ich das Problem, dass man den BU-Schutz verliert, wenn das AV-Produkt mal nicht finanzieren kann. Das ist wahrscheinlich schon ein ernst zunehmendes Risiko.

    • Arne Lotze schrieb am

      Moin Bunty,
      herzlichen Dank für das aufmerksame Zuschauen und Lesen – und vor allem das Teilen Deiner Überlegungen.
      Im Grunde geht es für Dich offenbar um die Antwort auf die Frage: „Wie macht man das am besten mit vergleichsweise hohem Steuersatz?“
      Meine Meinung ist: Genauso, wie jeder andere auch. Wie Du richtig schreibst aus Gründen der Gemengelage, hier aber gar nicht unbedingt die Vermischung aus (durchaus streitbarem) Vermögensaufbau und Absicherung. Sondern der Vermischung von Steuerersparnis und Versicherung. Ich verstehe den Gedankengang durchaus, spätestens, wenn ich durch meine Vorauszahlungen Richtung Finanzamt regelmäßig erinnert werde. Da wir in einem Land mit recht hohen Abgaben leben, ist der Wunsch, Steuern zu sparen auch vollkommen nachvollziehbar.
      Aber:
      Egal, wie hoch der Steuersatz und die Steuerlast respektive die Ersparnis. Du wirst nach der Ausgabe für egal welche Rentenversicherung oder Berufsunfähigkeitsversicherung nie mehr Netto haben als vorher. Die Dinger bieten irgendeine Form von Leistung und kosten dafür Geld. Wenn das so ist, würde ich im Idealfall am Ende aller Zahlungsströme und unter Berücksichtigung einer Vielzahl von Szenarien die beste Lösung wählen.
      Da wir von langen Laufzeiten reden, halte ich Flexibilität für nicht unerheblich. Zwei Komponenten sind leichter veränderbar und anpassbar als die Kombi.

      Das Szenario, gar nicht berufsunfähig zu werden, gibt es natürlich (ich höre zumeist eher von 25-35% aller Berufstätigen und nicht von 20% aber solange eine nennenswerte Eintrittswahrscheinlichkeit besteht, ist das sicher nicht entscheidend). Zu dem Mut zur Lücke würde ich allerdings nicht raten und halte das Kosten-/Risikoverhältnis in den überwiegenden Fällen für sehr gesund.

      Wenn Du also eher zur Abgabe des Risikos neigst, entsteht unweigerlich das erste Problem beim Kombiprodukt:
      Du möchtest sowohl die beste Form des Vermögensaufbaus als auch die günstigste BU mit hochwertigen Versicherungsbedingungen. Dass das für Deinen Beruf zu haben ist, ist nicht undenkbar aber kein Selbstgänger. Mal wird der Versicherer den Kapitalaufbauteil in der Rürup-Versicherung nicht zeitgemäß und wenig performant anbieten, mal ist der BU Teil zu teuer, mal fehlt vielleicht ein Merkmal in den Bedingungen, das man gerne eingeschlossen wüsste.

      Hinzu kommt, dass ich nicht verhehle schlichtweg kein großer Fan von Rürup zu sein. Egal ob alleinstehend oder als Kombi. Ein Video, das sich damit beschäftigt gibt es auch: Clevere Altersvorsorge Der Gedankengang dazu ist recht einfach und eingängig: Jede Rentenversicherung ist eine Wette um die Lebenserwartung. Da Du bei Rürup zwangsläufig lebenslang eine Rente bekommst, ist die Rendite abhängig von Deiner Lebensdauer. Ein erster brauchbarer Anhaltspunkt ist die Rechnung: Summe der eingezahlten Beiträge geteilt durch garantierte monatliche Rente. Du erhältst dann die Anzahl der Monate, die Du Rentner sein musst, um 0% Rendite vor Inflation erreicht zu haben. Das kannst Du dann beliebig komplex werden lassen (mit Steuervorteil in der Einzahlphase / mit Steuernachteil in der Auszahlphase / mit Aufzinsung einer Inflationsrate, die Du für angemessen hältst / mit der Überlegung, dass der Versicherer Dein Kapital auch anlegt und ein großer Teil Deiner Rente eigentlich aus Zinsen und Erträgen kommt, von Geld, das Du eingezahlt hast, über das Du aber nicht verfügen kannst).
      Oder anders gewendet: Rürup lohnt sich meiner Ansicht nach in nur einem Szenario: Du bist im Höchststeuersatz in der Einzahlphase, der Versicherer und/oder Dein Berater verstehen eine Menge von Kapitalanlage und besonders wichtig: Du wirst steinalt. Je älter Du wirst, desto mehr geht Deine Rendite gegen unendlich.

      Insofern lässt sich übrigens auch Deine Frage nach dem abnehmenden Nutzen für Menschen mit geringem Steuersatz eher verneinen. Die haben zwar wenig vom Steuervorteil in der Einzahlphase, müssten als BU (oder überhaupt) -rentner aber auch weniger Steuern zahlen. Und auch bei ihnen wäre die Rendite von der Lebensdauer abhängig.

      Zusammenfassend bin ich also Rürup-Skeptiker und insofern auch kein großer Fan einer Rürup-BUZ. Hinzu kommt, dass mir persönlich Flexibilität und Handlungsoptionen wichtig sind. Die erhalte ich mir eher, wenn ich beide Komponenten getrennt im Portfolio habe.

      Was die Steuern (und das Ersparen angeht), halte ich in bestimmten Konstellationen die fremdvermietete Immobilie für eine interessante Variante. Spätestens das ist aber eine so individuelle Betrachtung, dass sie in einem Kommentar nicht leistbar ist.

      Bei Fragen: einfach fragen.

      Sonnig, Arne

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