Multi-Rente: Was Vertreter beruflich machen

Thema: // Author: Arne Lotze

Ein guter Berater

Einen guten Berater, was Versicherungen und Geldanlage angeht, stelle ich mir so vor: Er macht dem Kunden Handlungsalternativen transparent und lässt sich vor allem langfristig und nachhaltig an Ergebnissen messen. Das kann der Preis sein, das können Renditen sein oder das kann die die Zeiten überdauernde Qualität von Leistungskatalogen bzw. Bedingungswerken sein.

Klingt gut. Ist in der Realität häufig aber nicht so.

Wir schauen uns das an einem jener Realität entlehnten Beispiel an und schauen durch die Brille von Klaus. Klaus arbeitet im Auftrag einer Versicherung, die einen ganz besonderen Trick auf Lager hat: Sie kooperiert mit der Handwerkskammer.

Wie genau das mit der Unabhängigkeit von Kammern auszusehen hätte, weiß ich nicht, das sei für den Moment aber auch dahingestellt, denn es geht ja um den nächsten Kunden.

Versicherungs-Klaus bekommt eines Tages also Besuch von zwei jungen Männern. Der eine hat gerade sein betriebswirtschaftliches Studium abgeschlossen – nennen wir ihn WiWi – der andere arbeitet zur Stunde schon handwerklich – nennen wir ihn Hau-ruck – und die beiden machen sich selbständig in einem handwerklichen Beruf.

„Super! Kundschaft“, denkt sich Klaus. Zumal die Kooperation für WiWi und Hau-ruck ja suggeriert: hier kennt man sich mit Handwerkern richtig gut aus.

Vorsicht Mischkalkulation

Nun sind WiWi und Hau-ruck vielleicht etwas zu euphorisch an die Sache herangegangen. Die Mischkalkulation behält auch bei Kooperationen natürlich ihre Gültigkeit. Klaus‘ Versicherung kann ja gar nicht in jeder Sparte bei besten Leistungen günstiger sein als der Markt, sonst würde sie am Ende draufzahlen. Sie wird also hier und da gute Angebote haben, andererseits aber überteuerte Produkte, die so viel Geld in die Kassen spülen, dass sie sich leisten können, in anderen Sparten etwas günstiger zu sein.

Klaus, WiWi und Hau-ruck sitzen also zusammen und besprechen Versicherungsdinge. Gerade Handwerker, die körperlich arbeiten, müssen natürlich ihre Arbeitskraft absichern. Außerdem kommt es irgendwann, das hoffentlich dicke Ende der Erwerbstätigkeit. Altersvorsorge ist das Zauberwort.

Nun muss Klaus leider feststellen, das WiWi und Hau-ruck bei einem Versicherungsmakler beraten wurden. Das ist natürlich doof, denn ein Makler hat ja gar nicht von Seiten einer Versicherung den Auftrag, ihre Produkte zu verkaufen, sondern muss im Auftrag des Kunden nach objektiven Kriterien ausgesuchte Lösungen anbieten. Oh, oh.

Aber, Klaus ist ja nicht auf der Suppe hergesegelt. Mit dem Wind der Kooperation im Rücken schaut er sich die bestehenden Berufsunfähigkeitsversicherungen an. „Hmm … das ist ja blöd“, wird der erste Gedanke gewesen sein. Sowohl WiWi als auch Hau-ruck haben richtig gute Verträge – die vor allem, oh Wunder, deutlich günstiger sind als das Angebot seines Versicherers. Tolle Wurst, tolle Kooperation. 35 € und 65 € an monatlicher Prämie stehen 145 € bei Klaus‘ Versicherung gegenüber. Und dann kann Klaus‘ Versicherung noch nicht einmal auf Seite der Leistungen punkten.

Einschub: Der große Preisunterschied von 35 € zu 145 € kommt daher, dass WiWi und sein Makler richtig clever waren und die Versicherung schon zu Zeiten des Studiums beantragt haben. Da Studenten nicht handwerklich arbeiten, ist WiWis Vertrag deutlich günstiger als Hau-rucks und günstiger als Klaus‘ Angebot sowieso. Einschub Ende.

Klaus löst die Krawatte, reißt sein Hemd auf und zum Vorschein kommt ein blaues Spandex-Oberteil, auf der Brust ein rotes „S“ umrahmt von „V“ und „K“. Super-Versicherungs-Klaus.

VSK

Ein Avada Kedavra der Berufsunfähigkeitsversicherung?

Bei der Macht der Kooperation kauft Klaus ein „E“ und möchte lösen: Existenzschutzversicherung heißt das „Avada Kedavra“ für die bestehenden BU-Verträge.

avada kedavra

Eine Multi-Rente. Super?

Für knapp 30 € im Monat kann er mehr Rente anbieten, einer sog. Multi-Rente sei Dank. Mulitrentenprodukte heißen so, weil es sich im Grunde um eine Unfallversicherung mit Unfallrente handelt. Dazu kommen dann noch einige weitere Leistungsauslöser wie zum Beispiel Krebs oder giftige Gase, Strahlen etc.

Je nach Statistik, die man sich anschaut, werden all jene Auslöser zwischen 10% und 15% der Gründe einer Berufsunfähigkeit ausmachen.

Super-Versicherungs-Klaus: gut gemacht. Nicht. Ausrufezeichen.

Berufsunfähigkeit – Und das ist alles, was ich dazu zu sagen habe

Aber darin ist Klaus ohnehin richtig super. Insbesondere bei WiWi musste Klaus ja noch zusätzlich einen raushauen. 30 € ist gegenüber 35 € ja noch nicht die Wahnsinnsersparnis. „Ha, hab ich Dich“, meint Klaus. Denn, WiWi ist ja noch als Student abgesichert. „Dann greift die BU ja gar nicht.“ Und: „Es gibt da diese Klausel, gemäß der Du als Selbständiger bei Berufsunfähigkeit nur jemanden einstellen musst, der für Dich arbeitet, dann bist Du gar nicht mehr bu.“

Lieber Klaus, Du hast nicht mehr die Wahl zwischen dem Umschlag und Tor 3. Über den Zonk müssen wir noch verhandeln, aber geh jetzt bitte einfach.

Denn es ist ja so. Wenn auch der Makler nicht auf der Suppe hergeschwommen ist, ist in WiWis Vertrag immer der zuletzt ausgeübte Beruf versichert. Eine Meldung des Berufswechsels ist nicht nötig. Das steht so auch in §3 der Versicherungsbedingungen.

Fachlich 6-

Beantragen kann man ja alles und ich möchte hiermit die Einführung einer 6 Minus beantragen. Genau das ist das fachlich nämlich.

Und auch im zweiten Punkt ist klar im Vorteil, wer lesen kann. Diese Klausel gibt es zwar. Die Umorganisation des Arbeitsplatzes muss aber zumutbar sein. Bei einem Zweimann-Unternehmen ohne vorhandene Angestellte ist kaum zumutbar, jemanden zu bezahlen, der so gut arbeitet, dass er einen der beiden Inhaber ersetzt. Mehr als 20% Einkommenseinbußen sind nämlich nicht zumutbar. Das steht so in den Bedingungen und auch dazu gibt es Rechtssprechung vom Oberlandesgericht Koblenz:

Urteil OLG Koblenz – Umorganisation des Arbeitsplatzes

Revision wurde nicht zugelassen.

Super-Versicherungs-Klaus: richtig super!

Was Klaus beruflich macht? Keine Ahnung. Hoffentlich nichts mit Versicherungen.

 

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