Vermittler und Philosophen

Thema: // Author: Arne Lotze

Ich glaube, dass Vermittler gute Philosophen sein können. Und ich glaube, dass Philosophen exzellente Vermittler sein können.

Nun, richtiger ist bei allem vorweihnachtlichen Optimismus – und wie wir übermorgen ein weißes Hamburg haben werden, ganz bestimmt! – der Konjunktiv, könnten. Selbst, wenn wir uns mit Berufsunfähigkeitsversicherung und arglistiger Täuschung befassen müssen.

Philosophen

Einen Philosophen zeichnet die Liebe zum Wissen bzw. zumindest mal zur Reflektion aus. Fängt ein solcher an zu vermitteln, hätte er sein alltägliches operatives Handeln mit großer Wahrscheinlichkeit abgeglichen mit seinem Selbstbild einerseits und mit seinem Wertekatalog andererseits. Wer sich Fragen stellt wie: „Wer bin ich? Warum bin ich überhaupt? Und wo bewegt sich das wohl alles hin, wenn man es in einen größeren Sinnzusammenhang stellt?“, wird tagein tagaus kaum Dinge tun können, die gegen diese wohl reflektierten Überlegungen laufen. Ergäbe ja auch keinen Sinn, wo gerade von „Sinn“ die Rede ist.

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Platon

Vermittler

Was aber zeichnet einen Vermittler aus? Nun, in erster Linie leider nur, dass er vermittelt. Zwischen dem Eigeninteresse und dem, was man dem Kunden gerade so noch glaubhaft machen kann auf der einen Seite und dem Interesse des Kunden und der Suche nach dem optimal auf den Kundenbedarf passenden Produkt auf der anderen Seite klafft aber leider ein riesiger Raum, den zu durchmessen, selbst, wenn kein Schnee liegt und gelaufen werden darf, nicht ganz einfach ist.

Ich bin überzeugt, dass klarer wird, worauf ich hinauswill, wenn ich Dinge umkehre:

Wer ist jemand, der Kunden aus bloßem Eigeninteresse jeden Quatsch erzählt? Was sieht so jemand als den Grund seines täglichen Handelns? Wie ist sowas in einen gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang einzuordnen? Letztlich: Was sieht so jemand, wenn er in den Spiegel schaut?

Man überlege sich nur, jeder Zahnarzt würde einem bei jedem Besuch dazu raten, so viele Zähne wie er plausibel machen kann, zu ersetzen. Oder jeder Kfz Mechaniker würde bei der ersten Inspektion irgendein Kabel abklemmen, um zu erläutern, dass ein neuer Motor vonnöten ist. Oder jeder Mitarbeiter in einem Reisebüro rät grundsätzlich dazu, einen Flug nach Australien zu buchen, um auf dem Weg nach Österreich die größtmögliche Flexibilität zu haben.

Es wird immer schwachsinniger.

Und dennoch passieren Dinge, die für den Experten nicht einen Deut weniger schwachsinnig sind.

Berufsunfähigkeitsversicherung – arglistige Täuschung?

Just am vorgestrigen Tage stand zum Beispiel ein Kollege vor mir, der Post von einem Mandanten bekommen hatte, in der ihm arglistige Täuschung vorgeworfen wurde und in der von der Optimierung der Arbeitskraftabsicherung des Mandanten zurückgetreten wurde.

Und das war passiert: Der Mandant hatte zuvor schon eine solche Absicherung über einen anderen Vermittler bei einer anderen Gesellschaft. Abgesichert worden war sinnvollerweise eine Rente irgendwo zwischen 0 € und Hartz IV Niveau. Was faktisch ja auf das Gleiche herauskommt. Zumindest für den Mandanten. Es freut sich höchstens das Sozialamt.

Ja, „sinnvollerweise“ war ironisch.

Dafür wurde bei der Vertragsgestaltung Geld angespart – so kann das Sozialamt wenigstens zwei verschiedene Arten von Vermögen anrechnen.

Mein Kollege hatte nun völlig unironisch – Ironie liegt ihm gemäß eigenen Aussagen auch nicht – die Rente bei gleichem Beitrag verdoppelt. Einfach, indem er findig genug war, eine Gesellschaft anzufragen, die das Risiko günstiger einschätzt.

Was daran soll nun arglistig gewesen sein?

  1. Es wird kein Geld angespart.
  2. Es werde nicht auf ein absolutes K.O. Kriterium im Bereich Berufsunfähigkeitsversicherung verzichtet: die abstrakte Verweisung.

Und dies ist ihr Flug nach Austral… äh Österreich.

  1. Ist schlichtweg nicht haltbar, allein schon weil doppelte Rente mit der Option zusätzlich anzusparen unwesentlich teurer gewesen wäre als die halbe.
  2. Ist eine Falschinformation, die ihrerseits arglistig ist. Oder die grobe Unkenntnis zeitigt, zumal es sich um einen Anbieter handelt, der seitdem ich Bedingungswerke vergleiche noch nie überhaupt einen Tarif angeboten hat, der sich einen solchen Schnitzer leistet.

Es ließen sich ohne weiteres Beispiele anfügen.

Das vom Versicherungs-Klaus zum Beispiel.

Stattdessen möchte ich den Appell an meine Kolleginnen und Kollegen richten:
Lasst uns Philosophen werden!
Zumindest aber Kundeninteresse-phil!

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
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