Unisex revisited

Thema: // Author: Arne Lotze

Wer mit der Bahn nach Köln reist, wird dort vom Kölner Dom in Empfang genommen. Ein wenig gruselig wirkt er ja, wie er so gotisch in den Himmel wächst.

kölner dom

Das ist aber nicht das einzig und vor allem nicht das eigentlich Gruselige in Köln. Dem WDR sei Dank, erfuhr ich nämlich, wie gruselig die Beratungsqualität in Sachen Unisex bei manchen Versicherungsvertretern noch immer ist. Wohlgemerkt nicht mehr ganz einen Monat bevor Verträge, die Mann und Frau unterscheiden, der Vergangenheit angehören werden.

Man stellt sich die Frage, was die Jungs eigentlich beruflich machen?

Ein Grund mehr, noch besser aufzuklären.

1. Besuch – Unisex? Kann ich noch nichts zu sagen

Beim ersten Versicherer konnte man zu Unisex noch nichts sagen. Die Tarife ließen sich noch nicht rechnen. Ne, ist klar. Alles was sich noch nicht rechnen, also verkaufen lässt, ist erstmal noch uninteressant. Nebenbei bemerkt, Beitragstendenzen in verschiedenen Sparten standen sogar Mitte des Jahres fest und wurden von Versicherern auf Nachfrage mitgeteilt. Zwar entnimmt man dem zuweilen recht großzügige Spannen zwischen 30% und 55% – es wäre doch aber sicher nicht zu viel verlangt, dem Kunden zumindest zu sagen: wird deutlich teurer kommendes Jahr. Wie viel genau, weiß man noch nicht. Aber merklich in jedem Fall.

Gekrönt wurde die Beratungsverweigerung dadurch, dass eine Rentenversicherung beim eigenen Unternehmen für Mann und Frau teurer werden soll. Das ist gemäß eigener Homepage nicht so. Die spricht, wie der Rest des Marktes auch, davon, dass Rentenversicherungen für Männer teurer und für Frauen günstiger werden. Das liegt daran, dass Renten lebenslang ausgezahlt werden. Frauen leben statistisch gesehen länger und daher nehmen Versicherer hier einen größeren Risikopuffer. Noch. Kommendes Jahr dürfen sie das nicht mehr.

Das macht Männer zu ehemals günstiger Gestellten. Und Frauen können sich durch einen Krümel Ersparnis zumindest über eine leckere Domwaffel – wer Waffeln mag unbedingt probieren – mehr im Monat freuen.

2. Besuch – unsinniger Versicherungsbeginn

Bei Gespräch Nr. 2 hätte dem Berater Ausbildung in Grundlagen des Vertragsrechts sicher gut getan. Auch er konnte Unisextarife noch nicht rechnen und daher nichts dazu sagen. Er empfahl der Kundin aber dennoch Riester, Berufsunfähigkeitsversicherung und Krankenzusatzversicherung. Mit Beginn 1.1.2013. Das sei ja dann durch Unisex schon günstiger. Nun immerhin hat er Sparten erwischt, die zutreffend sind. Rentenversicherungen, Krankenversicherungen und Berufsunfähigkeitsversicherungen werden für Frauen in der Tat ein wenig günstiger. Blöd nur, dass Riesterverträge ohnehin schon unisex sind. Nur ein halber Treffer also. Was in aller Welt soll aber der Quatsch mit dem Beginn im neuen Jahr?

Liebe Verbraucher, es ist so, dass man sogar noch mit Beginn 1.3.2013 Verträge nach heute geltenden Recht abschließen kann – sofern man es vor dem 21.12.2012 tut.

Das heißt anders gewendet aber auch: Nur in Ausnahmefällen bieten Versicherer Unisextarife jetzt schon an. Wenn die nicht angeboten werden, kann man sie auch nicht abschließen. Und den Beginn in den Januar 2013 zu legen bewirkt: Nichts.
Tolle Wurst. Entscheidend ist nicht, wann das Vertrag beginnt, sondern, wann er geschlossen wurde.

En passant wurde dann noch eine BU-Rente angeboten, die verhältnismäßig sinnlos war. Auf die Frage „Könntest Du mit den angebotenen 900 € monatlich denn leben?“, antwortete die Testkäuferin nämlich mit: „Nein. Kann das denn überhaupt jemand?“ Gute Frage.

3. Besuch – aller guten Dinge

In Termin Nr. 3 gab es dann endlich eine Broschüre mit Informationen zu Unisex und eine Beraterin, die nicht verstehen konnte, warum andere Berater sowas nicht auch in treue Hände gegeben haben? Außerdem war das Unternehmen, das sie vertritt so schnell, dass es sogar eine Umtauschoption gibt, für Kunden, die in 2012 einen Vertrag abschließen und mit einem Abschluss 2013 besser gestellt gewesen wären.

Das hat uns, dem WDR und dem finanzdiskurs gefallen.

Es bleibt mit auf den Weg in den Vorweihnachtstrubel 2012 zu geben:

  1. Nichts überhasten. Wenn Eile geboten ist, möge der jeweilige Berater genau erläutern warum.
  2. Am besten einen unabhängigen Berater aussuchen. Nur wer frei auswählt, kann absichtlich das passende Angebot finden.
  3. Nichts kaufen, was unnötig ist, nur weil es vergleichsweise günstig ist. Unnötiges ist immer zu teuer.

 

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
Dann melde Dich: per Mail beratung@finanzdiskurs.de oder Telefon +49 178 3484412

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