Versicherung – Es rauscht im Karton

Thema: // Author: Arne Lotze

Von drauß aus dem Supermarkt komm’ ich her und ich sag Euch, es weihnachtet sehr. Geht schon wieder gut runter, der erste Lebkuchen der Saison. Nicht, dass das jemand für Frustbewältigung hält. Und so fern liegt das in meiner liebreizenden Branche der Versicherungen vermittelnden Menschen gar nicht.

weihnachten supermarkt

Selbsthilfegruppe Frust in der Versicherungsbranche

Am Mittwoch, den 27. August fand in der Handelskammer Hamburg nämlich der 11. Norddeutsche Vermittlertag statt –  oder wie ich ihn liebevoll nenne: die Selbsthilfegruppe Frust in der Versicherungsbranche. Wer da war, hat wahlweise Bacardi- oder Weihnachtsfeeling dringend nötig. Von Druck und Frust war die Rede und gekrönt wurde die Weltuntergangsstimmung von einem Vortrag über Burnout vom Leiter des psychosomatischen Zentrums Falkenried, Prof. Stephan Ahrens. Nahm das Wunder? In der Pointiertheit schon. Die Vertriebsstimmung im deutschen Versicherungsmarkt scheint, schenkt man dem einen oder anderen Newsletter Glauben, ohnehin zwischen schlecht und hundsmiserabel zu oszillieren.

Und dafür gibt es natürlich Gründe, die zuteilen über den Tag auch namhaft gemacht wurden:

  • der Markt sei gesättigt
  • aus 8 Kundenkontakten würden 4 Gespräche mit einem Vertragsabschluss
  • und vielleicht das Schlimmste: dieses Internet. Da informieren sich Kunden nämlich unverschämterweise NACH der Beratung

Versicherungen – Teuflisches Internet

Folglich wird das Internet für den Teufel gehalten und soziale Kanäle werden nicht verstanden und erst recht nicht bespielt. Schön beispielsweise: die Hanse Merkur hat ein Karriereportal und damit eine erste Seite, die „responsive“ ist – sich dem jeweiligen Endgerät (PC, Tablet, Smartphone) also anpasst. Im Jahre 2014. Herzlichen Glückwunsch. Und damit ist sie dann so fortschrittlich, dass sie einen Vortrag gestalten darf.

Dass ich das vollkommen anders ausbuchstabiere ist eh klar:

  • der Markt ist, wenn überhaupt, gesättigt mit qualitativ unnötig schlechten Finanzportfolios. Das ist aber mehr ein Auftrag zum Arbeiten als zur Untätigkeit.
  • Ich habe auch 8 Kundenkontakte. Danach hören die Überschneidungen aber auch schon auf. Weiß dieser Vogel, der an Gerippen nagt, wo es im Markt hängt?
  • Ich finde, Kunden informieren sich noch viel zu wenig im Internet. Gemäß Statistiken nur zu ca. 5% über Blogs. Das darf gerne mehr werden. Was gibt es Schöneres, als wenn ein Kunde wiederkommt und berichtet: „Ich habe nochmal recherchiert und habe an Deinen Vorschlägen nichts zu beanstanden.“ Genau das sind doch die Kunden, die hinterher ihren Freunden berichten, dass sie endlich einen Berater gefunden haben, der nicht nur Geld verdient, sondern es auch wert ist.

Wie soll das nur enden?

Ich hoffe, die Güte der Informationen wird noch besser. Und der Trend, dass Kunden den Markt zuweilen besser kennen als der Versicherungsangestellte an der Ecke, setzt sich fort.

Das heißt auch, dass weniger Raum sein wird für schlechte Produkte und mittelprächtig ausgebildete Berater. Der eine oder andere wird auf dem Wege sicher noch viel mehr schlechte Laune bekommen, wer die vorher aber nur deswegen nicht hatte, weil er dem uninformierten Kunden jeden Käse ans Knie nageln konnte, dem gönne ich sie.

Mit einhergehen werden dann mit Sicherheit auch Versuche Abschlusspanik zu erzeugen und für das Verkaufsergebnis zu nutzen. Zu erleben wird das sein im Rahmen der Entwicklungen des Lebensversicherungsreformgesetzes.
Das Lebensversicherungsverfallgesetz

Selbstverständlich informiere auch ich meine Kunden darüber. Am besten aber jetzt, wenn hinreichend Zeit für saubere Recherche und ordentliche Prozesse gegeben ist – und nicht kurz vor knapp im Sinne von „Noch drei Tage. Ein schlechtes Produkt ist jetzt doch besser als gar keins.

Falsch. Dann lieber gar keins und von dem Geld eine Packung Lebkuchen.

Und da wundere sich noch einer, dass keiner Versicherungsvertreter mag:

gfk-verein-vertraunswuerdige-berufe-2014-flop-wichert

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
Dann melde Dich: per Mail beratung@finanzdiskurs.de oder Telefon +49 178 3484412

Das könnte dich auch interessieren

  1. Unisex: Willkommen im Endspurt

    Ja, ist denn schon wieder Weihnachten? Meine Kollegen wird freuen zu lesen: Nein, noch nicht. Folgenden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.