Ergo: Warum eigentlich?

Thema: // Author: Arne Lotze

Die Frage „Warum eigentlich Ergo“ ist überaus ergiebig.

Erstens könnte man beispielsweise fragen, warum Ergo bislang kaum den Weg auf finanzdiskurs gefunden hat? Die Presse berichtet ja viel und gerne über Sexskandale in Budapest und auf Jamaica, zudem sollen Riester-Kunden durch zu hohe Produktkosten betrogen worden sein.

ergo warum

Spiegel: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ergo

Nun, eingangs fand ich prima, was die Jungs und Mädels da gemacht haben.

Nein, nicht die Produkte. Woher sollen bei einem Zusammenschluss zwischen Regen und Traufe – ehemals DKV und ehemals Hamburg-Mannheimer – auch gute Produkte kommen.

Das Marketing hat mir aber gut gefallen. „Wenn sich doch eh kein Mensch freiwillig für Versicherungen interessiert, werden am Ende alle über einen Kamm geschert“, dachte ich mir. „Wenn die Ergo im Sexskandal-Taumel ist, sind das aus Sicht des Verbrauchers im schlimmsten Falle alle Menschen, die was mit Versicherungen zu tun haben. Anders gewendet heißt das aber auch, wenn endlich jemand verstanden hat, dass Autowerbung deswegen so gut ist, weil sie ein Lebensgefühl transportiert und nicht erklärt wie man einen Motor baut, ist das wiederum gut für die gesamte Versicherungsbranche.“

Die hat durchaus nachvollziehbar nicht den besten Ruf. Zuspitzen ließe sich das vielleicht auf folgenden Widerspruch: Versicherungsmenschen sollten Geld damit verdienen, passende und notwendige Produkte zu vermitteln. Häufig wurde aber vor allem Geld verdient – und das heißt noch lange nicht, dass die Produkte passend gewesen wären.

Kaum ein Kunde wird schließlich einem BMW Verkäufer anlasten, dass er Geld damit verdient, einem das Auto zu verkaufen, das er haben möchte. Zurecht verärgert wäre er dann, wenn er ein Jahr nach Kauf des Autos merkt, dass er zwar für einen BMW bezahlt hat, aber einen Dacia bekommen hat. Klingt am Beispiel eines Autos schwer vorstellbar, ist bei Versicherungsprodukten aber leider an der Tagesordnung. Vielleicht auch, weil selbst Bedienungsanleitungen für ein Auto noch unterhaltsamer sind als Versicherungsbedingungen. Außerdem braucht man für das Beurteilen der Motorleistung keine Exponentialrechnung.

Warum also jetzt Ergo auf finanzdiskurs?

Weil es so langsam richtig schwierig wird, da noch irgendwas gut zu finden zum einen. Zum anderen verstehe ich einfach nicht, was die sich denken? – Und ich bin ja neugierig.

Es ist ja so: Das Aufbauen einer bekannten und beliebten Marke dauert Zeit und kostet Geld. Wären die Versicherer, die in Ergo aufgegangen sind also überaus beliebt gewesen, hätten sie weder Zeit noch Geld aufgewendet, sich unter neuem Dach zusammenzuschließen. – Ist der Ruf erst ruiniert …

Und bei einem Konzern der Größenordnung ist das richtig aufwändig und teuer. Jeder, der schon mal umgezogen ist und diverse Dinge ummelden, ändern, ein- und auspacken musste, hat den Hauch einer Ahnung, was da los gewesen sein muss.

Sinnvollerweise hätte man dann ja versuchen können, Dinge, die schlechte gelaufen sind, besser zu machen. Ja, angefangen bei der Werbung. Vor allem aber bei dem, was Effekte beim Kunden zeitigt: Bei den Produkten und der Beratung.

Genau das passiert nur so dermaßen überhaupt nicht, dass man fast schon unterstellen möchte, dass den Ergo-Menschen das anstrengende Umfirmieren so viel Spaß gemacht hat, dass sie es möglichst bald wieder tun möchten.

Das nochmal nachzuvollziehen auf youtube:

Ergo: Werbung und Wirklichkeit

„Kein Applaus für Scheiße“

Mag ja sein, dass dem Konzernbericht 2011 zu entnehmen ist, dass Ergo der drittgrößte Erstversicherer Deutschlands war.

Wenn Medien und Verbraucher sich mündig verhalten, müssten aber bald Auszüge eines Songs der Fantastischen Vier skandiert werden: „Kein Applaus für Scheiße.“ (Video zu Buenos Dias Messias)

Ich bitte den Kraftausdruck zu entschuldigen.

Aber ist doch wahr.

Wer Kunden sträflich schlecht berät und wo auf traurige bis empörende Weise Mitarbeiter geworben und zum Zerstören ihres Freundeskreises bewegt werden sollen, liegt nahe, dass Ergo etwas tut, das ihrem Markennamen nahe liegt:

In der Logik, eine Disziplin der Philosophie, gebraucht man „Ergo“ nämlich, um auszudrücken, dass aus verschiedenen Annahmen etwas deduktiv logisch geschlossen werden kann. Das klassische Beispiel ist:

  1. Alle Menschen sind sterblich.
  2. Cajus ist ein Mensch.
  3. Ergo: Cajus ist sterblich.

Nun gibt es in der Logik aber auch eine Möglichkeit zu zeigen, dass ein bestimmter Schluss nicht logisch sondern absurd ist: Die „Reductio ad absurdum“. Genau das passiert meiner Einschätzung nach mit Ergo. Wer sich ein Image aufbaut, das Nähe zum Kunden suggeriert, im Handeln aber keines der Versprechen einlöst, muss sich in der Wahrnehmung ins Absurde reduzieren.

Warum das noch nicht passiert ist? Weiß ich nicht. Zum einen finden Versicherungsdinge in den Social Media noch immer zu wenig statt. Vielleicht auch einfach, weil Informationen eine geringe Halbwertszeit haben, wie auch der Spiegel schreibt:

Spiegel: Ergo die etwas andere Versicherung

Letztlich stellt sich die Frage: Warum überhaupt Ergo?

Das weiß ich auch nicht. Ich finde, den Laden braucht kein Mensch.

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
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