DVAG: Zur Sache

Thema: // Author: Arne Lotze

Zuweilen ist das Führen des Finanzdiskurses ein Faustisches Unterfangen. Wenn es zur Sache geht, geht es also zu des Pudels Kern (V. 1323), gleichwohl der ethische Anspruch naturgemäß ein pervertierter ist. Wo Mephistopheles erklärt, er sei „ein Teil von jener Kraft / Die stets das Böse will und stets das Gute schafft“ (V. 1335/1336), geht es hier darum, ausdrücklich Gutes schaffen und Böses abschaffen zu wollen.

Kurzum, es geht um Finanzethik

Darum also, wie gutes Finanzhandeln aussehen könnte und sollte. Wäre in Deutschland alles in oder unter meterdick Butter, könnte ich mich wieder hinlegen.

Stattdessen steuern Politik, Finanzexperten, aber auch der Journalismus das Leben von Verbrauchern, die ihnen mehr oder minder blind vertrauen, in Richtung von Wasser und Brot. Ohne Butter. Sowohl ein Kollege als auch meine Eltern sind sich einig: „Fett ist Geschmacksträger. Ohne schmeckt das nicht.“

Ich komme darauf durch Hinweise auf zwei journalistische Beiträge. Zum einen war im Hamburger Abendblatt wohl erneut zu lesen, dass Riesterrentenversicherungen ein Spitzenprodukt seien. Das wiederum hat auch literarische Anklänge. Don Quijote, der gegen Windmühlen reitet. Gut, dann beschließt man in der Redaktion des Abendblattes also offenbar, auch dann Artikel zu schreiben, wenn man keine Ahnung hat. Das wird mich nicht abhalten, nicht wind- sondern gebetsmühlenartig zu wiederholen, dass das Quatsch ist.

Siehe dazu diverse Artikel auf finanzdiskurs und ein Video

„Soll ich dir, Flammenbildung, weichen? / Ich bin‘s, bin Faust, bin deinesgleichen!“ (V. 499/500)

Zum anderen gesellte sich zu Meldungen, gemäß denen die Swiss Life den von Klagen und kritischen Artikeln gebeutelten AWD umbenennen möchte,

Manager Magazin: Swiss Life will AWD umbenennen

ein Beitrag des ZDF:

ZDF Zoom: Beraten und verkauft

Merkel DVAG

Hier geht es um die Deutsche Vermögensberatung AG (DVAG). Im Wesentlichen im Westen nichts Neues. Es gibt Berater und Verkäufer am Markt, die einen schlechten Job machen. Wenn das unter Vorspiegelung nicht vorhandener Unabhängigkeit geschieht, ist das natürlich umso verwerflicher. Das ist nun aber so alter Kaffee, dass weitere Anmerkungen eigentlich unnötig sind.

Eigentlich.

Denn an zwei Punkten stutzte ich dann doch

  1. An dem Punkt, an dem erläutert wurde (26:19 im Video), dass die DVAG zwischen 2003 und 2010 mindestens 2,4 Mio. € an die CDU und FDP und 90.000 € an die SPD gespendet hat. Das ist natürlich zulässig und im Grunde sogar zu unterstützen. Parteien sind wichtige Pfeiler einer Demokratie. Da darf man schon auch spenden.
    Aber: Gerade weil  das alles kalter Kaffee ist: wie kommt Frau Merkel dazu, 2008 bei einer DVAG Veranstaltung zu sprechen und den Beratern zu erzählen, Ihr Job sei zukünftig noch wichtiger? (24:45 im Video) Als Bundeskanzlerin informiert man sich doch hoffentlich, bevor man irgendwo spricht. Und mal angenommen man hat das getan, wie kann man dann das Vermitteln von Finanzprodukten auf ethisch äußerst angreifbare Weise wichtig heißen? Diese Frage ist nicht rhetorisch. Für mich ist das das Hexen-Einmaleins:
    “Du mußt verstehn! /Aus Eins mach Zehn, / Und Zwei laß gehen, / Und Drei mach gleich, / So bist du reich. / Verlier die Vier! / Aus Fünf und Sechs, / So sagt die Hex, / Mach Sieben und Acht, / So ist’s vollbracht: / Und Neun ist Eins, / Und Zehn ist keins. / Das ist das Hexen-Einmaleins.” (V. 2540-2552)
    Ich wäre über Ideen, Hinweise und Aufklärung in Form von Kommentaren hocherfreut.
  2. An dem Punkt an dem für eine Kundin das Fazit gezogen wird, sie habe auf schmerzhafte Weise gelernt nicht nur auf einen Berater zu vertrauen (28:25 im Video). Weiter erläutert wird das nicht, insofern ist nicht ganz klar, ob man sich gemäß ZDF Zoom nicht auf einen sondern auf mehrere Berater oder nicht nur auf einen Berater, sondern auf irgendjemanden zusätzlich verlassen soll. Beides ist Unfug.
    Wer zum Arzt geht, holt sich vielleicht auch nochmal eine zweite Meinung ein, entscheidet sich dann aber für einen Heilbehandler und sorgt nicht dafür, dass zwei Ärzte einander mitten in der OP abklatschen. Gesundheit wie Finanzkonzept sind selbstverständlich wichtige Themen und es ergibt sicher Sinn, sich umzuschauen, bis man einen Ansprechpartner gefunden hat, mit dem man vertrauensvoll einen gemeinsamen Weg einschlagen möchte. Das kann der erste sein aber auch erst der vierte oder fünfte. Mehr Berater führen meiner Einschätzung nach eher zu zu vielen Köchen, die den Brei verderben.
    Was den ominösen zusätzlichen Jemand angeht, ist völlig unklar, wer gemeint ist und wo das hinführen soll. Vermeintlich kundige Stellen sind leider oftmals genauso kundig wie die DVAG unabhängig ist …
    Wie auf finanzdiskurs bereits zu lesen war:

Es war einmal Verbraucherschutz…

“Der Worte sind genug gewechselt.” (V. 214)

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
Dann melde Dich: per Mail beratung@finanzdiskurs.de oder Telefon +49 178 3484412

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