DVAG: Doping für die Konzernbilanz?

Thema: // Author: Arne Lotze

Mich ereilte eine Email von einem Kollegen, der wahrscheinlich eingedenk meines Beitrages zur Ergo Ergo: Warum eigentlich? fragte: „Warum eigentlich?“ Dass wir ein Leben ohne die Ergo Gruppe verschmerzen könnten, ist bekannt. Die Ergo ist aber nicht allein. Auch die Deutsche Vermögensberatung AG trägt den Keim des Absurden in sich und wird sich – gerne früher als später – reduzieren.

Einstweilen war zu lesen: Cash: DVAG erzielt Rekordergebnisse

Wenn ich was dafür könnte, würde ich mich jetzt in aller Form entschuldigen. Ich war das aber nicht.

Wenn ich das nicht war, stelle ich mir die Frage: Wer war das dann? Wer verkauft da? Und ebenso unverständlich: wer kauft da?

Wenn es sich um Sport handelte, würde ich Doping unterstellen. Wie kann denn jemand, der nur Hammerwerfen trainiert, in der Spitzengruppe im Ironman Triathlon landen? Sähe sicher witzig aus, ein Mensch mit schlanken 130kg, der inmitten einer Gruppe von Menschen, die die Hälfte wiegen, in guten acht Stunden 3,86 km schwimmt, 180,25 km Rad fährt und 42,2 km läuft.

All das gibt es in der Versicherungsbranche.

Die DVAG ist registriert als gebundener Versicherungsvertreter. Das heißt, sie kuschelt mit ihren „Premium-Partnern“ und vertritt die Interessen des jeweiligen Partners gegenüber den Kunden. Die Interessenlage ist übrigens einfach und in einem Wort erklärt: verkaufen.

Dem Kunden gegenüber heißt das dann „Allfinanzberatung“. Das heißt einfach nur, dass Kunden in allen Sparten, in denen die Versicherer Bedarf haben, zu verkaufen, ein Produkt kaufen sollen.

Das ist nicht böse – ja, ich weiß, die Forschung sagt, das Gehirn könne „nicht“ nicht verarbeiten; ein Schelm der Böses …

Das ist einfach genau das, was viele andere Versicherer auch machen. Bei der Allianz heißt das eben einfach nur nicht „Deutsche Allianz Beratung“ sondern schlicht: Allianz.

Wer das in Anbetracht der vielen Premium-Partner kaum glauben kann, möge gerne die Probe aufs Exempel machen und versuchen eine Santander Haftpflichtversicherung, eine Advo Card Berufsunfähigkeitsversicherung, eine Central Lebensversicherung und eine Aachen Münchener Baufinanzierung abzuschließen.

Warum das scheitern wird? Weil die DVAG größtenteils nur einen Partner pro Sparte hat. Und ich war jetzt natürlich so gemein, Konstellationen zu wählen, die nicht funktionieren.

Damit wäre aber immer noch nicht geklärt, warum die DVAG funktioniert?

Wir kommen erneut zurück auf das Thema Transparenz. Ich bin mir sicher, dass auch die Kunden der DVAG nicht im Detail verstehen, was sie da eigentlich kaufen. Und ich kann mir vorstellen, dass auch die Verkäufer vor allem im Verkaufen, nicht aber im Beraten geschult sind und somit selbst keinen Weitblick haben.

Gut, das ist bei der Allianz auch nicht anders. Ein Allianz Verkäufer wird auch nicht um die Stärken und Schwächen von Basler Produkten wissen. Bei Licht betrachtet ist aber ja auch die Allianz nicht unerfolgreich.

In jedem Falle trifft „Ich-weiß-nicht“ auf „Ich-kann-nicht“. Da die beiden aber nicht allein sind, sondern „Ich-brauch-aber“ und „Mir-wurde-beigebracht-dass-Kunden-sowas-unbedingt-brauchen-wegen-versteh-ich-auch-nicht-so-recht“ mit im Raum stehen, mündet das in Rekordergebnissen.

Ich hoffe nur, dass die Erfolgreichen unter den DVAG Verkäufern wenigstens ihr verdientes Geld freudig verkonsumieren. Dann hat wenigstens die deutsche Volkswirtschaft inmitten all der suboptimal beratenen Kunden noch was davon.

Mehr Transparenz einfordern

Was wir da tun können? Noch viel mehr Transparenz einfordern, wann immer es möglich ist.

Dazu gehört auch eine gesteigerte Medienkompetenz im Umgang mit Finanzthemen. Ich bin der Freude voll, wenn finanzdiskurs weitergesagt wird. Und ich bin einigermaßen beruhigt, dass unter dem DVAG Blog  weniger Kommentare zu finden sind, als unter meinem.

Apropos deren Blog. Am 17. April 2013 wurde unter dem Titel „Lebensversicherer auf Abwegen?“ die absurde Ausbuchstabierung der DVAG offenbar.

„Deutsche Vermögensberatung“ ist traurigerweise nämlich gar nicht verkehrt. Gerade wir Deutschen bilden uns nach wie vor vorwiegend ein, dass es Geldanlage ist, wenn Geld auf dem Sparbuch liegt und dass es sinnvolle Altersvorsorge ist, eine Kapitallebensversicherung, den legalen Betrug, zu besparen. Nur: In den meisten Fällen ist das nicht so. – Übrigens, auch das war ich nicht.

Quatsch, der verkauft und gekauft wird

Insofern kommen hier durchaus eine Menge von Menschen, die Quatsch verkaufen und eine Menge von Menschen, die Quatsch kaufen, zusammen.

Im konkreten Beispiel wird ein Lobgesang auf den legalen Betrug gesungen. Und Versicherer, die durch den niedrigen Leitzins gezwungen sind, ihre Kunden nicht länger legal zu betrügen, werden auf Abwegen gesehen. Und besonders wichtig: Die DVAG berichtet freudig, dass sie den Produkten der Aachen Münchener sei Dank ihre Kunden weiter legal betrügen können. Es wird also weiterhin fröhlich drauf los garantiert, dass Kunden am Ende der Laufzeit vor Steuern noch nicht einmal einen Inflationsausgleich für ihre Einzahlungen bekommen.

Lebensversicherer

Super Garantie.

Details zur klassischen Lebensversicherung beispielsweise nachzulesen hier:

Produkte mit absurdem Deckungsstock

Nun sollen Mitarbeiter der DVAG gemäß Website handeln wie Unternehmer. Einen Unternehmer zeichnet nach landläufiger Meinung aber nicht aus, dass er nie Fehler macht. Sondern einen Unternehmer zeichnet aus, dass er analysiert und einsieht, wenn er einen Fehler gemacht hat, um dann eine andere Entscheidung zu treffen.

So erscheint mir das Verkaufen von Produkten mit absurdem Deckungsstock reichlich absurd. Schließlich werden sie nicht besser dadurch, dass es sie lange und in großer Zahl gibt und man sich seit Jahren schon vergewissern kann, dass die Ablaufleistung geringer wird.
Warum also noch DVAG? Wie gesagt, ich war das nicht. Und ich wüsste auch nicht warum.

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
Dann melde Dich: per Mail beratung@finanzdiskurs.de oder Telefon +49 178 3484412

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