Altersvorsorge – Ihr Sparerlein kommet

Thema: // Author: Arne Lotze

Altersvorsorge: hart aber fair

„Wieso warst Du hier nicht eingeladen?“, schrieb mir ein Freund und sendete mir den Link zu einem Spiegel Artikel

Spiegel: Plasberg Private Altersvorsorge

zu einem Beitrag beim ersten deutschen Fernsehen.

hart_fair

Nun, ich wäre zweifelsohne angereist – um dann allerdings mit einiger Wahrscheinlichkeit ähnlich wie der Wirtschaftsprofessor Max Otte mit wenig Redeanteil danebenzusitzen. Vielleicht mit noch etwas mehr Demut und Bescheidenheit.

Langfristiger Vermögensaufbau – nennen wir ihn „Altersvorsorge“ – ist ein wichtiges Thema und in der Lösungsfindung keineswegs intransparent oder unverständlich. Ein wenig Zeit muss man sich dafür allerdings schon nehmen. Nur, ist denn zuviel verlangt, sich Zeit zu nehmen, um eine clevere Variante zu finden, die nächsten 35 Jahre lang Geld anzusparen, um die darauffolgenden 30 Jahre davon zehren zu können?

Ja, das war ein rhetorische Frage.

Jedenfalls resultierte das in einem Argumentationsverlauf, der zwischen Not und Elend pendelte. Gewürzt immer mal wieder durch gehörige Portionen Wahlkampf.

Kapitallebensversicherung: Not

Es traten also an: Not. Die kapitalbildende Lebensversicherung. Warum in aller Welt man ausgerechnet über ein Produkt sprechen wollte, das schon seit 1998 als „Legaler Betrug“ verschrien ist, habe ich nicht verstanden. Dafür, dass sich das Produkt nur für den Versicherer, nicht aber für den Sparer lohnt, brauchte es weder die Finanzkrise 2008 noch die Eurokrise.

Spiegel: Legaler Betrug und mein Video dazu

 

Lafontaine: Elend

Und Elend. Die gesetzliche Rentenversicherung. Das sieht Frau von der Leyen schon ganz richtig. Das Umlagesystem funktioniert nur dann, wenn genügend Kinder geboren werden. Und daran, dass vor zwanzig Jahren zu wenig Kinder geboren wurden, können wir heute nichts mehr ändern. Ganz davon abgesehen ist das ja anhaltend der Fall.

Einzig Herr Lafontaine hat das noch nicht verstanden. Auch das ist ein Elend.

Lieber Herr Lafontaine, es ist doch so: Angenommen, die jungen Leute pflanzen seit Jahr und Tag Apfelbäume, damit die Ruheständler ganz viel Apfelkuchen essen können, klappt das auch nur, solange genügend Apfelbäume gepflanzt werden. Schon jetzt – ein Drittel der Renten wird gemäß Frau von der Leyen schon heute aus Steuergeldern bezahlt – sind mehr Menschen da, die Apfelkuchen wollen, als Bäume da sind, an denen Äpfel wachsen.

In dem Zusammenhang ist selbstverständlich ein Skandalon, dass der Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung gesenkt wird, nur weil einmal Überschüsse da sind.

Das wäre doch der Moment, um endlich Rücklagen, für schwere Zeiten zu bilden.

Stattdessen erleben wir politischen Opportunismus.

von der Leyen kennt sich nicht aus

Und Unwissenheit. Frau von der Leyen kennt sich nämlich nur mit Riester und betrieblicher Altersvorsorge aus, nicht aber mit privaten Rentenversicherungen und Rürup. Das ist zu wenig.

Vor allem aber, habe ich das Gefühl beim nächsten Mal schreiend den Raum verlassen zu müssen, wenn mir jemand vorrechnet, wie super Riester angeblich ist, weil ach so viel Förderung in den Vertrag fließe. Gerade bei Geringverdienern.

Das ist ja richtig. Nur. Wenn ich Vermögen aufbaue, interessiert mich dann, was woher eingezahlt wird oder was in Herr Gotts Namen am Ende dabei rauskommt?

Und genau hier scheitert Riester. Weil Geringerverdiener, wie Pispers sagt, „für den Arsch“ riestern.

Volker Pispers: Riesterrente

Eben jene Geringverdiener werden mit einiger Wahrscheinlichkeit Grundsicherung, als Alters-Hartz IV, beziehen müssen. Darauf wird eine Riesterrente angerechnet. Auf dem Konto macht im Rentenalter also überhaupt keinen Unterschied, ob geriestert wurde oder nicht und der Staat spart später das an Hartz IV ein, was er an Zulagen vorher eingezahlt hat.

Prima. Linke Tasche – rechte Tasche.

Das bringt nur den nicht weiter, der das Problem der Altersarmut hat.

Mittendrin ein Vertreter der Versicherungswirtschaft, der sich wunderbar angeklagt hat, indem er sich gerechtfertigt hat. Nicht ganz so geschickt und zuweilen auch nicht ganz so sympathisch.

Schließlich die Dame von der Verbraucherzentrale Hamburg. Was die da beruflich machen, versteht, glaube ich auch kein Mensch.

Ich zitiere aus den Kommentaren zum Spiegel Artikel:

2. Ausgerechnet

Bolligru 27.11.2012

Frau Castello! Hat diese grimmige Frau einen einzigen konstruktiven Beitrag geleistet? Sie hat auch keine Lösungen sondern nur Feindbilder, und vor allem keine Qualifikation. Schade, dass die z. T. lächerlichen Veröffentlichungen und Ratschläge der VZ nicht mal zu Sprache kamen, z. B. die berühmte “Ampelbroschüre” in der u. a. die Anlage in Briefmarken positiv bewertet wurde. In den VZ sitzen Leute, die sich Finanz- und Versicherungs “experten” nennen – ist das eine Ausbildung? Vorsicht vor Verbraucherschützern, die wenig Kompetenz durch viel guten Willen ersetzen wollen. Man braucht leider beides… die Aussage, die niedrigen Zinsen wären nicht das Hauptproblem der Versicherungen ist ja grotesk. Das sieht ja sogar Lafontaine ein.

Dem ist wenig hinzuzufügen. Außer dem Hinweis auf einen Artikel auf finanzdiskurs:

Die Riesterpflaume oder wer schützt vor dem Verbraucherschutz?

Es gab aber auch Lichtblicke. Ich erlebte nämlich erstmals Herrn Plasberg – ich schaue kaum fern. Den fand ich richtig gut! Das stimmt froh, was Fernsehjournalismus angeht. Offensichtlich gut vorbereitet, nett aber bestimmt.

Und dass Frau von der Leyen beidhändig mit ihrem Wasserglas kämpfte, um nicht zu plütern, war auch ganz witzig. Ihr Sparerin kommet also, es bleibt amüsant und spannend.

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
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