Verbraucherzentrale – April, April

Thema: // Author: Arne Lotze

April, April im Hamburger August

Gemeint ist selbstverständlich nicht das Wetter. Für das möchte ich ausdrücklich eine Lanze brechen. Biographisch bedingt konnte ich über Jahre recht genau und regelmäßig nachvollziehen, inwiefern das Wetter in Hamburg schlechter ist als im Schwarzwald – also im ach so sonnigen Süden Deutschlands. Pustekuchen. Wer Sonne will, muss dahin, wo die Jugendarbeitslosigkeit Richtung 50% geht. – Was mir durchaus einige Sorge bereitet.

Sorge bereitet mir ferner, dass, wer gute Beratung möchte, NICHT zur Verbraucherzentrale Hamburg gehen sollte. Ich warte inzwischen eigentlich nur noch auf entweder: ein beherztes „Ja, sicherlich“ auf die Frage: „Habt Ihr gesoffen?“ oder auf ein „April, April“.

MoPo AlVo

Vielleicht hat sich die MoPo am 30. August 2012 geirrt und hat das „nicht“ unterschlagen, als sie getitelt hat: „So sorgen Sie fürs Alter vor“. Alte Katze, wie ein Kollege von mir sagen würde.

Nur, dass man mit den Aussichten, die die Verbraucherzentrale den Verbrauchern baut lieber nicht alt werden möchte. Seinen Ausgang nimmt der Artikel von Artikeln, denen zufolge viele Rentner noch bis ins hohe Alter gezwungen sind, sich arbeitend Geld dazuzuverdienen.

Alter Wein in neuen Schläuchen also: Selbst fürs Alter vorsorgen ist unabdingbar. Jetzt ist nur die Frage: Wie? Rürup, Riester, betriebliche Altersvorsorge, Renten- oder Lebensversicherung? Mit klassischem Deckungsstock oder fondsgebunden? Oder gar ohne steuerliche Vorteile?

Wer möchte, kann sich dazu auch von der Verbraucherzentrale verkackeiern lassen. Selten hat das Ausgeben von 150 € sich weniger gelohnt. Zumindest zu großen Teilen.

Anfangs ist das gar nicht so übel:

  1. Man möge sich unabhängig beraten lassen. Bravo!
  2. Man möge bei Riesterverträgen auf die Kosten achten. Bravo! Artikel, in denen nachzulesen ist, dass hohe Kosten die Zulagen auffressen, sind schließlich aus der Tagespresse bekannt.
    Süddeutsche: Kosten fressen Zulagen auf

Danach aber: Armes Deutschland

Wir stellen uns vor: Günther. Günther möchte im Rentenalter gerne Auto fahren. Deswegen spart er darauf hin, sich zum Renteneintritt einen kleinen Flitzer leisten zu können. “Warum nicht einen Jahreswagen”, denkt er sich. Auftritt Verbraucherzentrale Hamburg: „Günther, kauf Dir doch am besten jetzt schon irgendein mittelprächtiges Auto. Ganz wichtig: Neu. Der erste Kilometer ist schließlich der teuerste. Wenn Du dann ein Jahr von dem Rentenbeginn merkst, dass das Auto Dir unter dem Hintern zusammenbricht, kannst Du es ja immer noch verkaufen und Dir für das Geld ein Skateboard kaufen.“

200 Puls hätte Günther da wahrscheinlich. Bald.

Genau das schlägt die Verbraucherzentrale vor. Einfach losriestern und schön die Abschlusskosten in den ersten fünf Jahren bezahlen. Und wenn man dann nach zwanzig Jahren merkt, dass der Vertrag nicht zielführend war, kann man ihn ja immer noch kündigen. Dann muss man zwar die Zulagen zurückzahlen, den Rest bekommt man aber ausgezahlt. Liebe Verbraucherzentrale: NACH Kosten. Noch schöner: das nennt sich dann auch noch Flexibilität. Die einem andere Durchführungswege angeblich nicht bieten. Die eingangs provokativ gestellte Frage nach dem Trinkverhalten drängt sich erneut auf. Und was genau soll man sich davon dann kaufen? Soll man sich mit 30.000 € dann 100.000 € kaufen?

Vielleicht ging den Damen und Herren von der Verbraucherzentrale doch noch ein Licht auf. „Wir brauchen einen Plan B“.

Wenn A schon Quatsch ist, darf B dem natürlich nicht nachstehen. Und was soll man sagen: gut gemacht!

Plan B ist: Sparbrief, Bausparvertrag und Tages- oder Festgeld. Da gebe es zwar nur 1,5% p.a., bei alten Verträgen aber auch noch bis zu 4,00% p.a.

Ich rekurriere auf das Trinkverhalten. Abgesehen davon, dass eine langfristige Anlageentscheidung, die mit weniger als der Inflationsrate aufwarten kann, Geldvernichtung ist, frage ich mich, wie in aller Welt man auf Tarife von vor zehn Jahren Zugriff bekommen soll?

Verbraucherzentrale goes Time Machine?

Wenn dem so sein sollte, komme ich darauf herzlich gern zurück. Allerdings werde ich dann in ganz andere Dinge investieren als in Festgeld und Bausparverträge.

Obst soll beispielsweise ganz gut funktioniert haben. Irgendwas mit Äpfeln.

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Mehr Verzweiflung über den mangelhaften Verbraucherschutz hier

 

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
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