Geldanlage Berichtvergleich

Thema: // Author: Arne Lotze

Zwei mal Geldanlage Journalismus

Ich möchte im Folgenden zwei journalistische Beiträge vergleichen. Im Deutsch Leistungskurs habe ich meinerzeit Gedichte verglichen. Dafür bot sich an, Gedichte von Autoren zu untersuchen, die sich mit dem Dichten auskannten und es bot sich ferner an, sich selbst auszukennen. Ergibt anders gewendet ja auch keinen Sinn. Warum schreiben, wenn man keine Ahnung hat?
Vielleicht weil das beginnt, gute journalistische Tradition zu werden.
Namentlich Markus Lanz im ZDF am 28. Juni 2011
sowie Arne Storn in der ZEIT vom 07.07.2011.
Arne Storn

Ein Hedge-Fonds-Manager bei Lanz

Ich bin so frei an dieser Stelle vorwegzunehmen: der Vergleich wird vor allem Gemeinsamkeiten ins Licht rücken.
Bei Herrn Lanz ist unter anderem Karsten Schröder zu Gast. „Mensch, ein Hedge-Fonds-Manager in einer Gesprächsrunde, super, das verspricht spannend zu werden“, so dachte ich mir. Hätte auch spannend werden können. Gesetzt den Fall, Herrn Schröder wäre Raum gegeben worden, zu sprechen. Gleichwohl Herr Lanz – schön übrigens später auch in der Körpersprache, wenn er seine Schulter nach vorn reckt, indem er die Faust auf dem Oberschenkel abstützt – eingangs noch zu bedenken gibt „wir wissen nicht, was ist damit gemeint“, weiß er es dann offenbar sogar doch besser als der Fonds-Manager selbst. Ständig fragt er provokant-suggestiv, fällt mit „Doch!“ und „Stop!“ ins Wort, unterstellt Herrn Schröder bloßes berechnendes Kalkül „Sie wissen auch, dass Sie dafür Applaus bekommen“ und lässt überhaupt keinen Zweifel daran, dass Herr Schröder von der „Gier“ getrieben sei und selbstverständlich ein „schlechtes Gewissen“ haben müsse. Umjubelt wird hingegen ein Herr Küblböck, der die Güte einer Geldanlage mehr „spürt“, als dass er ein Instrumentarium an der Hand hätte, sie zu prüfen.
Abgesehen davon, dass ich Herrn Lanz als Moderator flegelhaft wahrgenommen habe, war das meiner Meinung nach ein nicht tragbarer TV-Beitrag in Hinsicht auf Informationsgewinn und Aufklärung. Aufklärung. Da war ja mal was, „der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“.

Engraved portrait of German philosopher Immanuel Kant (1724 - 1804) (Photo by Kean Collection/Getty Images)

Kant würde sich im Grabe umdrehen

Denn, was verhandelt werden hätte können wäre etwa: Wie legen Großinvestoren Geld an? Was für Möglichkeiten hat ein Kleinanleger? Was für Hedgefondstypen gibt es? Was beobachtet ein Herr Schröder im Kreise seiner Kollegen? Was hält er von den Möglichkeiten, der Spekulation ohne Rücksicht auf Verluste Einhalt zu gebieten, die seitens der Politik ins Spiel gebracht wurden?
Herr Lanz hat ganz offensichtlich überhaupt nicht verstanden, wie der im Grunde ja vermögensverwaltende Ansatz von Herrn Schröder funktioniert – was immer noch nicht unverzeihlich wäre, wenn er dann wenigstens nachfragt. Und zuhört! Stattdessen: Surfen auf dem Wellenkamm der Unmündigkeitswelle.
Zu Herrn Storn. An dieser Stelle ist einmal mehr bedauerlich, dass viele Menschen sich eine qualifizierte Meinung rund um Geld zusprechen, einfach nur weil sie ja schon so lange damit umgehen. Es muss sich ja auch in Herr Gotts Namen nicht jeder mit Lust und Leidenschaft auf die Finanzwelt stürzen. Angezeigt wäre das aber durchaus, wenn man für die ZEIT eine Kolumne darüber schreibt. Mein Bruder schickte mir den Link dazu und wir tauschten uns kurz via Email darüber aus:

Ich: „Genau. Ich traue übrigens auch diesen Autos nicht. Ich gehe einfach weiter zu Fuss. Ist ein bisschen anstrengend und aufwändig, aber immerhin kann ich dann jeden Artikel mit “Verkehrsunfall” überblättern. Meine Güte, der Schreiberling ist bestimmt Bibliothekar. Die wollen ja auch am liebsten bis 2056 noch mit Zettelkatalogen statt PCs arbeiten – was ist wenn der Strom ausfällt? Dann können die mit einem Teelicht ihre Zettel immer noch bedienen…“
Mein Bruder: „Also vielleicht möchte der Autor einfach mal seinem Titel folgen und die Leserschaft vor weiteren solcher Artikel verschonen. Dann kann auch endlich mal die Schreibmaschine entsorgt werden, auf der er sicherlich immer noch seine Artikel verfasst;-). 
Alleine schon: Geldanlage=Aktien? 
Da muss ja erst noch eine neue Maßeinheit gefunden werden, damit man weiß, wie weit das zu kurz reicht;-). Und so etwas wird dann auch noch von der Zeit veröffentlicht und ist meinungsbildend…
Also lieber einfach mal sein lassen…;-)“
Das sagt im Grund schon alles. Willkürliche empirische Beispiele werden herangezogen, um auf hanebüchene und fadenscheinige Art und Weise zu argumentieren qua nicht vorhandener Kenntnis der Materie. Ich stimme meinem Bruder mit Herrn Storn vollkommen zu: Faulheit ist nicht schlimm, so lange sie nur auch davon abhielte, unmündig Diskussionsrunden im Fernsehen zu moderieren wie auch unmündige Beiträge in der Presse zu veröffentlichen.

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
Dann melde Dich: per Mail beratung@finanzdiskurs.de oder Telefon +49 178 3484412

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