Zu-Grabe-Tragen der Krankenversicherung

Thema: // Author: Arne Lotze

Was ist das Zu-Grabe-Tragen der Krankenversicherung gegen das Am-Leben-Erhalten der Krankenversicherung?

Was ist das Reformieren eines Systems

„Die Kassen allerdings blicken weiter als bis 2011.“
Na, das ist doch erfreulich. Wenigstens von einer Seite wird vorausschauend gearbeitet im Solidarsystem Gesetzliche Krankenversicherung. „Vorausschauend“ darf in diesem Kontext übrigens synonym verwendet werden mit „solidarisch“.
Wie jetzt? Solidarisch im Solidarsystem? Ist das nicht eine Tautologie, der „weiße Schimmel“ aus dem Deutschunterricht?
Mitnichten.
Ich möchte dem geneigten Leser das Ableiten der Reductio ad absurdum ersparen und stelle die These auf: Das Solidarsystem verdient das Prädikat „solidarisch“ gar nicht. Wer genau liest, wird – zurecht – vermuten, dass das was zu tun haben muss mit jenem „vorausschauend“.
Ich will den Bogen noch etwas weiter spannen. Vor nicht allzu langer Zeit saß ich mit einem Freund aus dem Studium in einem Café im Univiertel. Nicht nur dieses Café aber auch das gibt es inzwischen nicht mehr. Genauso wie viele Professoren, denen wir begeistert gelauscht haben. Wir überlegten, was denn nun – Butter bei die Fische – die Qualität unseres Studiums ausgemacht haben mag? Gut, zunächst, dass wir noch auf das Erlangen des akademischen Grades des Magister studiert haben. Darüber hinaus und vor allem aber, die Brillanz der Lehrenden. Hier ließe sich nun mit einiger Berechtigung abgleiten in einen gänzlich anderen Diskurs. Wir werden das hier nicht in voller Länge nachvollziehen. Ein zentraler Punkt war aber der, dass mit Sicherheit eine Rolle spielen wird, dass viele Lehrende weg sind, weil sie keine Professur bekommen haben und bei aller Brillanz nicht eben glänzend bezahlt wurden.

Die Krankenkassen als teures Grab – Staatshaushalt 2010

Zufällig hatte ich den „Schallöhr“ dabei. „Informationen aus dem Versicherungs-, Finanz- und Vermögensbereich 2010.“ Darin mit enthalten: Ausgaben des Bundes in Mrd. € 2009 und 2010. Dem war für uns wesentlich zu entnehmen: Es fließen nicht nur absolut lediglich 10,9 Mrd. € in den Bereich Bildung und Forschung gegenüber 16,2 Mrd. €, die in Gesundheit investiert werden, es steht auch verhältnismäßig ein Plus von 2009 zu 2010 von 6,9% sage und schreibe 39,1% gegenüber. Damit wird übrigens beinahe ein Viertel der Nettokreditaufnahme 2010 (85,8 Mrd. €), größtenteils wohl in den Gesundheitsfonds investiert.
Auf den Punkt: Um das Solidarsystem Krankenversicherung am Leben zu erhalten, wird massiv finanzieller Aufwand in Form von Steuersubventionen betrieben, während die Bildung auf der Strecke bleibt.

Nun fingen wir aber überhaupt nicht an, einhellig und auf Stammtischniveau zu meckern. Also ich vielleicht schon, mein Gesprächspartner nicht.
Der spielt nämlich hochklassig Mannschaftssport und sagte zunächst pauschal: „Ich finde das mit dem solidarischen Gedanken aber gut. So kenne ich das vom Sport. Für mich ist auch in Ordnung später einen größeren Teil meines Geldes in das System zu schießen.“
Nun sagt sich das vielleicht noch leichter, wenn man studentisch gesetzlich krankenversichert ist und nicht wirklich finanziellen Aufwand betreiben muss.
Zudem, so ich, hinkt der Vergleich. In der Mannschaft meines Gesprächspartners nämlich geht es darum, dass einer sich für den anderen und alle für die Mannschaft den A… sich ganz viel Mühe geben, damit man am Ende die Meisterschaft feiern kann. In unserem Solidarsystem gesetzliche Krankenversicherung hingegen, ist der Mannschaft vollkommen egal, ob wir Meister werden oder absteigen. Das gerne auch mehrfach. In die Tabelle schaut eh keiner. Und insbesondere Jugendarbeit findet nicht statt.

Es wäre ein Leichtes dies weiter ausufern zu lassen. Dafür bieten andere Beiträge gewiss noch Gelegenheit. Vielmehr möchte ich zuspitzen: Das so genannte – und ich empfinde dies als durchaus frechen Euphemismus – „Solidarsystem“ funktioniert schon heute nicht. Das hat natürlich eine komplexes Geflecht an Gründen. Um zwei wichtige zu nennen: Zu wenig Einnahmen, heißt Beitragszahler. Und: zu viele Leistungsempfänger. Die zwei Stichworte lauten hier: Doppelter Alterungsprozeß der Gesellschaft zum einen und Anspruchsdenken zum anderen.
Was nun passiert, ist, dass sehenden Auges ein marodes System am Leben erhalten wird, womit das Problem nicht nur aufgeschoben, sondern für spätere Generationen nur immer größer wird. Ein solches System kann schlechterdings solidarisch sein, denn in einem solidarischen System wäre jeder für jeden da und man gäbe nicht der Furcht statt, den unbequemen Systemdiskurs zu führen, auf Kosten der heranwachsenden Generationen.

Das jüngst nochmal nachzuvollziehen hier

Aus diesem Grund ist verwerflicher dieses System am Leben zu erhalten als es zu Grabe zu tragen. Und aus diesem Grunde wurde – in Variation – in Bertolt Brecht ein großer Kritiker herbeizitiert: „Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“
– Bertolt Brecht. Die Dreigroschenoper.

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
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