Versicherungspflicht für Selbständige

Thema: // Author: Arne Lotze

Wir werden uns im Folgenden im Spannungsfeld zwischen Selbständigkeit und Selbstverantwortung bewegen. Die Entfernung zwischen den beiden Polen ist im Idealfall gering, häufig aber beträchtlich.

Die Geschichte von Bertram und Kevin

So ist selbständig auch Bertram. Bertram hat ein Gewerbe anmeldet und legt sich von Montag bis Sonntag gerne einfach wieder hin. Ab und zu – und widerwillig – rührt er einen Finger, um den Kühlschrank zu füllen. Vorsorge interessiert ihn nicht wirklich und Geld ist nach dem Einkauf sowieso keines über.

bertram

Selbstverantwortlich hingegen sehen wir bei Kevin. Kevin hat im Spiegel gelesen, dass „Kevin kein Name, sondern eine Diagnose“ sein soll. Von da an hat er beschlossen, es allen zu zeigen und unternehmerisch richtig was zu reißen. Er arbeitet gut geplant und fleißig – und vorausschauend. Er weiß, dass es wichtig ist, investitionsfähig zu sein und genauso weiß er, dass er nicht immer arbeiten wird und dass er dann von Geld leben wird, das er jetzt anspart.

Und jetzt kommt die Bundesregierung. „Vorsorgepflicht“ heißt das Zauberwort. Sowohl Bertram als auch Kevin sollen nämlich verpflichtet werden, vorzusorgen. Das „Wie“ ist noch in der Diskussion aber die Idee an sich finden alle ganz prima.

Versicherungsjournal: Vorsorgepflicht für Selbständige

Grundsätzlich gut, im Detail realitätsfremd

Die nicht ganz so hoch geschätzte Frau von der Leyen hat nicht so ganz ausnahmsweise zunächst danebengegriffen und pauschal 400 € monatlich in die Gesetzliche Rentenversicherung oder eine Rürup-/Basisrente gefordert. Nun, 400 € ist für junge Selbständige wahrlich kein Pappenstiel – und dann ausgerechnet Menschen, die selbst machen wollen, zu verpflichten, in die unflexibelsten Durchführungswege am Altersvorsorgehimmel zu investieren, ist nicht die Superdinosaurieridee.

Den Impuls finde ich aber grundsätzlich gut.

Kevin hätte sich geärgert. Zurecht. Bertram auch, immerhin wäre er aber aufgerufen gewesen, Verantwortung für seine Zukunft zu übernehmen – und für das Solidarsystem in der deutschen sozialen Marktwirtschaft. Wenn Bertram sich nämlich weiterhin wieder hinlegt, wird sein Hartz IV Satz von Menschen bezahlt werden, deren Wecker allmorgendlich klingelt.

Nun begibt es sich aber, dass die FDP sich entscheidet, wieder Politik zu machen. Der Vorschlag: Bei einem Brutto von 2.625 € zehn Prozent in eine Altersvorsorge nach Wahl. Ich finde, das geht in eine vernünftige Richtung. Das bringt Bertram zwar nicht da hin, wo Kevin ist, das sorgt aber immerhin dafür, dass Bertram nicht solidarischen Menschen auf der Tasche liegt. – Und vielleicht merkt er darüber ja auch, dass das Aufstehen gar nicht so schlimm ist, wie er es albgeträumt hat.

Nun wird Bertram mit Sicherheit stöhnen: 10%, das ist aber ganz schön viel. Und vielleicht pflichtet ihm der eine oder andere Angestellte sogar bei.

Angestellte wissen manchmal nämlich gar nicht, dass sie das ja genauso tun. Sozialversicherungsbeiträge gehen schließlich direkt vom Brutto ab und wer sich die Gehaltsabrechnung eh nie anschaut, sieht auch nicht, dass der Unterschied zwischen Brutto und Netto eine ganze Menge Schnaps ist.

Zudem übrigens Schnaps, der für meine Generation quo Demographie verdunstet sein wird.

Warum dann aber nicht gleich die Versicherungspflicht für alle in der gesetzlichen Rentenversicherung?

Achtung, jetzt wird es SENSATIONELL:

„Deutsche Rentenversicherung der falsche Weg“

Alexander Gunkel, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Rentenversicherung Bund sagt, das Umlageverfahren habe ein demografisches Problem und sei somit der falsche Weg.

Nun, Herr Gunkel muss es wissen.

Jetzt könnte man ketzerisch fragen: Hat das Umlageverfahren denn nur für Selbständige ein demografisches Problem?

Ach, ich mach das jetzt einfach: Ist nur für Selbständige ein Problem, dass weniger Geld in die gesetzliche Rente eingezahlt werden wird als ausgezahlt werden muss? Und dass nach heutigem Stand 0 € Rücklagen vorhanden sein werden?

Das glaubt noch nicht einmal Bertram.

Siehe auch dieses Video.

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
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