Sozialversicherung: Auf den Deckel

Thema: // Author: Arne Lotze

Zuweilen sieht man in sozialen Netzwerken Postings, die je nach Generation wunderbar nostalgisch oder einfach nur wundersam sein können.
So kamen wir unlängst bei einem Getränk auch darauf, dass heranwachsende Generationen sich wahrscheinlich nicht nur wundern, was das für eine seltsame Gerätschaft ist neben dem Bleistift, sondern sich eher fragen, was auf dem Photo überhaupt zu sehen ist?

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Ist das Kunst oder kann das weg.

Ähnlich verhält es sich mit dem Sozialversicherungssystem in Deutschland.

Ist das solidarisch oder kann das weg?

Aus Gründen der Nostalgie vielleicht ganz schön, grundsätzlich kann es aber weg. Zumal, wer möchte sich rote Zahlen an die Wand hängen?

Was passiert, lässt sich prima an einem anderen Nostalgieobjekt nachvollziehen: Dem Deckel, auf dem der Wirt für jedes Getränk einen Strich macht. In meiner Kindheit und Jugend gab‘s das noch – und zumindest was das Bier angeht, bin ich in Deutschland auch sehr zuversichtlich, dass es uns erhalten bleiben wird.

Eine besondere Bewandtnis hatte jener Bierdeckel nun bei Stammgästen. Die nämlich ließen hin und wieder auch mal anschreiben und haben ihren Deckel irgendwann, Tage, Wochen oder gar Monate später bezahlt.
Das hatte natürlich zur Folge, dass der Deckel immer größer wurde.
– Also nicht der Deckel selbst, aber das was an Gastschuld über die Zeit zusammenkommt.

Deckel-koeln

Quelle: wikipedia.org

Herzlich willkommen im Sozialversicherungsystem Deutschland. Das mit Solidarität wenig zu tun hat.
Solidarischer Sozialstaat – Ist nicht
Unser Sozialversicherungssystem beruht nämlich auf einem Generationenvertrag, der verkürzt bedeutet: die jungen, leistungsfähigen Beitragszahler zahlen nicht für sich, sondern für die älteren Leistungsempfänger. Funktioniert super, solange ausreichend junge Menschen da sind und weiterhin geboren werden. Dann sind die jetzt Jungen später alt und beziehen ihre Rente von den dann Jungen.
Funktioniert in einer Gesellschaft wie der deutschen, die in der Altersstruktur Richtung Bevölkerungsurne geht: nicht.
In einem kleinen Dorf unbeugsamer Wahlkämpfer wurde indessen ein ganz besonderer Zaubertrank gebraut: Beitragssenkung heißt das Zauberwort.

Das heißt also, der Kneipenstammgast lässt nicht nur anschreiben und häuft einen immer größer werdenden Berg an Schulden an, nein, er stellt zusätzlich auch noch auf einen Halbtagsjob um, damit er seinen Deckel auch ja nie bezahlen kann.

Nachzuvollziehen beim Statistischen Bundesamt. Das deutsche Sozialversicherungssystem hat im ersten Halbjahr 2013 ein Minus von 3,1 Milliarden Euro „erwirtschaftet“.

Liebe Leser zwischen 20 und 45, das ist unser Deckel

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Wer soll das bezahlen? Keine Ahnung.
Im Land das sich in Finanzdingen zuweilen gebärdet wie die schwäbische Hausfrau ist ausgerechnet der Hausfrauenhäuptling überhaupt nicht zum Sparen aufgelegt. Beitragssätze sinken und auf der anderen Seite werden Rücklagen aufgebraucht.

haeuptling merkel

Das alles übrigens trotz einer stabilen Lage am Arbeitsmarkt.

Ist das nicht schön?
Ja, das ist nicht schön. Denn was so solidarisch und sozial daherkommt, ist den jüngeren Generationen gegenüber hochgradig unsozial.
In einer alternden Bevölkerung und im wirtschaftlichen Wettbewerb mit all den Ländern, die zukünftig mal Schwellenländer gewesen sein werden, haben wir einfach viel zu viel auf dem Zettel:

Das marode Sozialversicherungssystem.

Die Nachwehen der Eurozonenkrise, mit allem, was schon da war und noch kommen mag.

Die Zahlungsverpflichtung in Form von Beamtenpensionen.
“Griechenland ist hier.”

Wir sollten also viel mehr in Zeiten des politischen Engagements leben als in Zeiten der Politikverdrossenheit. Und so sehr es mich in der Seele schmerzt, kann ich jedem nur empfehlen, es ausgerechnet der schwäbischen Hausfrau gleichzutun und zu sparen, Vermögen aufzubauen. Wenn auch gerne etwas zeitgemäßer, cleverer – und weniger absurd – als sie es tut.
Produkte mit absurdem Deckungsstock

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