Rente: Viel hilft viel?

Thema: // Author: Arne Lotze

Unsere Generation zeugt für stürmische Zeiten, in denen auch der Volksmund ins Wanken gerät. „Viel hilft viel“ gilt nämlich nicht mehr uneingeschränkt. Inzwischen müsste es heißen „Nur richtig viel hilft wirklich viel“, das wiederum dürfte sich kaum durchsetzen.

Es geht um die Altersvorsorge bzw. die Rente

Auf finanzdiskurs war bereits zu lesen, dass die Politik sich um Selbständige sorgt:

Selbständige, versichert Euch!

Nun wurde am Max-Planck-Institut in München gerechnet, wie das Versicherungsjournal berichtet: Versicherungsjournal: Versicherungspflicht für junge Selbständige hilft kaum

Mit einem Ergebnis, das nicht gerade jubeln macht: zumindest subjektiv viel für den jungen Existenzgründer – zehn Prozent seines Einkommens – hilft nämlich gar nicht viel. Sondern „kaum“, wie im Versicherungsjournal zu lesen ist.

Das weniger demografie-resistente Umlagesystem

Das „weniger demografie-resistente Umlagesystem“ bringt für die jungen Selbständigen nämlich zu wenig Ablaufleistung. Was auf Deutsch so viel heißt wie: „Kinder, wir wissen ja alle, dass das Jeder-für-Jeden-Alle-für-Alle-System nur funktioniert hat, so lange mehr junge Menschen da waren, die fleißig Beiträge zahlen. Und dementsprechend weniger ältere Menschen, die Leistungen bekommen. Das ist schon jetzt nicht mehr so und wird zukünftig noch schlechter.
Jetzt müssen wir doch wahrlich dem schlechten Geld kein gutes hinterherwerfen.“

Prima ausgeführt auch von Prof. Raffelhüschen

rente-mikroskop

Zumal eben die jungen Selbständigen einem später vielleicht den Marsch dafür blasen. Würde das so umgesetzt, wäre das für einen jungen Gründer häufig ein harter Brocken. Hinzu käme aber noch, dass er ja zwangsläufig heute jung (unter 30 Jahre alt) sein muss. Das heißt, er wird genau dann alt sein, wenn absehbar ist, dass die gesetzliche Rente ein riesiges Problem haben wird, angemessene Renten auszuzahlen.

Überspitzt formuliert also: ein Mal durch das Tal der Tränen und Entbehrungen in jungen Jahren für später einen Apfel und ein Ei. Tolle Wurst – sofern sich die vormals jungen Selbständigen die dann leisten können.

Wenn man das neutraler formuliert klingt das so: „Es käme zu einem Ausweitungsgeschenk für die Altversicherten.“ Das heißt, es würden sich die heutigen Rentenempfänger freuen, dass es auf einen Schlag 200.000 Beitragszahler mehr gibt, von denen keiner binnen der nächsten 35 Jahre eine Rente bekommen wird.

Das Munich Center of Economic of Aging (MEA) betont daher, dass das nicht nur einen „enormen Eingriff in die Entscheidungsfreiheit eines Selbständigen“ führen würde, sondern auch zur Geschäftsaufgabe führen könne.

Denn nochmal: es geht um junge Selbständige. Die sollten durchaus häufiger einen Gedanken in Richtung Altersvorsorge verlieren als sie es tun. Die haben aber selten in den ersten Jahren mal eben 10% ihres Einkommens dafür über.

Das wiederum würde bedeuten, dass es weniger Selbständige und mehr Hartz IV Empfänger gäbe.

Politischer Wahl-Opportunismus

Ist man dort angelangt, erschließt sich einem langsam, dass das politische „Ich-will-(wieder)-gewählt-werden“ auf perfide Weise durchaus Kalkül hat.

Aller Eurokrise zum Trotz geht es Deutschland ja gut. So gut, dass fröhlich Beiträge für die gesetzliche Rentenversicherung gesenkt werden. Super Idee in einem, wir erinnern uns, „weniger demografie-resistenten Umlagesystem“. Werte Damen und Herren Volksvertreter, das ist eine vorgezogene Wahlparty auf Pump. Und im Grunde gar nicht so weit entfernt von Immobilienkäufern in den USA, die Häuser finanzieren, die sie sich nicht leisten können.

Hinzukommt, dass strategisch dafür gesorgt wird, dass die Existenzgründer unterstützt werden, die in ihrer Selbständigkeit mit großer Wahrscheinlichkeit scheitern werden.

Es gibt da ja die Existenzgründerförderung von der Bundesagentur für Arbeit. Bis 2012 hat  vor allem ein guter Business Plan, der von einer fachkundigen Stelle abgesegnet werden musste dafür gesorgt, dass man in den ersten 12 Monaten Unterstützung in Höhe des Arbeitslosengeldes bekommen hat.

Besonders leicht hatten es also diejenigen, die eine richtig gute Idee und Strom zwischen den Ohren haben. In der Masse werden das ehemalige Angestellte gewesen sein, die hervorragende Arbeitszeugnisse haben, aber aus Überzeugung den Weg in die Selbständigkeit gehen.

Die Guten bekommen nüscht

Inzwischen ist das anders. Gerade die „Guten“ bekommen nüscht. Wer auf dem Arbeitsmarkt vermittelbar ist, hat sich gefälligst vermitteln zu lassen.

Aber wer bekommt denn dann die Förderung?

Genau. Die Arbeitssuchenden, die so wenig wollen, können und dürfen, dass man sie lieber in eine zum Scheitern verurteilte Selbständigkeit schickt, so lange sie nur aus den Arbeitslosenstatistiken verschwinden. Da landen sie zwar spätestens 18 Monate sowieso wieder – aber das ist dann ja vielleicht schon das Problem der nächsten Bundesregierung.

Gerade hier in Hamburg sind wir ja recht nahe an Dänemark.

Wahrscheinlich hat man so ein etwas feineres Gespür dafür, wenn etwas faul im Staate ist.

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