Rente – Schön ist es, im Verein zu sein

Thema: // Author: Arne Lotze

Das meine ich jetzt natürlich schon wieder irgendwie anders. Abgesehen davon meine ich das in einer Randnotiz aber durchaus ernst. Ich finde toll, wie Vereine es schaffen, lediglich über eine einsame Gemeinsamkeit ganz unterschiedliche Menschen zusammenzubringen, die sonst nie miteinander zu tun hätten. Vereine machen Werte erlebbar, die man mit Geld nicht kaufen kann.
Außerdem gibt es auf Vereinsweihnachtsfeiern zuweilen auch mal einen aufblasbaren Weihnachtsbaum.
Großes Kino!

schön verein

Die Spielvereinigung Rentenversicherung

Der Verein, um den es nun geht, ist die SpVgg Gesetzliche Rentenversicherung. Wenn man sich anschaut, wie kurzsichtig da mit Geld umgegangen wird, muss man ja auf die Idee kommen, die wollen nur spielen.

Und das machen die so: Die Damen- und Herrenmannschaften planen einen Vereinsausflug. Durchströmt vom solidarischen Gedanken – und von der Vereinssatzung zahlt jeder seinen Beitrag, damit es im übernächsten Jahr losgehen kann. Im kommenden Jahr wäre natürlich auch super, das geht aber nicht, weil der ehemalige Vereinsvorsitzende hoch die Teller, hoch die Tassen seinen Ausstand gefeiert hat und jetzt ist erstmal Ebbe in der Vereinskasse. Realistisch betrachtet ist das eigentlich meistens so. – Und wird auch so bleiben, weil nach einer größeren Spende eines Sponsors, der „Deutschen Wirtschaftsentwicklung nach der Finanzkrise 2008 AG“, der Vereinsbeitrag gesenkt wurde. Trotzdem ist der Kassenwart zuversichtlich, dass der Ausflug zu einem Teil durch den Verein subventioniert werden kann.

Der Kassenwart ist übrigens ein richtig cleveres Kerlchen.

Dank ganz vieler Statistiken, die er führt, weiß er ziemlich genau Bescheid, wie es um das finanzielle Wohl des Vereins jetzt, aber auch zukünftig bestellt ist.

Das erzählt er aber keinem. Er ist sich nämlich ziemlich sicher, dass ihm dann beim nächsten Vereinsfest niemand mehr ein Bierchen ausgeben wird.

Zum Beispiel hat sich der Kassenwart angeschaut, wann aus den Jugend- und Schülermannschaften, Erwachsenenmannschaften werden. – Da sieht es unter uns gar nicht gut aus mit dem Ausflug. Im übernächsten Jahr wäre vielleicht genug Geld beisammen, damit die aktuellen Damen- und Herrenmannschaften ausfliegen können, die drei neu dazustoßenden Mannschaften hat offenbar aber niemand auf dem Schirm. Sie nicht mitfahren zu lassen, verbietet sich selbstredend. Wo bliebe da die Solidarität?

Am Ende fährt dann vielleicht doch keiner und alle werden mit Worten der Entschuldigung und selbstgemachter Limonade abgespeist. Das ist dann ja quasi ein Ausflug für die Geschmacksnerven. Hö, hö, hö.

Und am Ende bekommt vielleicht gar niemand mehr eine gesetzliche Rente.

Die Rente ist sicher

Ich untertreibe die Höhe der Zahlungen natürlich. Selbstverständlich wird es die gesetzliche Rente geben, die ist ja schon seit Norbert Blüm sicher. Nach wie vor nur nicht ihre Höhe, bzw. sicher ist, dass die nämliche weiter schrumpfen wird.

Was sicher ist

Vor allem, wenn weiterhin politischer Wahlkampf-Schönwetter-Opportunismus vor nachhaltig verantwortliches Handeln gestellt wird.

Geholfen hätte beispielsweise, wenn nach brummender Konjunktur der Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung beibehalten worden wäre. Das hätte zu sowas Verrücktem wie „Rücklagen“ führen können.

Und vielleicht sind Rücklagen ja gar nicht so verrückt, in einem System, das ohne Zuschuss aus Steuergeldern sowieso schon nicht mehr zahlungsfähig wäre und ohne laufende Beiträge gerade einmal zwei Monatsrenten auszahlen könnte.

Kann man sich mal einen Moment auf der Zunge zergehen lassen. Im April gäbe es für keinen Renter mehr Geld, flössen nicht laufend Beiträge zu.

Das lädt dazu ein, sich die Frage zu stellen, was denn passieren würde, wenn weniger Beiträge zufließen. Oder mehr Renten ausgezahlt werden müssten. Oder beides.

Falsch. Nicht „würde“. Sondern „wird“.

Damit das anders ist, hätten vor zwanzig Jahren mehr Kinder geboren werden müssen. Sind sie aber nicht. Deswegen werde ich miterleben, dass ein Beitragszahler einen Rentner finanzieren muss.

Wunderbar erklärt von Prof. Raffelhüschen!

In Zahlen sieht das so aus, dass ein Durchschnittsverdiener heute etwa 1.500 € Netto verdient. Wer 1994 Rentner geworden ist, musste sich zwar merklich einschränken, ist aber überlebensfähig mit 1.125 € Nettorente. – Ja, Renten müssen versteuert werden.

Im Jahre 2001 waren es nur noch 945 € monatliche Rente und im Jahre 2040? Voraussichtlich 722 € monatliche Nettorente.

Weniger als die Hälfte. Und dabei wird herzlich wenig trösten, dass man darauf wahrscheinlich keine Steuern zahlen müssen wird. Einfach, weil man unter dem Steuerfreibetrag zuzüglich Pauschalen liegen wird. Das ist ähnlich doof wie Limonade statt Ausflug.

Hinzu kommt, dass wenn ein Jäger zwei Meter rechts vorbeischießt und einer zwei Meter links vorbeischießt, beide im Durchschnitt den Hasen treffen.

Lang lebe die Statistik. Im Falle des Durchschnittsrentners heißt das, dass faktisch kaum jemand der Durchschnittsrentner ist. 20% bekommen mehr Rente.

Weniger als zu wenig

Und 80% weniger. Weniger als zu wenig wird mit Sicherheit erst recht zu wenig sein.

Möge der Kassenwart also zu einem verantwortungsvolleren Umgang mit seinen Statistiken und Hochrechnungen gelangen und auf die Einladung zum Bier verzichten. Der Verein wird es ihm langfristig danken.

P. S. In diesem Zusammenhang bleibt natürlich spannend, woher Steuerzuschüsse kommen sollen, wenn es bei Pensionen für Beamte noch nicht einmal laufende Beiträge gibt? Gezahlt werden müssen sie aber trotzdem.
“Griechenland ist hier.”

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
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