Künstlersozialkasse – Freiheitstochter

Thema: // Author: Arne Lotze

Gemeint ist die Kunst. Zumindest Friedrich von Schiller hat das so gesehen.

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Im Sozialversicherungssystem läuft das anders.

Da sollen Künstler nämlich freiwillig in die Künstlersozialkasse gezwungen werden. Das bringt zweierlei mit sich:

  1. Die Töchter der Freiheit werden ihrer Freiheit beraubt.
  2. Künstler werden unternehmerisch für unmündig erklärt.

Jetzt könnte man erwarten, dass künstlerisch tätige Menschen das ziemlich doof finden – nicht zuletzt weil sich vielleicht der eine oder andere Individualist mehr unter ihnen befindet als das bei den Wirtschaftsprüfern der Fall ist.

Wo „Kunst“ und „sozial“ draufsteht

Man erwartet fehl. Die meisten Künstler, mit denen ich darüber spreche, finden die KSK super. Häufig stellt sich allerdings auch heraus, dass das nur so ist, weil in dem Wort sowohl „Kunst“ als auch „sozial“ vorkommen. Das kann dann ja so verkehrt nicht sein.

Zudem hat irgendjemand mit Sicherheit mal erzählt, dass man da was geschenkt bekommt, in dieser Künstlersozialkasse.

Das Geschenk ist ähnlich großzügig wie das eines jeden Arbeitgebers an seinen Angestellten.

Die KSK zahlt (fast) die Hälfte des Krankenversicherungsbeitrages und die Hälfte des Rentenversicherungsbeitrages.

Das Geschenk kann sich allerdings als Danaergeschenk herausstellen. Ähnlich, wie man sich in Troja über dieses riesige Holzpferd gefreut hat und begonnen hat zu feiern, kann das Erwachen ärgerlich sein, wenn man mit einem Mal Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung zahlen muss.

In Zahlen (ich unterschlage im Folgenden die Pflegeversicherung): Wer sich als Selbständiger freiwillig gesetzlich krankenversichert, bezahlt dafür 14,9% von seinem Arbeitseinkommen (Umsatz – Ausgaben; vor Steuern). Das ist eine ganze Menge.

Der Deal, den die KSK vorschlägt, besteht in einem Eigenanteil von 8,2% zur gesetzlichen Krankenversicherung + verpflichtende 9,8% in die gesetzliche Rentenversicherung.

Macht unter dem Strich: 18%. Wir sehen und stutzen: 18% sind mehr als 14,9%.

Es drängt sich die Frage auf, warum der ganze Quatsch? Das hat mit s.o. 2. zu tun. Der Gesetzgeber glaubt, dass künstlerisch und publizistisch tätige Menschen fragile Pflänzchen sind, die im Grunde nicht in der Lage sind, Geld zu verdienen.

Eine Lösung, die Beiträge nach dem Einkommen bemisst, zielt daher sinnvollerweise darauf ab, dass Menschen mit geringem Einkommen einen geringen Beitrag bezahlen.

– Und Menschen mit einem hohen Einkommen einen hohen Beitrag bezahlen.

Nur mal angenommen es gäbe also eine Tochter der Freiheit, die unternehmerisch nicht auf der Suppe hergeschwommen ist und nach zehn Jahren brummt der Laden und sie erzielt einen Gewinn von 70.000 € im Jahr, zahlt sie jeden Monat 568,40 € in die gesetzliche Rentenversicherung und 322,88 € in die gesetzliche Krankenversicherung.

891,28 € im Monat liest sich jetzt nicht mehr so richtig wie „geschenkt“.

KSK kann passen, muss sie aber nicht

Das trifft natürlich nicht auf jeden Künstler zu. Und es wird Lebensentwürfe geben, für die eine Mitgliedschaft in der KSK der passende Deckel ist.

Es gibt aber auch Künstler, die Kunst können. Und Geld verdienen. Oftmals geht das dann sogar schneller als binnen zehn Jahren. Für die wäre die Mitgliedschaft in der KSK ein teures Unterfangen – zumal das Geld in ein System fließt, das nachhaltig nicht funktioniert.

Siehe dazu Prof. Raffelhüschen bzw. etwas kürzer hier.

Es ist also nicht alles immer super auf dem „Kunst“ und „sozial“ steht und nicht alle Künstler sind geschäftlich unmündig.

Das führt dazu, dass Künstler, die sowieso kein Geld verdienen wollen, gerne ihr Heil in der KSK suchen sollten. Sie sollten nur darauf achten, das geforderte Mindesteinkommen von 3.900 € im Jahr (2012) zu erreichen.

Das führt aber auch dazu, dass alle anderen sich überlegen sollten, wo die Reise langfristig hingeht.

Ich schließe mit einem Zahlenbeispiel. Mit Betonung auf Beispiel. Unsere Tochter der Freiheit ist 30 Jahre alt.

ksk tabelle

Ich schließe allerdings nicht, ohne zu erläutern.

Man sieht, dass eine Mitgliedschaft in der KSK von Vorteil sein kann. Oder von Nachteil. Oder für einige wenige Jahre von Vorteil und dann viele Jahre von Nachteil.

Bemerkenswert ist allerdings in der Tat der Vorteil bei einem Gewinn von 1.000 €. Selbständige, die nicht künstlerisch tätig sind, zahlen nämlich Beiträge die sich auf mindestens 2.021,25 € bemessen – also mindestens 301,77 € mtl. Hier sind KSK Mitglieder deutlich besser gestellt.

Ich bin allerdings auch gespannt, wie lange das so bleibt. Juristen könnten auf die Idee kommen, dass das nicht ganz konform mit dem Grundgesetz ist – wir erinnern uns: Artikel 3 Abs. 1: Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

Ob KSK oder nicht, beantworten am trefflichsten übrigens auch die Juristen: Es kommt drauf an.

Währet den Pauschalurteilen, währet dem Scheren über einen Kamm.

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