„Die Deutsche Rentenversicherung ist eine Frittenbude“

Thema: // Author: Arne Lotze

So Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen in einem Vortrag, in dem ich ihn erleben durfte.

Quelle: http://www.stiftung-marktwirtschaft.de/typo3temp/pics/3f9e58c819.jpg
Quelle: http://www.stiftung-marktwirtschaft.de/typo3temp/pics/3f9e58c819.jpg

Der vermeintliche Solidarsystem wird schon gescheitert sein

Guter Typ, in der Demographie und Statistik so zuhause, dass er sehr unangestrengt und humorvoll damit umgeht – nicht, ohne, dass die Dramatik des scheiternden Generationenvertrages verlorengeht. (Siehe auch: Staatsverschuldung: „Griechenland ist hier“) Zumal das Scheitern ein unabwendbares ist, weil es nämlich nicht in einer ungewissen Zukunft liegt, sondern sich schlichtweg aus dem sozialen und/oder politischen Verfehlen der modernen deutschen Gesellschaft ableitet, es ist also vielmehr Vergangenheit, die erst noch stattfindet. In bester postmoderner Tradition ließe sich also sagen: der Generationenvertrag und mit ihm das vermeintliche Solidar-system werden immer schon gescheitert sein (wir erinnern uns: Solidarsystem – Ist nicht).

Und deswegen ist die Deutsche Rentenversicherung eine Frittenbude. Weil sie nämlich mit eben dem gleichen ökonomischen Sachverstand Rückstellungen bildet wie man das einer Frittenbude unterstellen würde – bloß, dass man der Frittenbude damit am Ende vielleicht noch Unrecht tut.

Aber der Reihe nach.

Wenn wir uns den Cashflow der Deutschen Rentenversicherung anschauen, sieht das so aus:

Quelle: Vortrag Dr. Raffelhüschen 18.06.2015
Quelle: Vortrag Dr. Raffelhüschen 17.06.2015

 

Man muss Gott sei Dank gar nicht viel von Statistik verstehen, ein Gefühl für Flächeninhalte reicht vollkommen hin und man sieht: das kann so für die Einzelperson nicht funktionieren. Wenn der kleine Hügel unter der braunen Kurve den riesigen Berg unter der orangenen Kurve ausfüllen soll, mag das für Fuchs und Hase klappen; die sagen einander schließlich „Gute Nacht“ und haben zudem eine Lebenserwartung, innerhalb derer sie sich mit sowas nicht abkämpfen müssen. Und auch, wenn meine Zeichnungen aussehen mögen wie die der ersten Höhlenmenschen – priceless mein „Feuer“ bei Activity, nur noch geschlagen von der „Geisterbahn“ – wir sind der Höhle und der entsprechenden kurzen Lebenserwartung längst entwachsen.
Aber: muss auch gar nicht klappen. Denn wir gehen ja von 2 Annahmen aus:

1. Der braune Hügel wird verzinst und ist insofern größer als er aussieht.

2. Es sind mehr braune Hügel da als orangefarbene Berge.

Das ist jetzt nur so’n Stück weit blöd, weil:

1. Da kaum brauner Hügel aufgehäuft bleibt. Die Nachhaltigkeitsreserve beträgt aktuell gerade einmal 1,91 Monatsausgaben, was bedeutet: Würde heute (18.06.2015) keiner mehr Beiträge mehr zahlen, würden die ersten Rentner schon im August keine Rente mehr bekommen und im September überhaupt keiner mehr. Tendenz der Nachhatligkeitreserve übrigens: weiter schrumpfend. Auch der fast, beinahe, nicht so richtig grandiosen Politik einer Andrea Nahles sei Dank.

Quelle: Homepage Deutsche Rentenversicherung http://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Inhalt/4_Presse/infos_der_pressestelle/02_medieninformationen/homepage/nachhaltigkeitsrücklage.html
Quelle: Homepage Deutsche Rentenversicherung http://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Inhalt/4_Presse/infos_der_pressestelle/02_medieninformationen/homepage/nachhaltigkeitsrücklage.html

Das nimmt nicht weiter Wunder. Denn das deutsche Rentensystem ist ohnehin per definitionem kein kapitalgedecktes System, sondern ein Umlagesystem. Die Idee war also seit jeher 2.

Demographisch bald jammern auf ganz hohem Niveau

2. Das gibt die demographische Entwicklung nicht her. Damals, als Schneewittchen noch bei den sieben Zwergen im Bettchen gelegen hat und vor zwei Weltkriegen war die Bevölkerungspyramide in Deutschland wirklich noch eine – und zudem eine, die durch besagte Kriege ausgedünnt wurde. Glücklicherweise gehöre ich zu einer Generation, die keine kriegerischen Zustände im eigenen Land mehr kennt. Stattdessen Jammern auf hohem Niveau, medizinischer Fortschritt und eine Lebenserwartung, die von einer Generation zur nächsten um vier Jahre zunimmt. Das ist alles so märchenhaft, dass Schneewittchen sich womöglich wohlfühlen würde.
Systemisch führt es nur leider dazu, dass das Jammern bald auf nicht mehr ganz so hohem Niveau stattfinden wird.

Quelle: Süddeutsche http://polpix.sueddeutsche.com/bild/1.950466.1355878013/860x860/demographischeentwicklung2.jpg
Quelle: Süddeutsche http://polpix.sueddeutsche.com/bild/1.950466.1355878013/860×860/demographischeentwicklung2.jpg

 

Genau. Die Geschichte mit von der Pyramide zur Urne bzw. um in der Nähe der Frittenbude zu bleiben: zum Dönerspieß.
1.000 mal gesehen und trotzdem ist es noch nicht durchgedrungen.  Die da unten, ab Mitte 20 in etwa bis 60 sollen mit einem Beitrag, der ihnen noch ermöglichen soll, im Urlaub ein paar Fritten zu kaufen, die Rente finanzieren von denen da oben ab 60 in etwa. Das kann also nur funktionieren, wenn das da unten so viele sind, dass sie die Last oben einigermaßen entspannt und verträglich schultern können.

Das wird nix.

Und da wir ja schon wissen, dass das nix wird – siehe oben, die Vergangenheit, die noch stattfindet – gibt es genau zwei Richtungen, in die die Reise gehen kann:

Entweder es wird teurer

1. Das Rentenniveau von denen da oben bleibt wie es ist. Dafür steigen die Beiträge von denen da unten astronomisch:

Quelle: Vortrag Dr. Raffelhüschen 18.06.2015
Quelle: Vortrag Dr. Raffelhüschen 17.06.2015

 

Oder die Leistungen werden schlechter.

2. Das Rentenniveau von denen da oben sinkt bedrohlich, die Beiträge von denen da untern bleiben wo sie sind:

Quelle: Vortrag Dr. Raffelhüschen 18.06.2015
Quelle: Vortrag Dr. Raffelhüschen 17.06.2015

 

Wer beides nicht so prickelnd findet, jetzt mal Hand heben, bitte. Ja, ich sehe schon, so einige. Hilft aber alles nichts. Tertium non datur wie der Franzose sagt. Die Deutsche Rentenversicherung ist eine Frittenbude im despektierlichsten aller Sinne. Jedes ordentlich wirtschaftende Unternehmen hätte für die Zahlungsverpflichtungen, die in der noch stattfindenden Vergangenheit liegen, Rücklagen gebildet. Das sind schließlich nichts anderes als lange tilgungsfreie Schulden. Genau genommen würde sich die Deutsche Rentenversicherung also der bilanziellen Überschuldung schuldig machen.

Echte Reformen? Fehlanzeige

Nett gemeint aber erschwerend hinzu kommt, dass sog. Reformen (windschief gestellt vom Verfasser) häufig ihr Ziel verfehlen – Prof. Raffelhüschen kann ein „un he rasselt mit’n Dassel op’n Kantsteen“ davon singen – ihr Ziel häufig verfehlen oder aber in der Auswirkung so minimal sind, dass es besser wäre, es hätte sie nicht gegeben. Dann dächte wenigstens auch niemand, dass sich Leute, „die einen Barwert so ausrechnen wie das nur einer abgebrochenen Kunststudentin passieren kann“,  schon kümmern.

Am Ende wird das aller Wahrscheinlichkeit nach dazu führen, dass die Ernährung im Rentenalter im Dunstkreis meiner Generation in der Tat häufiger aus Fritten bestehen wird als uns lieb ist. Am besten nicht so viel Süßes, für eine Gesetzliche Krankenversicherung ist später nämlich auch kein Geld da:

Quelle: Vortrag Dr. Raffelhüschen 18.06.2015
Quelle: Vortrag Dr. Raffelhüschen 17.06.2015

Von der noch viel zu wenig im Bewusstsein angekommenen Pflegeproblematik ganz zu schweigen.

Was tun?

Private Vorsorge statt gesetzliche Rentenversicherung

Die Lösung ist nicht bequem aber so einfach wie naheliegend. Wenn sich kein anderer kümmert, muss ich meinen besten Mann schicken.
Richtig, ich muss mich selbst kümmern. Private Vorsorge heißt des Zauberwort. Manches löst man am besten über eine Versicherung, anderes am besten, indem man Kapital aufbaut.

Wieviel und wie?
Auch dazu hatte Prof. Raffelhüschen Ansätze:

1. Wieviel:

Quelle: Vortrag Dr. Raffelhüschen 18.06.2015
Quelle: Vortrag Dr. Raffelhüschen 17.06.2015

2. Und wie?

2a) Diversifikation. Das gesamte Geld einer Versicherung zu überantworten ist genauso gefährlich wie es in eine einzige Immobilie oder Aktien eines einzigen Unternehmens zu investieren:

Quelle: Vortrag Dr. Raffelhüschen 18.06.2015
Quelle: Vortrag Dr. Raffelhüschen 17.06.2015

2b) Der Mix der Anlageklassen:

Quelle: Vortrag Dr. Raffelhüschen 18.06.2015
Quelle: Vortrag Dr. Raffelhüschen 17.06.2015

Besonders gut gefällt mir ist die Subsumierung von ca. 94% der Deutschen unter ökonomische Analphabeten. Ca. 94% meiner Kunden gehören übrigens nicht dazu.

Das bleibt aber nicht die einzig gute Nachricht. Schön ist auch, dass Konjunktur und Beschäftigungszahlen zumindest momentan zu so hohen Beitragseinnahmen führen wie nie zuvor. Das führt natürlich gleichermaßen zu hohen Steuereinnahmen – Menschen die hohe Rentenversicherungsbeiträge zahlen, zahlen ja auch entsprechend viele Steuern. Wenn sich nicht jetzt ein Steak leisten, wann dann? Und ob man dann Fritten oder eine Ofenkartoffel dazu essen mag, kann man sich zumindest 2015 noch beruhigt aussuchen.

Mahlzeit! Und einen besonderen Dank Prof. Dr. Raffelhüschen, der das gestern ziemlich super gemacht hat.

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
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