Ärzte verunmöglichen Versicherungsschutz

Thema: // Author: Arne Lotze

Nicht die Ärzte aus Berlin

Die sind mit fortschreitendem Alter milde geworden und aus dem Punk zusehends Richtung Urlaub gefahren. Man entsinne sich:

DieAerzte

Warum ich mein T-Shirt von der Planet Punk Tour irgendwann weggeschmissen hab, weiß ich auch nicht.

Um die geht es aber gar nicht. Sondern um die, die häufig einen weißen Kittel tragen, dabei aber nicht immer eine weiße Weste haben, wie auf dem finanzdiskurs YouTube Kanal schon zu verfolgen war: Wenn Ärzte den BU-Schutz kosten. Man fragt sich: „Was ist mit den Ärzten los?“ und ist womöglich recht schnell dabei, zu dämonisieren.

Hintergrund Gesundheitsfragen

Hintergrund des Ganzen ist, dass es Versicherungsarten gibt, bei denen man bei Antragstellung Gesundheitsfragen beantworten muss, damit der Versicherer das Risiko einschätzen kann, das er sich einkauft – siehe dazu das Video Risiko.

Der Gesetzgeber verlangt, dass man über die letzten fünf, in manchen Antragsfragen auch zehn Jahre angestrengt nachdenkt und dann wahrheitsgemäß auf die gestellten Fragen antwortet. Wer wirklich in sich geht, wird kaum eine schwere Erkrankung, Chronisches, eine OP oder einen Suizidversuch vergessen. Daher ist auch nicht nötig, sich einen Behandlungsauszug von der Krankenkasse zu besorgen.

Wenn man sich aber überhaupt nicht mehr sicher ist, was an Behandlungen stattgefunden hat, ist das sicher sinnvoll. In einigen Fällen kommt dann die große Überraschung: In der Krankenakte wurden Behandlungen von Krankheiten abgerechnet, die gar nicht vorhanden waren. Da wird aus den Verspannungen auf einmal eine Migräne, damit Massagen verschrieben werden können. Manchmal meint es der Arzt einfach gut – und schreibt zum Beispiel den Arbeitnehmer, der im Job unzufrieden ist, mit „Burnout“ krank – oder er möchte ihm die genannten Massagen gönnen, gleichwohl sie medizinisch vielleicht nicht unbedingt nötig sind. Manchmal sind Ärzte aber systemisch auch beinahe gezwungen, bei der Abrechnung von Leistungen kreativ zu werden, weil die Budgets, die sie von den Krankenkassen bekommen, inzwischen sehr überschaubar geworden sind.

Am Ende jedenfalls kann das Problem stehen, dass die Absicherung eines biometrischen Risikos durch Inhalte der Patientenakte verunmöglicht wird. Oder noch schlimmer: Es bestünde eigentlich ein Anrecht auf eine Berufsunfähigkeitsrente aus einem vor Jahren abgeschlossenen Versicherungsvertrag, mit einem Mal unterstellt die Versicherung aufgrund von Vorerkrankungen aber, dass im Antrag absichtlich falsche Angaben gemacht wurden und möchte vom Vertrag zurücktreten.

Das Problem ist nicht die Bosheit der Ärzte, sondern das Sozialversicherungssystem

So habe ich mir von einem niedergelassenen HNO-Arzt erzählen lassen, dass er weniger verdiene als sein Vorgänger von vor 20 Jahren, dass er dabei aber ein Drittel mehr Patienten durch die Praxis schleusen müsse, um überhaupt profitabel arbeiten zu können.

Weiters höre ich von angestellten Ärzten im Krankenhaus von irrwitzigen Überstunden, ständigen Diensten und vollkommen unzufrieden stellend wenig Zeit für den einzelnen Patienten. Wenn man vom einzelnen Patienten schlecht existieren kann, muss man eben möglichst viele behandeln.

Recht anschaulich finde ich das Beispiel aus dem Video mit einer dermatologischen Behandlung eines gesetzlich Versicherten im Rahmen von auf neun Besuche verteilte 90 Minuten Behandlungszeit:

90 Minuten Behandlung

In Anführungszeichen verdient hat der Arzt damit ca. 13 €. Indessen kann er aber die eigene  Arbeitskraft nicht anderweitig verwenden und muss ja dennoch seine Angestellten und den Betrieb der Praxis bezahlen. Das führt unter dem Strich zu einem Minus von 220 €:

220 Euro Verlust

Das Problem sehe ich also in einem Gesundheitssystem, das es Ärzten immer schwieriger macht, Patienten so gut und gründlich zu untersuchen und zu behandeln, wie sie es sicher gerne tun würden, einfach, weil sie es sich nicht leisten können.

Die Lösung

Die Lösung muss selbstredend politischer Art sein, kein Berater und kein Patient wird das im Beratungs- oder Behandlungsprozess lösen können. Abgemildert wird die Situation derzeit noch dadurch, dass sich Privatversicherte für den Arzt mehr „lohnen“, dadurch findet gewissermaßen ein Quersubventionierung statt.

Für den Moment aber wirtschaftet das gesetzliche Krankenversicherungssystem analog der deutschen Rentenversicherung wie eine Frittenbude.

Wichtig: Risikovoranfrage

Eine Lösung, die ich für den Antragstellungsprozess aus Kundensicht allerdings ungemein wichtig und lösungsorientiert finde, ist das Stellen einer Risikovoranfrage durch eine unabhängigen Berater, wenn gesundheitliche Vorschäden im Antrag angegeben werden müssten. Dadurch werden diese Angaben nicht gespeichert und man kann sich mit dem Ergebnis der Risikoprüfung überlegen, ob man einen Antrag überhaupt stellen möchte oder lieber nicht. Abgelehnte oder mit Erschwernis angenommene Anträge müssen bei einem erneuten Antrag nämlich immer angegeben werden, ganz ohne zeitliche Beschränkung.

Zudem mache ich im Beratungsalltag die Erfahrung, dass bei ein und der selben Vorerkrankung weit auseinanderklaffende Voten die Folge sind: der eine nimmt 10% Risikozuschlag, der nächste schließt etwas aus, der dritte geht ganz ab, der vierte nimmt 50% Risikozuschlag. Das macht das Unterlassen einer Risikovoranfrage fahrlässig – und ist übrigens ein bestens geeignetes Kriterium, wenn man als Kunde einschätzen möchte, ob man bei seinem Berater gut aufgehoben ist.

Edit 06.01.2016:

Quelle: Handelsblatt Morning Briefing 06.01.2016
Quelle: Handelsblatt Morning Briefing 06.01.2016

Sehr richtig. Es gilt, das deutsche Gesundheitssystem  zu verstehen, um zu verstehen, wie Ärzte handeln.

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
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1 Kommentar zu “Ärzte verunmöglichen Versicherungsschutz”

  1. Arne schrieb am

    Siehe dazu auch einen Beitrag aus dem Versicherungsboten, nachdem der Chef der Techniker Krankenkasse Abrechnungsbetrug eingeräumt hatte: http://www.versicherungsbote.de/id/4846722/Falsche-Krankenakten-Arzt-Krankenkasse-BU-Schutz/?partnerid=nl14630688&PHPSESSID=9b71tnmi6ir9bc05kp1rar1id3

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