Es bleibt was faul

Thema: // Author: Arne Lotze

Ackermann am Montag an der Spitze

… in der deutschen Bankenlandschaft.

Und das bedauerlicherweise von allen Seiten. Und viel ausgeprägter als man es in den Nachwehen der Finanzkrise von 2008 und mitten in der Eurozonenherausforderung intuitiv erwarten würde.

Wer die Verantwortung daran trägt: alle zusammen.

Gestern war ich im Spiegelgebäude, um mir im Rahmen von „Der Montag an der Spitze“ anzuhören, was Josef Ackermann zu erzählen hat. Nichts Überraschendes. Es würden Prozesse vorangetrieben, um zu verhindern, dass sich ein über die Stränge schlagendes Treiben einiger, weniger Spekulanten mit abenteuerlichen Finanzinstrumenten nicht wiederholen werde.

Wir bleiben gespannt.

Joseph Vogls Chrematistik

Für mich thront über alledem nach wie vor und einmal mehr Joseph Vogls Hinweis auf die Chrematistik, die „widernatürliche Erwerbskunst“.

finanzdiskurs.de: Zur Sache

Warum wurden und werden Produkte gebaut, die entweder langfristig nicht funktionieren können – oder dürfen, weil sie schlichtweg Unethisches im Schilde führen?

Und warum werden sie gekauft? Hier weiß ich auch nicht was schlimmer ist? Nicht wissen, dass es sich um schlechte oder verachtenswerte Produkte handelt – und sie trotz des mangelnden Verstehens kaufen. Oder darum wissen und sie trotzdem kaufen.

Verbietet nicht der gesunde Menschenverstand, nennenswerte Summen in Produkte zu investieren, bei denen man keinen Schimmer hat, was mit dem Geld passiert?

Und warum werden heute schon wieder genauso viele Zertifikate verkauft, die kein Kunde versteht wie vor der Finanzkrise?

Informationen über Geld sind fast so wichtig wie Geld selbst

Nur, das wird kaum besser werden, wenn Herr Ackermann versucht den Handel in der Immobilienlandschaft der USA zu erklären damit, dass das ja eine gute Sache im sozialen Sinne gewesen sei, dass sich dort Menschen ein Haus kaufen konnten, die sich das nicht leisten konnten.

Ne, ist klar.

Eine weltklasse Idee, Geld auszugeben, das man nicht hat. Komisch nur, dass das langfristig nicht funktioniert …

Insofern hat Herr Ackermann durchaus Recht – der gesunde Menschenverstand. Das Formelwerk, das hinter einem Asset backed Security liegt, muss man in der Tat nicht nachvollziehen können. Es reicht vollkommen hin, das underlying zu begreifen.

Da Mathematik immer noch Naturwissenschaft und nicht Magie ist, wird es kein noch so komplexes Produkt schaffen, das Scheitern von Finanzierungen abzuwenden, die von vornherein zu ebendiesem Scheitern verurteilt waren.

Das also war ein rares Beispiel für Unfug in den sonst sehr kalkulierten Ausführungen eines sich zuweilen windenden Herrn Ackermann.

Spannend war allerdings zu hören, welche Reichweite damalige strategische Entscheidungen hatten. Ob ex post schlau oder nicht, ethisch oder unethisch, es hat der Deutschen Bank zu einer Menge an Geld und somit ökonomischem Einfluss verholfen, der uns Deutschen inmitten der Eurokrise sehr gelegen kommt.

Die Alternative könnte also die ökonomische Bedeutungslosigkeit gewesen sein.

Apropos Alternativen.

Kleinanleger und Gewinne

Wunderbar amüsiert habe ich mich über den Seitenhieb von Leonhard Fischer, der im manager magazin ausführt, warum die BHF-Bank mit ihrer Strategie Erfolg haben soll. Er sagt: „Der deutsche Markt ist hochkompetitiv, keine Frage. aber Sie müssen ihn differenziert betrachten. Im Filialsegment mit den Kleinkunden ist es durch die starke Stellung der Sparkassen für private Anleger sehr schwer, gute Gewinne zu erzielen.“

Nun sollte eigentlich kein direkter logischer Zusammenhang bestehen dazwischen, dass jemand Kleinkunde bei einer Sparkasse ist und der Tatsache, dass es schwer für ihn ist, gute Gewinne zu erzielen.

Empirisch ist das aber durchaus zutreffend. Kleinkunden sind standardisierte Privatkunden. Und der Standard hat in dem Falle eher was mit unterem Mittelmaß zu tun und mit McDonald‘s ähnlichen Produktwochen für hauseigenen Unsinn, der für die Finanzen des jeweiligen Kunden ähnlich gesund ist, wie ein BigMac für den Körper.

Das ist nicht neu und auf perfide Weise erlangt Frau Poletto neue Bedeutung. Geworben wird in der Tat mit Sterneküche. Serviert wird Fast Food ohne Nährwert in braunen Papiertüten.

Flugente oder Gummiente?

Passend dazu ist heute Weltspartag. Ein Tag, den sich viele Sparer sparen können. Bei einer durchschnittlichen Sparbuchrendite von 0,5%-1,00% p.a. und einer Inflationsrate von 2,00%-2,5% p.a. wird aktive Geldentwertung betrieben.

Um dafür ein Bewusstsein zu schaffen: Es geht hier nicht um Sparbücher mit ein paar Euro fünfzig, die Oma und Opa für den Enkel eröffnet haben. Ein Achtel des gesamten Geldvermögens der Deutschen liegt auf Sparbüchern. Die Deutschen haben übrigens nach wie vor eine Menge von diesem Geld.

Süddeutsche: Deutsche horten 4.750.000.000.000 Euro

Wie ein Kollege richtig sagt, ist das schön eigentlich nur für die Bank. Die bekommt Geld so nämlich günstiger von Sparer als von der Zentralbank.

Bei der Beurteilung hilft Shakespeares Hamlet:

„Ist dies schon Tollheit, hat es doch Methode.“

(2. Akt 2. Szene; Verse 206 ff.)

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