AWD – Topographie des Betrugs

Thema: // Author: Arne Lotze

Ich meine natürlich nicht den Arena-Teil in „AWD Arena“, denn gleichwohl der Lieblingssport der Deutschen nicht der meine ist, gerade auch weil „dazugehört“, dass sich Spieler auf dem Boden wälzen als sei das Weltende nahe, nur um nach nicht erfolgtem Pfiff binnen einer Sekunde wieder quietschfidel auf den Beinen zu sein, wenn der Ball zufällig in ihre Richtung kommt, ginge mir „Topographie des Betrugs“ dann doch zu weit. Und auch die Schiedsrichterskandale sind nicht gemeint.

AWD-Arena

Es bleibt also: „AWD“.

Nun kann man sicher bedauerlich finden, dass ein solcher Laden bleibt. Gut ist das insofern, als es mit einiger Regelmäßigkeit Betrugsfälle oder sagen wir „Fälle, die aufzeigen, dass Beratung systematisch nicht optimal war“ gibt – und wo kein Schuldner (mehr), da keine Haftung. Das fände ich noch viel bedauerlicher.

Zu einer Topographie jedenfalls gehörte mit Sicherheit die ARD Mediathek mit entsprechenden Beiträgen.

15%-22% als Provision

Unlängst – am 8. Dezember – wurde von Reportern berichtet, die aufgedeckt haben, dass Kunden nicht über die Provisionshöhe von Produkten in Kenntnis gesetzt wurden, obwohl diesen zwischen 15% und 22% des eingesetzten Kapitals betrug. Ab 15% wären sie zur Aufklärung aber verpflichtet gewesen. Siehe auch das Video Grauer Kapitalmarkt.

Eine einzige Parallele zur „Topographie des Terrors“ Ausstellung in Berlin sei mir gestattet: Ich verstehe weder wie das eine noch wie das andere passieren konnte.

Ich präzisiere ob der politischen Delikatheit: die Parallele bezieht sich auf mein nicht vorhandenes Verständnis, nicht auf die historischen Vorkommnisse selbst. Sich mit Dingen auseinanderzusetzen, die sich dem Verständnis entziehen, halte ich für gewinnbringend. In der ARD Mediathek wie auch in Ausstellungen.

So frage ich mich beispielsweise:

  • Haben die Berater damals verstanden, was für einen Quark sie verkauft haben?
  • Bejahendenfalls: Was sieht man, wenn man morgens in den Spiegel schaut?
  • Falls nein: Warum verkauft man dann?
  • Haben Kunden verstanden, was sie da gekauft haben?
  • Falls nein, warum haben sie dann verhältnismäßig große Summen investiert?
  • Und warum musste der AWD, bei 14% Provision, die für Schiffsbeteiligungen ohnehin nicht unüblich sind, noch mehrere Kisten Schnaps obendrauf aushandeln?
  • Musste nicht klar sein, dass eine Anlage, bei der rund ein Viertel des Kapitals niemals investiert ist, schlechterdings effizient sein kann?
  • Falls das nicht klar war: Warum tummelt man sich in einer Konzernspitze, wenn man noch nicht einmal basale Finanzmathematik auf der Platte hat?
  • Ist nicht von Wand bis Tapete gedacht, kurzfristig Profit abzuschöpfen, wenn einem das hinterher in Form von gerichtlichen Klagen und nicht zuletzt – Rufschädigung – um die Ohren fliegt?
  • Wie lange wird sich wohl Herr Maschmeyer selbst noch jeglichen Kommentars gegenüber sperren?
  • Und warum verhalten sich eigentlich all die Größen aus vor allem der Politik nicht zu all den Skandalen, die publik werden, handelt es sich doch mit Maschmeyer um einen ihnen nicht Unbekannten? Namentlich zu nennen wären mindestens Christian Wulff, der ja schon in den Genuss der Maschmeyer Villa auf Mallorca kam oder Bert Rürup der unter gemeinsamer AG mit Maschmeyer firmiert. Sich äußern und/oder rügen dürften aber durchaus auch Gerhard Schröder, Ursula von der Leyen, Philipp Rösler oder Guido Westerwelle. Das nochmal nachzuverfolgen hier:

Maschmeyer Liebling der Politik

Da ich nie ein Gläschen mit Herrn Maschmeyer genommen habe und ferner nie eine geschlossene Beteiligung vermittelt habe, kann ich mit Antworten nicht dienen. Fragen zu stellen, war mir jedoch ein dringendes Bedürfnis.

Am Ende würde ich mich freuen, wenn auch potentiell Betrogene mehr Fragen stellen würden. Denn bei allem Skandal: Zu einem Betrug gehören immer zwei. Der Betrüger und der Betrogene. Der Betrüger braucht jedoch mindestens die Zustimmung des Betrogenen. Es empfiehlt sich, eine Zustimmung dann zu geben, wenn alle offenen Fragen geklärt wurden. Zudem hat das Fragen gute Tradition und wird in Deutschland mit der Muttermilch schon mit aufgenommen:

„Wer, wie, was, wieso, weshalb, warum…?“

Übrigens lässt auch Lasse die Fragen hochleben

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
Dann melde Dich: per Mail beratung@finanzdiskurs.de oder Telefon +49 178 3484412

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