Zertifikate – Informationen über Geld

Thema: // Author: Arne Lotze

… sind fast so wichtig wie Geld selbst. So Walter Wriston, ein amerikanischer Bankier.

Ich bin mir sicher, dass Mr. Wriston den Kopf schütteln und lachen würde. Oder weinen. Oder beides.
In diesem Blog wurde bereits eine Meinung vertreten im Zusammenhang mit der Halbwertszeit von Informationen siehe Sodom oder Gomorrha – wer braucht was?  sowie auch zur Art und Weise wie heute in der Beratung rund um‘s Geld nicht Dienst geleistet wird, was den Informationstransfer anbelangt siehe Ausreden? 15 Minuten?
In Anbetracht der Mitteilung über das Zertifikate-Volumen, weiß man gar nicht, wo anfangen – und warum das nicht aufhört.

Zertifikate

Was ist ein Zertifikat?

Ich möchte den Versuch wagen, Information zu transferieren.
Ein Zertifikat ist rechtlich gesehen eine Schuldverschreibung. Das heißt, meinetwegen der dynamische junge Mann aus dem Ausreden-Beitrag, möchte auch mittelfristig Geld anlegen und wird Gläubiger, indem er einem Schuldner Geld leiht. Er glaubt also daran, dass ihm derjenige, dem er das Geld geliehen hat, die Schulden auch zurückzahlt. Für das Risiko, das er dabei trägt, bekommt er außerdem was. Was genau er, wie, wann, warum, wieso und weshalb bekommt, kann ganz unterschiedlich sein. Größtenteils versteht das der Berater nicht und erst recht unser junger Mann nicht. Wir wollen das also gerne feststellen, aber nicht weiter vertiefen.
Häufig weiß er außerdem nicht, dass die Stelle an der er das Zertifikat erwirbt, nicht auch der Emittent – also Herausgeber des Zertifikats ist. Mal angenommen also, er ist einer der Kunden, die bei der Haspa ein von der Lehman Brothers Holding Inc. emittiertes Zertifikat erworben hat, war der Informationstransfer mit Sicherheit mangelhaft.
Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird er die sieben Siegel um das Buch „Emissionsprospekt“ und die mitunter wahnwitzig komplexen mathematischen Modelle, die dem vermeintlich so leicht zu verstehenden Zertifikat zugrundeliegen, nicht gebrochen haben. Sofern er den Prospekt überhaupt je in Händen hatte.
Ferner wird er recht wahrscheinlich außerdem nie von einer US-amerikanischen Investmentbank namens Lehman Brothers gehört haben. Deren Filialsystem in Deutschland war jetzt auch nicht so richtig riesig.

Um das Wagnis nicht scheitern zu lassen: Ziel dieses Beitrages ist es nicht, Zertifikate zu erklären, Ziel ist es vielmehr zu erklären, dass Zertifikate sich nicht ohne weiteres korrekt und verständlich erklären lassen.

Zurück zu Mr. Wriston. Der weiß immer noch nicht, ob lachen oder weinen.

„Sind junge, dynamische Deutsche denn vollkommen bekloppt? Oder einfach nur mutig?“ Da leiht eben dieser Deutsche also einer Bank Geld, die er nicht kennt, obwohl er das Geld im Falle einer Insolvenz nicht wiederbekäme. „Machen die das in Deutschland denn auch auf der Straße so? Irgendeinem Fremden glauben, dass er Ihnen das Geld schon zurückzahlen wird, wenn sie ihm welches leihen?“
Zumal: Zu Konditionen, die einem 100-seitigen Prospekt zu entnehmen sind, die so komplex sind, dass man sie überhaupt nicht überblickt?
Man muss an dieser Stelle vielleicht auch kurz an den auf gar keinen Fall Dicken denken, der als Junge in den Zaubertrank gefallen ist: „Die spinnen, die Deutschen.“

obel0825h

Das lässt sich schon an dieser Stelle feststellen.
Umso mehr aber mit Blick auf und in oben stehenden Artikel. Nun sind kleine Kinder ja durchaus schlau genug, nicht ein zweites Mal auf die heiße Herdplatte zu fassen. Im Gegensatz zum Tier, so die nicht unbestreitbare These, sind wir schließlich vernunftbegabte Wesen.
Nach all dem Ärger, all dem verlorenen Geld… Verzeihung… Geld, das jetzt jemand anders hat, der an Panik grenzenden Angst vor Bankprodukten dauert es gerade einmal ein Jahr bis wieder genauso viele Menschen, Unternehmen Geld leihen, die sie nicht kennen, zu Konditionen, die sie nicht verstehen.
Nun, zumindest in Hamburg sagt man ja ganz gern mal: Tschüss. Auch zum Geld.

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
Dann melde Dich: per Mail beratung@finanzdiskurs.de oder Telefon +49 178 3484412

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