Robo-Advisor: USA versus Deutschland

Thema: // Author: Arne Lotze

Der neuste Trend am Anlegermarkt heißt in Deutschland Robo-Advisor. In den USA erfahren die cleveren Finanzalgorithmen gerade eine nie dagewesene Popularität, was wohl an den besonders attraktiven Renditen liegt. So waren in der Vergangenheit Renditen für Kleinanleger bis zu 13 % möglich. Kein Wunder also, dass auch immer mehr Banken auf die digitalen Anlageberater setzen und Kooperationen eingehen. Wir haben uns diese Entwicklung einmal genau angeschaut und deutsche mit amerikanischen Robo-Advisor verglichen.

Robo-Advisor in den USA: Boom statt Trend

Die USA haben den Trend schon längst hinter sich gelassen. So investieren immer mehr Kleinanleger in ETFs und nutzen dabei Robo-Advisor als digitale Vermögensverwalter. Die beiden größten Anbieter Betterment und Wealthfront verwalten derzeit ein Vermögen von ca. 10 Milliarden Dollar. Alle Deutschen Anbieter zusammen schaffen es nicht einmal ansatzweise auf diese Zahl zu kommen. In Deutschland liegt das Vermögen, welches von Robo-Advisor verwaltet wird, gerade einmal bei 0,5 Milliarden Dollar. Da der Deutsche für Neuerungen erst aufwändig überzeugt werden muss, handelt es sich in Deutschland tatsächlich noch um einen Trend.

Doch wie investieren Robo-Advisor mit ETFs? Die Abkürzung ETF steht für Exchange Traded Fund und bezeichnet einen Fonds, der real-existierende Indizes virtuell oder auch physisch abbildet.  Der ETF investiert unabhängig vom Anleger in real-existierende Indizes wie den DAX oder Dow Jones, was dem Anleger unnötige Kosten und bürokratische Aufwände erspart. Die dadurch ermöglichte Kostenstruktur und das Wegfallen des Fondsmanagers, reduzieren die laufenden Kosten auf unter 1% p.a.. Durch die Skalierbarkeit zahlt der Anleger nur einen Bruchteil für die Nutzung. Ein Algorithmus verlangt eben keine umfangreiche Provision, wie es Fondsmanager mit bis zu 5% Agio und laufenden Kosten in Höhe von 2% p.a.  gerne tun. “Digitalisierte Anlagestrategien, wie sie Hedgefonds und institutionelle Anleger schon lange nutzen, sind jetzt auch für Kleinanlegern attraktiv. Ein Robo-Advisor fällt Anlageentscheidungen auf Basis mathematischer Konzepte – etwa Value-at-Risk (VaR) oder Conditional-Value-at-Risk (CVaR) – und verabschiedet sich damit von wenig nachhaltigen Konzepten wie Markttiming oder Stockpicking”, sagt Per Ricken vom Infoportal robo-advisor.de.

Zu unterscheiden sind bei einem Robo-Advisor aktive und passive Anbieter. Während passive das Portfolio nach Einrichtung nur einmal jährlich anfassen und umschichten, greifen aktive Robo-Advisor stetig ein und nehmen ein Rebalancing vor, sobald sich die Marktlage und damit das Portfolio negativ ändern. Der Umfang des Eingriffs – also wann ein Robo-Advisor tätig wird – bestimmt der Anleger im Vorfeld selbst. Wichtig dafür sind die Risikoneigung und die Anlagedauer, die ein Anleger eingehen will. Beim VaR, wie sie Whitebox als Risikokennzahl nutzt, greift der Algorithmus ein, sobald ein prozentualer Verlust von z.B. 10% mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr abzuwenden ist. Die abfallenden Positionen innerhalb des Portfolios werden dann entsprechend verkauft. Genau hier liegt auch die Stärke eines guten Robo-Advisor. “Die Verwendung eines Robo-Advisor macht nur dann wirklich Sinn, wenn er aktiv umschichtet. Denn ein kleiner Privatanleger kann es nicht leisten, die Märkte ständig zu beobachten”, meint Per Ricken.

Der Unterschied liegt in den Kosten eines Robo-Advisor

Jeder Robo-Advisor verlangt Gebühren, die sich aus Kosten für die ETFs und für die Verwaltung zusammensetzen. Die ETF-Gebühren hängen vom ETF ab und belaufen sich durchschnittlich auf 0,25%, egal ob man einen Deutschen oder Amerikanischen Robo-Advisor nutzt. Der Unterschied zwischen Deutschen und Amerikanischen Anbietern ist daher in der Gebühr für die Verwaltung zu finden. So liegt diese bei Robo-Advisor aus Deutschland im Schnitt bei 0,61% und aus den USA im Schnitt bei 0,25%. Damit sind hiesige Anbieter (noch) um bis zu 144% teurer, als die  transatlantischen Fintechs. Das Problem der recht hohen Gebühren begründet Per Ricken wie folgt: „Deutsche Robo-Advisor haben mit noch geringer Sichtbarkeit zu kämpfen. Zum einen wird viel Geld in Online-Marketing investiert und zum anderen kommen die Skaleneffekte erst bei einer bestimmten Anzahl von Anlegern zum Tragen, was die Kosten langfristig senken würden.“

Je schneller die Akzeptanz Deutscher Robo-Advisor steigt, desto eher werden auch die Preise für die Nutzung fallen. Trotz der noch geringen Akzeptanz und Sichtbarkeit, werden Robo-Advisor in Deutschland ebenfalls wie in den USA langfristig eine echte Alternative sein. Denn gegenüber dem lange beliebten Tagesgeld sowie Immobilien als Anlageform, sind die Renditen geradezu astronomisch. Bringt Tagesgeld derzeit vielleicht 0,5% und Immobilien 1,5% bis 2%, kann der Robo-Advisor – egal ob aus Deutschland oder den USA – Renditen von 5% bis 13% erwirtschaften. Gerade weil dieses Potential weiter wachsen wird, wechseln immer mehr Experten aus Wirtschaft und Forschung in die Beiräte schnell wachsender Robo-Advisor, wie es zuletzt beim Deutschen Fintech Gimnon der Fall war. Aber auch Banken haben das Potential längst erkannt: Die Royal Bank of Canada kooperiert mit dem Finanzalgorithmus von FutureAdvisor von BlackRock – der größten Vermögensverwaltung der Welt – um die eigenen Fondsmanager bei Analysen zu unterstützen.

 

Welche Robo-Advisor kann ich in Deutschland nutzen?

Die Frage, ob man in die deutsche brave new world der Robo Advisor einsteigen sollte, wurde hier bereits beleuchtet. Wer das tun möchte, um Geld anzulegen, sollte auf zwei Dinge achten:

  1.     Der Anbieter sollte eine Lizenz von der BaFin haben oder mit einer Bank kooperieren, die eine besitzt.
  2.     Das Risiko-Management sollte langfristig und nachhaltig ausgelegt sein.

Da das Risiko-Management oftmals Betriebsgeheimnis ist und sich ein Anbieter damit gegenüber anderen positioniert, ist abzuwarten, wie sich Deutsche Robo-Advisor langfristig entwickeln werden. Das Infoportal robo-advisor.de sieht bis dato Scalable Capital dicht gefolgt von Whitebox als sehr empfehlenswert an. Scalable Capital hat in 2016 mit einem ausgeglichenen Risiko-Management eine sehr gute Performance abgeliefert und wird daher eben dort als Testsieger mehr als empfohlen.  

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
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