Robo-Advisor: Der bessere Anlageberater?

Thema: // Author: Arne Lotze

Geld anlegen – aber wie?

Wenn es nicht schon schwer genug wäre, an Geld überhaupt zu kommen – schließlich muss man dafür erstmal arbeiten. Kaum hat man welches, fangen die nächsten Probleme an: Was mach ich jetzt damit. Mit dem Robo-Advisor oder wie Oma?  Oma hat das Geld vielleicht einfach noch unters Kissen gelegt, dass das nicht so wirklich zeitgemäß ist, darüber dürfte Einigkeit bestehen. Zumal, eingedenk Albert Einstein:

Einstein ZinseszinsGeld anlegen – so nicht!

Andererseits stellt man bedauerlicherweise fest, dass die Deutschen in der Wahl ihrer Anlage denkbar nah dran sind an Oma:

Geldvermögen der DeutschenNach Jahren der Niedrigzinsphase liegen die überwiegenden Teile des Vermögens auf Sparbüchern, Tagesgeldkonten, Girokonten und Bausparverträgen einerseits. Und in Altersvorsorgeprodukten mit Standardgarantie-Systemen andererseits – was bedeutet gleicher Wein in untransparenten Schläuchen. Siehe dazu auch: KLV: Produkte mit absurdem Deckungsstock

Auftritt: Robo-Advisor

Eigentlich leben wir ja gar nicht in Omas Zeiten, sondern im Zeitalter der Digitalisierung. An jeder Ecke lauert die digitale Disruption, was da heißen soll: alte Geschäftsmodelle halten mit der Schlagzahl der Digitalisierung nicht mit und machen Raum für Neues. Joseph Schumpeter lässt grüßen:

Schumpeter

Spätestens seit der Finanzkrise 2008 ist der Anschein der Unantastbarkeit der etablierten Hausbanken dahin. Anleger begannen sich die Frage zu stellen, ob das unhinterfragte Anlegen aller Mittel bei der Bank, bei der Papa und Opa auch schon waren denn wirklich im eigenen Interesse sein kann? Man begann zu munkeln, Banken seien nicht nur Vermittler, sondern auch Produkthersteller. Und in der Tat: im sogenannten standardisierten Privatkundengeschäft wurden an Sparer mit kleinen Vermögen mit Vorliebe Anlagen aus der hauseigenen Produktschmiede vermittelt. Die schneiden im unabhängigen, internationalen Vergleich jedoch überschaubar begeisternd ab.

Also: Geldanlage – hier nicht! Oder um es mit „Little Britain“ zu sagen:

computersaysno

Vielleicht: Geldanlage mit dem Robo-Advisor

Seit einiger Zeit tummeln sich neue Akteure am Markt, sog. „Robo-Advisor“. Man wird also nicht mehr bei einem echten Kaffee von einem echten Verkäufer in einer echten Bankfiliale beraten, sondern sitzt entspannt mit dem Tablet auf der heimischen Couch und vertraut darauf, dass Unabhängigkeit in der Produktauswahl und ein Katalog an Fragen zur Risikoneigung und zum Ziel der Anlage zur passenden Geldanlage führen.

Durchaus clever, denn das spart Geld – und Geld, das nicht beim Verkäufer landet, bleibt beim Sparer. Das Argument ist im Grunde nur das digital ausbuchstabierte von passiver versus aktiver Geldanlagen. Wir erinnern uns: Aktives vs. passives Investment

Und so nimmt nicht weiter Wunder, dass die Masse der Robo-Advisor ETF nutzen, eine Anlageform also, die überhaupt nicht versucht überdurchschnittlichen Ertrag zu erzielen. Stattdessen soll der Ertrag kostengünstig erzielt werden und dem Durchschnitt dabei möglichst nah kommen. Klingt unsexy? So unclever ist das gar nicht. Die Masse der von standardisierten Privatkunden-Anlagen erreichen den Durchschnitt nämlich noch nicht mal – sind dafür teurer. Klingt nach einem schlechten Deal? Ist er auch.

Aber Robo-Advisor? Ganz ehrlich? Ein Computer, der mir eine Anlage empfiehlt, kann das gutgehen?

Erste Tests lassen das vermuten, beispielsweise hier: Sichere Geldanlage oder auch hier: Finanztip Und bei Licht betrachtet: warum nicht? Wir wissen schließlich, dass 80-90% des Anlageerfolgs von der Strategie abhängen, also der Beantwortung der simplen Frage: „Lieber Anleger, wie lange wird Dein Geld voraussichtlich angelegt bleiben?“ Daraus lässt sich dann recht einfach ein Verhältnis von Aktien, Anleihen, ggf. Immobilien und Tagesgeld ähnlichen Anlagen schließen.

Strategische Asset Allokation

Wenn’s strategisch klappt, wo hängt es dann?

Es hängt vor allem an zwei Stellen:

  1. Die Taktik
    Was man nach Beantwortung der einfachen Frage nach der Anlagedauer tut, geht nämlich wesentlich auf Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte zurück. In denen können wir nur leider nicht mehr investieren. Und seit 2008 funktionieren die Märkte leider etwas anders also vorher und so kommt es, dass auf finanzdiskurs zurecht der Ruf laut wurde: Anleihen raus!
    Anleihen raus
    Die sehr einfachen passiven Strategien sind mir taktisch zu wenig flexibel – zumindest für den Nicht-Profi. Sicher, gibt es immer Möglichkeiten zu reagieren – aber die Vereinfachung richtet sich wahrscheinlich gerade an Sparer deren liebstes Hobby eben noch nicht das Thema Geldanlage ist. Wäre es das, bräuchten sie wahrscheinlich auch keinen Robo-Advisor, denn die haben
  2. Kosten. Die Kosten sind nicht frech, aber vorhanden. Klar, die FinTechies dahinter müssen ja auch ihren Kühlschrank voll machen. Ganz ohne Advisor ist also noch günstiger. Und ich kenne sogar Vermittler von Geldanlagen, die Kaffee ausschenken und dennoch günstiger sind als die Masse der Robo-Advisor.
    Aber: Bevor das Vermögen auf dem Sparbuch schimmelt oder man 5% des Ersparten Kaufpreis für einen mittelprächtigen Investment Fonds bei der Hausbank bezahlt, ist das vielleicht eine spannende Variante.

Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen:

Das war keine pauschale Investitionsempfehlung. Ich finde die Dinger ganz interessant, man sollte sich als Sparer aber vor allem mit den Risiken der Anlage vertraut machen, die bei Sichere Geldanlage immer recht schön aufgezählt werden. Apropos. Warnen möchte ich an der Stelle vor dem Fehlschluss, fairr wäre ein für die Geldanlage geeigneter Robo-Advisor. Die Jungs machen samt und sonders Altersvorsorgeprodukte. Besonders spannend hingegen fand ich Scalable Capital. Ja, ich meine „spannend“. Vorstellbar, dass die Jungs ihre 0,75% p.a. wert sind. Kann aber auch nicht klappen. Hier scheint nur etwas mehr fachlich fundierte Meinung vorhanden als bei vielen konkurrierenden Anbietern. Leider können aber auch Experten mal daneben liegen.

Ob Robo-Advisor wirklich die besseren Anlageberater sind? Das wird die Zeit zeigen. Viele der Unternehmen heute werden nicht bestehen, zumal die Angebote einfach zu ähnlich sind. Da ist noch Innovationsluft. Andererseits gilt das in Zeiten des Filialsterbens bei Banken und einem Aktienkurs der größten deutschen Geschäftsbank, der im Sturzflug ist ebenso.

In jedem Falle verändert sich der Markt – und ohne Veränderung keine Verbesserung.

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
Dann melde Dich: per Mail beratung@finanzdiskurs.de oder Telefon +49 178 3484412

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