Rendite – Kommt ein Mann zur Bank

Thema: // Author: Arne Lotze

„Ich möchte Geld anlegen.“ Sagt der Mann hinter dem Schalter: „Ist Ihnen die Verzinsung wichtig oder eher die Rendite?“

Dabei handelt es sich um die entscheidende Frage bei einer Geldanlage – und deswegen hat oben beschriebene Szene natürlich humoristischen Charakter. Das fragt bei einer Bank niemand, weil sich da offensichtlich niemand drüber Gedanken macht. Sonst würden nicht in Hülle und Fülle Produkte verkauft, die aus Kundensicht völliger Unsinn sind.

Einmal lächeln also und weiter im Text.

Wir sind hier ja schließlich nicht bei einer Bank.

Der Unterschied zwischen Verzinsung und Rendite entscheidet beispielsweise darüber, ob man einen Apfelbaum und ganz viele Äpfel hat oder nur ein paar wenige Äpfel und es steht in den Sternen, ob man jemals viele bekommen wird.

Zinsen für den Sparer, Rendite für die Bank

Mal angenommen man leiht jemandem – nennen wir ihn „Bank“ – Geld und die Bank kauft davon einen Apfelbaum. Dafür verspricht die Bank, dass sie später bis ans Lebensende Äpfel an diesen „man“ – nennen wir ihn Peter – auszahlen wird.

Die Verzinsung kann, wenn der Baum gedeiht und wir güldene Sommer erleben, riesig sein. Das freut auch einen. Richtig, die Bank. Der gehört nämlich der Baum und zunächst mal auch alle Äpfel. Peter bekommt ja noch gar keine.

Irgendwann interessiert sich Peter dann aber doch für die Rendite – für einen Zahlungsstrom zurück an ihn also. Schließlich hatte er Kapitalabfluss, da will er dann schon auch ordentlich Äpfel für haben. Und er hat „Glück“. Die Bank rechnet zwar sehr vorsichtig – es kann ja sein, dass Peter 110 Jahre alt wird und dann muss es mindestens bis dahin auch mit den Äpfeln reichen – aber die Verzinsung war gut genug, dass sie sich 10 Äpfel im Monat schon leisten kann.

Im Video nochmal hier

Bekommt der ein oder andere Leser ein leichtes nicht-100-Prozent-Gerechtigkeits-Rumoren in der Magengegend? Ich finde, zurecht. Wir erleben nämlich das, was wir bei allen Bank- und Versicherungsprodukten mit klassischem Deckungsstock erleben: die Verzinsung könnte besser sein, ist aber gerade noch so ordentlich. Die Rendite aber, das, was am Ende dabei rauskommt, ist miserabel.

Dabei ist das doch die Zahl, auf die es ankommt. Unser Peter hat doch nichts davon, wenn von seinem Geld eine ganze Apfelbaumplantage gekauft wird, er aber mit ein paar kümmerlichen Äpfeln vertröstet wird, die er in der Theorie zwar lebenslang, in der Praxis aber nur bis an sein Lebensende bekommt. Im schlimmsten Falle geht die Bank in die Insolvenz und nur ein Teil seiner Anlage ist über den Einlagensicherungsfonds geschützt. Den Rest verwaltet die Insolvenz.

Von eben dieser Warte lässt sich auch die Studie des Instituts für Transparenz in der Altersvorsorge betrachten, von der bereits die Abrede war. Riester: Trauerarbeit

Trauerarbeit

Treffen sich zwei Jäger, beide tot

Ein anderer Blickwinkel – der auch unschön ist – ist übrigens einer aus der Mengenlehre. Angenommen im durchschnittlichen Riestervertrag würde mit einer Lebenserwartung von 85 Jahre gerechnet. Wenn der Bevölkerungsdurchschnitt genau das Alter erreicht, heißt das ja, dass ca. die Hälfte aller Menschen älter werden als 85, ca. die Hälfte aber jünger versterben. Ist klar, sonst wäre der Durchschnitt ja nicht der Durchschnitt.

Durchschnitt

Nicht ganz sauber aber näherungsweise lässt sich also sagen, dass die Hälfte aller Sparer mit einem Minusgeschäft aus dem Rennen gehen wird, wenn die durchschnittliche Lebenserwartung eine Rolle spielt. Schlicht und ergreifend weil ihr Leben schon vorbei ist, bevor es durchschnittlich lang ist.

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