Kinder und Geldanlage

Thema: // Author: Arne Lotze

„Ihr Kinderlein kommet.“ Ab morgen weihnachtsmarktet es in Hamburg wieder. Sowohl Weihnachten als auch Kinder kosten Geld und vielleicht sind die besinnlichen Stunden ja auch der richtige Moment, um über Geldanlage zu sinnieren.

Weihnachtsmarkt

Höchste Zeit jedenfalls mit der Wochenzeitung gleichen Namens über Kinderlein, die kommen, nachzudenken – mit denen man den Zauber der Weihnachtszeit bestimmt noch einmal ganz neu entdecken kann.

Kinder sind teuer

Richtig ist aber auch, dass Kinder großzuziehen eine Menge Geld kostet: Bis zum 18. Lebensjahr und somit noch ohne die nicht unerheblichen Kosten für ein etwaiges Studium fern des elterlichen Nestes rund 120.000 €, also 555 € im Monat. Stephan Degenhardt hat also vollkommen Recht. Wer sein Leben durch die Erfüllung eines Kinderwunsches bereichert, muss nicht zwangsläufig Geld übrig haben, um auch noch große Sparpläne auf den Namen des Sprosses zu bedienen. „Sparen auf Pump bringt nichts“, sagt daher auch Stefanie Kühn, die Autorin des Finanzratgebers für Eltern.

Überhaupt findet sich in Degenhardts Beitrag viel Unterstützenswertes:

Kinder und Geldanlage in der ZEIT

ZEIT – Vorsorge für Kinder

Im Unterstützen möchte ich sogar so weit gehen, Inhalte noch für richtiger zu halten als der Journalist selbst.

Und das kommt so: Das Spiel mit langen Zeiträumen und daraus resultierenden hohen Geldbeträgen lässt sich ja in beide Richtungen treiben. Sicher, 120.000 € sind eine Menge Geld und die wenigsten jungen Eltern werden so viel auf der hohen Kante habe, wenn das Elternglück sie ereilt. Müssen sie aber auch gar nicht, schließlich wird das ratierlich fällig.

Die größte Erfindung des menschlichen Denkens

Umgekehrt ist es aber so, dass insbesondere bei der Kindervorsorge deutlich wird, warum man Albert Einstein zurecht den Satz „Der Zinseszins ist die größte Erfindung des menschlichen Denkens“ zuschreibt:

Angenommen ein Elternpaar fängt bei Geburt des Kindes an, jeden Monat 50 € zu sparen und tut das, bis das Kind 25 Jahre alt ist. Danach erfolgen keine weiteren Einzahlungen und das Vermögen wird lediglich verzinseszinst bis das Kind 65 Jahre alt ist. Die Verzinsung über die gesamte Zeit betrage 6% p.a.

Wie viel Geld steht dem Glückspilz wohl zur Verfügung?

Aus 15.000 € Einzahlungen sind knapp 350.000 € geworden.

Das ist so beeindruckend weil die Funktion zum Berechnen von Zinseszinseffekten eine exponentielle ist – also nicht „mal“, sondern „hoch“.

Finanzmathematik kann Spaß machen. Einfach mal einen Zinseszinsrechner mit Zahlen zu füttern, kann ich nur empfehlen.

Zurück aber zur ZEIT.

„Wer […] gleich nach der Geburt des Kindes mit Sparen anfängt, für den seien auch in Krisenzeiten Fonds die richtige Wahl, versprechen sie doch die höchste Rendite, bergen aber auch das größte Risiko.“

Gerade jetzt, wo Finanzpessimismus en vogue ist und mir zugetragen wird, dass selbst  BAFIN Angestellte „Verkonsumiert Euer Geld“ Reden schwingen, finde ich solche Aussagen mutig – und richtig sowieso. Ich möchte aber präzisieren:

Ich halte nicht nur die Aussage, dass die höchste Rendite möglich ist für richtig, sondern ferner die Aussage dass Investmentfonds das größte Risiko bergen für nur eingeschränkt richtig. Abgesehen davon, dass auch ein Geldmarktfonds ein Fonds ist und das Rendite-/Risikoprofil dem eines Tagesgeldkontos entspricht, sehe ich schlichtweg das „größte Risiko“ über viele Jahre nicht.

Was korrekt ist, ist das Aktien- und Mischfonds am meisten im Wert schwanken. Da geht es fröhlich nach oben und nach unten und wenn man sich am Ende die durchschnittliche Wertentwicklung ausrechnet, hat man gewonnen. Das hat langfristig doch aber nichts mit Risiko oder Verlusten zu tun, von denen Degenhardt später schreibt. Verluste macht schließlich nur, wer etwas für sagen wir 5 € kauft und für 4 € wieder verkauft.

Verluste macht aber nicht derjenige, der für 5 € kauft und für 10 € wieder verkauft, selbst dann, wenn der Wert zwischendurch mal nur 3 € betrug.

Daraus folgt:

  • Langfristig sind Schwankungen wünschenswert. Ohne Dynamik gibt es keine dem Zeithorizont angemessene Rendite.
  • Einige Jahre bevor man über Vermögen verfügen möchte, sollte man sich von den Schwankungen verabschieden – nach oben wie nach unten – und lediglich in konservative Anleihenfonds oder Geldmarktfonds investieren.

Siehe auch Strategische Asset Allokation bzw. Das magische Dreieck der Geldanlage

Am Ende hatte man die Schwankungen dann, wenn man sie haben wollte und hat sie nicht mehr, wenn man sie nicht gebrauchen kann. Wer möchte kann auch „Ablaufmanagement“ dazu sagen.
Vielleicht übertreibe ich, wenn ich behaupte, das sei kinderleicht. Treffend beschreibt es aber ein Zitat von John Davison Rockefeller:

„Es ist besser, einen Tag im Monat über sein Geld nachzudenken, als einen ganzen Monat dafür zu arbeiten.“

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
Dann melde Dich: per Mail beratung@finanzdiskurs.de oder Telefon +49 178 3484412

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