Flugente oder Gummiente?

Thema: // Author: Arne Lotze

Poletto Haspa

Poletto: Geldanlage à la Flugente

Frau Poletto konzentriert sich also ganz auf die Entscheidungsfindung, ob sie ihre Gäste mit Blick auf Elbe oder Alster bekochen möchte und verlässt sich in puncto Geldanlage getrost auf ihren Berater.
Zu Recht wie man liest. „Zum 7. Mal in Folge ausgezeichnet als ‚Bester Vermögensverwalter‘. Man gratuliert, wundert und ärgert sich. In der Reihenfolge.
Nun ist es tatsächlich so, dass die Hamburger Sparkasse sich ihre Sporen im Bereich Vermögensverwaltung verdient hat. Summa cum laude im aktuellen Elite-Report, in dem es die Haspa mit immerhin 146 Mitbewerbern zu tun hatte.
Der aufmerksame Leser könnte daraus also schließen: nichts wie hin zur Haspa.
Moment.

Standardisierte Privatkunden: Gummiente

Aber warum Moment? Weil das lediglich zutrifft für Kunden, für die sich ebenfalls die Frage stellt: Elbe oder Alster? – Wer hingegen überlegt Eimsbüttel oder Ottensen, geht nicht direkt zum Vermögensverwalter sondern zurück auf Los: ab ins standardisierte Privatkundengeschäft. Nur, Vorsicht! Was das anbelangt, ist die Haspa gar nicht mit summa cum laude ausgezeichnet. Nun könnte man meinen: „Macht ja nichts, wenn die das eine können, können die das andere erst recht.“ Wer Entenfond kocht, schaut schließlich auch nicht mehr ins Kochbuch, um zu erfahren, wie man wohl Reis zubereitet.
Könnte man meinen. Wäre naheliegend. Und ganz verrückt: fair dem Kunden gegenüber. Der trägt immerhin auch Geld zum Institut seiner Wahl, für das er stundenweise Lebenszeit mit Arbeit verbracht hat. Wahrscheinlich einfach nicht so erfolgreich wie Frau Poletto.
In diesem Meinen jedoch geht man fehl. Und darf sich wundern.
Ziemlich bald setzt dann das Ärgernis ein.
Denn es ist so, dass von all der Expertise, die seitens der Haspa vorhanden ist, im standardisierten Privatkundengeschäft nichts ankommt. Obwohl also Entenfond und Maggi gleichermaßen verfügbar sind, wird aktiv die Entscheidung getroffen, standardisiert mit Maggi sein Süppchen zu kochen. Wer hier „sein Süppchen“ als „hauseigene Produkte“ liest, die qualitativ – und das wissentlich – nicht selten ins Hintertreffen geraten, interpretiert nicht zu viel.
Das halte ich, mit Verlaub, für eine Unverschämtheit.
Immer eingedenk der Tatsache, dass die Sache natürlich auch für die Haspa als Unternehmen wirtschaftlich bleiben muss. Selbstverständlich bleibt es länger wirtschaftlich, Zeit auf die Betreuung von Frau Poletto zu verwenden als für den Standardprivatkunden. Selbstverständlich muss die Haspa in Anbetracht all ihrer zahlreichen Kunden segmentieren.
Daraus folgt aber noch lange nicht, dass es in vollem Bewusstsein, dass es für den Kunden bessere Lösungen gibt, in Ordnung ist, ihm im Rahmen von an Fastfood-Ketten erinnernde Produktwochen das hauseigene Deka oder Neue Leben Produkt zu verkaufen, auf das der Standard gerade abgestellt ist.
Zufällig weiß ich, dass ich hier nichts Menschenunmögliches verlange. Mit vergleichsweise wenig Aufwand könnte ein wenig summa cum laude auch beim Standardkunden ankommen und es wäre möglich, den Standardkunden auch vom lecker Entenfond kosten zu lassen.
Stattdessen wird er mit der Gummiente abgespeist. Wahrscheinlich ist die dann immerhin rot und „meine Bank heißt Haspa“ ist aufgedruckt.
Na super.

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