Aktienfonds: Es war einmal

Thema: // Author: Arne Lotze

…eine Geschichte vom Aktienfonds.

Schon mal gehört, gedacht oder gesagt: „Fonds? Ne, Aktien, das ist nichts für mich!“

Und vielleicht war das sogar richtig. Nur, und jetzt kommt das Perfide: Vielleicht war das auch falsch.

Und das kommt so:

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Die erste Beteiligung

Es war einmal ein Mann, der war fleißig und wurde für seine Arbeit gut entlohnt. Da ihm seine Arbeit Freude bereitete, machte ihm auch nichts aus, viel zu arbeiten. Über die Jahre stellte er sogar einige Mitarbeiter ein, da er der Auftragslage allein nicht mehr Herr wurde. Dabei dachte er sich stets: „Solange meine Mitarbeiter mehr Geld erarbeiten als ich ihnen bezahle, steigt mein Gewinn.“

Eines Abends, es ging auf die besinnliche Zeit des Jahres, Weihnachten, zu, kam er ins Nachdenken. Er hatte nun über zehn Jahre fünfzehn Mitarbeiter eingestellt und die Geschäfte gingen so gut, dass er ihnen in einigen Tagen das Weihnachtsgeld würde auszahlen können. „Nur,“ so dachte er sich, „ich werde nicht jünger. Wenn ich so weiter mache, werde ich wahrscheinlich mit einigen stärkeren und einigen schwächeren Monaten über das Jahr stetig erfolgreichere und erfolgreichere Jahre haben. Dafür werde ich stetig neue Mitarbeiter beschäftigen müssen.“ Damit wäre er grundsätzlich zufrieden gewesen. Aber gab es nicht einen Weg, überdurchschnittlichen Gewinn zu machen? Gewinn, den er nicht einmal selbst erarbeiten musste? Begeistertes Unternehmertum anstatt zufriedenes Arbeiten?

Da kam ihm eine Idee. Er hatte doch letztens im Wirtshaus einen Bekannten getroffen, der in der Nachbarstadt ebenfalls ein gut laufendes Geschäft hatte. Was wäre denn, wenn er sich an dessen geschäftlichem Erfolg beteiligen könnte? Als Mann der Tat schlief er eine Nacht darüber, griff aber gleich am folgenden Tag zu Feder und Papier und unterbreitete dem Geschäftsmann ein Angebot: Er würde ihm einen Betrag Geldes zur Verfügung stellen. Er wollte dafür jedoch keinen Leihzins und wollte das Geld noch nicht einmal nach einer bestimmten Zeit zurück. Stattdessen wollte er, dass er zu einem angemessenen Anteil am Geschäftserfolg seines Bekannten beteiligt würde. Er freute sich über seine schlaue Idee: „So habe ich Teil am Erfolg zweier Unternehmungen.“

Der Adressat des Schreibens war begeistert. Mit einem Mal war es ihm doch möglich, zwei weitere Lagerhäuser bauen zu lassen, was er insgeheim ohnehin gerne forciert hätte. Nur hatte er jetzt das auch nötige Kapital. Er reiste noch am selben Tag in die Nachbarstadt und die beiden Geschäftsmänner besiegelten das Vorhaben mit einem Handschlag. Da das geliehene Geld etwas tun sollte, nämlich den geschäftlichen Erfolg beschleunigen, nannten sie das ausgestellte Dokument über die Beteiligung „Aktie“. Aus dem Lateinischen: agere: Tun, machen, treiben, vorantreiben.

Über Jahre entwickelten sich beide Unternehmungen prächtig. Im verflixten vierten Jahr jedoch bekam unser Aktienbesitzer überraschend Besuch aus der Nachbarstadt. Der Geschäftspartner hatte zu viel auf einmal gewollt und sich dabei übernommen. Die Unternehmung war pleite. Damit war leider auch die Aktie wertlos geworden, denn nachdem alle Schulden bezahlt waren, war nichts mehr übrig, womit er seinen Teilhaber hätte entschädigen können.

Wie wir bereits gesehen haben, war unser Geschäftsmann schlau. Er dachte sich: „Gott sei Dank sind meine eigenen Geschäfte weiter gediehen, dadurch trifft mich der Misserfolg meines Geschäftspartners nicht mit gar zu großer Härte.“ Er überlegte. „Erfolgreich werde ich nicht dadurch, dass ich nie hinfalle, sondern dadurch, dass ich wieder aufstehe. Immerhin habe ich durch den Sturz gelernt.“

Mehr ist mehr

Was aber mit dem Gelernten anfangen? Er kam recht schnell zur Lösung. Wenn er nicht Teilhaber von einer Unternehmung in der Region wäre, sondern von drei oder vier, hätte er umso größere Erfolgschancen und vor allem träfe ihn ein Misserfolg deutlich abgemildert. Wir ahnen es: Gesagt, ge-tan.

Und er schien zunächst Recht zu behalten. Zwar gab es kurze Episoden, während derer das eine oder andere Unternehmen strauchelte, insgesamt mehrte sich sein Vermögen aber deutlich konstanter als in den fetten Jahren seiner ersten Teilhaberschaft. Das lag auch daran, dass seine Geschäftspartner es manchmal schafften, Profit daraus zu schlagen wenn ein anderer aus der Runde akribischer für gut gefüllte Geschäftsbücher kämpfen musste.

Genau dieser Umstand sollte zum Verhängnis werden. Die branchennahen Unternehmen wurde unverhofft mit einer Branchenkrise konfrontiert und machten allesamt Konkurs. Unser Teilhaber war schlau genug gewesen, sich ein beträchtliches Vermögen anzusparen, um sicherzustellen, dass er auch im schlimmsten Falle, der nun eingetreten war, investitions- und handlungsfähig bleiben würde.

Nun aber war guter Rat teuer. „Hatte er sich doch in eine Idee verrannt, die scheitern musste? – Aber sein Plan war zunächst ja aufgegangen. Wer konnte schon ahnen oder musste gar damit rechnen, dass eine ganze Branche in der Region eingehen würde?“ Nein, er wollte an seinem Plan festhalten. Er hatte jedoch gelernt, dass er ihn weiter denken müsste.

Der Beginn von Diversifikation

Er wurde daraufhin Teilhaber in Unternehmen verschiedener Branchen in ganz Deutschland. Die daraus entstehenden Handlungsbeziehungen – wir würden heute sagen: Netzwerke – waren auch für sein eigenes Geschäft sehr zuträglich, das er inzwischen nicht mehr selbst führte. Stattdessen hatte er seinen Geschäftsfreund aus der Nachbarstadt als Geschäftsführer eingesetzt. Das kaufmännische Ehrgefühl und das Rückgrat des Freundes hatten ihm insbesondere imponiert, als dieser ihm vom Misserfolg der Unternehmung berichtet hatte.

Es schien, als könne nichts mehr passieren, das unseren Teilhaber aus dem Sattel heben könnte.

Und doch hatte er eine Sache nicht bedacht. Was, wenn das ganze Land in eine tiefe Krise stürzen sollte?

So geschah es dann auch. Die Unternehmungen, an denen er teilhatte, gingen zwar nicht pleite, die Wirtschaft lag allgemeinhin aber brach, Markt und Straßen standen verlassen. Die Hallen waren leer, die Mitarbeiter unbeschäftigt.

Er konnte sein Pech nicht fassen. Eines Tages stoppte die Talfahrt. Dafür stieg die Stimmung in Deutschland. Es ging bergauf. Es wurde durchgeatmet. Und es wurde mit umso größerem Fleiß und Erfinderreichtum gearbeitet. Die Menschen hatten das Gefühl, etwas aufholen zu müssen und wollten sich unbedingt den gewohnten Lebensstandard erhalten. Viele von ihnen hatten damit zu kämpfen, dass die Ersparnisse, die sie auf einem Sparbuch eingezahlt hatten, im Zuge der hohen Inflation  – zwischenzeitlich wurden sogar Nullen auf Scheine gedruckt – abgewertet worden waren. Zwar ging es den Banken gut, aber daran hatten sie als Kunden leider nicht Teil.

Und unser Teilhaber?

Auch ihn und sein Vermögen hatte die Krise schwer getroffen.

Nun aber, in der deutschen Aufbruchsstimmung kam er seinen Gewinnen kaum hinterher. Die Hallen, die Patente, der Wissensvorsprung der Unternehmen und der hohe Bedarf an so ziemlich allen Gütern führte zu mehr Aufträgen als die Auftragsbücher fassen konnten.

Er spazierte durch seine florierende und prosperierende Heimatstadt, suchte sich einen Tisch mit Blick auf das Wasser, auf dem sich die Sonne spiegelte in einem Bistro, das neu eröffnet hatte. Der Wirt durfte sich über stets gute Auslastung seiner Sitzplätze freuen. Als Erster im Städtchen war er auf die Idee gekommen, Wein direkt vom Erzeuger im benachbarten Frankreich und nicht wie zuvor üblich über ein Handelskontor einzukaufen. Das hatte sehr schmackhafte Weine zu einem konkurrenzlos günstigen Preis-/Leistungsverhältnis zur Folge.

Das gefiel unserem Teilhaber. Und schmeckte ihm. Mit einem Stück Burgund im Glas erfreute er sich an seinem Erfolg. Er hatte es also geschafft. Und doch hatte ihm die Krise schlaflose Nächte bereitet. Er schaute auf den Wein in seinem Glas, dessen Farbe ihm heute irgendwie gülden vorkam. Da kam ihm eine Idee. Und Weinideen sind bekanntlich, anders als Schnapsideen, gute Ideen.

„Ich könnte doch Teilhaber nicht nur in zwei Städten, nicht nur in der Region, ja sogar nicht nur in Deutschland sein, sondern in ganz Europa, ja vielleicht sogar in der Neuen Welt (Antonín Dvořáks Sinfonie Aus der Neuen Welt hatte ihn gerade sehr begeistert)!“

Als er seinen Plan in die Tat umsetzte, war er froh, dass der Aufschwung seine Kassen so gut gefüllt hatte. So breit gestreut Teilhaber zu sein, war recht teuer.

Vor allem war es aber ein überaus erfolgreiches Unternehmen.

So hatte er Teil bis ans Ende seiner erfüllten Tage und hinterließ seiner Familie ein solides Fundament aus Vermögen, das etwas tat, das, dadurch, dass es in Unternehmungen investiert war, die damit wertschöpften, arbeitete. Er hinterließ Aktien.

Ich versprach eine Geschichte vom Aktienfonds.

Bis „Geschichte“ wird jeder folgen können. Warum aber Aktienfonds?

Nun, spätestens ab dem Moment, in dem unser Teilhaber sein Vermögen in ganz Deutschland streut, könnte man von seinem eigenen kleinen Fonds sprechen, einem Korb von verschiedenen Beteiligungen also, der dafür gedacht ist, am Gewinn beteiligt zu sein, vor allem aber weniger an etwaigen Verlusten beteiligt zu sein. Er wusste schlichtweg nicht, welches Unternehmen das lohnendste Investment sein würde. Deswegen investierte er in eine Vielzahl.

Glücklicherweise haben wir es bedeutend leichter als unser Teilhaber. Das Unternehmen, passende Unternehmen auszusuchen, nimmt uns ein Fondsmanager ab, der das zudem nicht allein tut, sondern von einem Team von Beratern und Analysten unterstützt wird. Zudem gibt es Organe wie die BaFin, die beileibe nicht alle Arten von Investmentfonds in Deutschland zum Handel zulässt.
Außerdem kommt uns zugute, dass ein Aktienfonds nicht nur Aktien sondern auch Geld sammelt – von Menschen, die ebenfalls Anteile des Fonds kaufen. Das führt dazu, dass man an all diesen Unternehmen überhaupt Teilhaber werden kann, auch, wenn man nicht mehrere tausend Euro an liquidem Vermögen besitzt, um jeweils eine ganze Aktie zu kaufen, die bei vielen Unternehmen richtig Geld kostet:

Apple 290 € (8.11.2011) bis Berkshire Hathaway A 83.366 € (8.11.2011).

zu Investmentfonds siehe auch hier

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
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