Fonds: Schlechte Performance durch Beratung

Thema: // Author: Arne Lotze

Wer dieser Tage die aktuelle Ausgabe der portfolio international, einer Zeitschrift für unabhängige Finanzdienstleistung zumindest durchgeblättert hat, blätterte durch ein Kabinett des Schreckens und war häufig schon nach der Überschrift bedient.

Beratung Performance

Ein Artikel fiel dann aber doch durch besonders kuriose Erkenntnisse auf. Kunden, die beraten wurden, so das Ergebnis einer zitierten Studie, schneiden schlechter ab, als Kunden, die sich der Beratung verwehrten. Nun ist ja wahrlich nichts Neues mehr, dass in Banken oftmals nicht beraten, sondern verkauft wird, die Studie bezog aber auch (vermeintlich?) unabhängig beratende Dienstleister mit ein.

Sehr erhellend zur Beratung in Banken übrigens nach wie vor der Titel der Wirtschaftswoche aus dem Jahr 2008 „Ich habe sie betrogen“.

Wirtschaftswoche: Bankberater packen aus ich habe Sie betrogen

Zurück aber zur Studie.

Humbug

Ich wähle zu polarisieren und behaupte: für Menschen aus der Branche nicht überraschend, die Schlüsse die gezogen werden, lassen aber zurückdenken an Ebenezer Scrooge aus Charles Dickens‘ A christmas carol: „Humbug I say, humbug!“ Der aufmerksame Leser oder auch Filmrezipient wird zurecht hinweisen: da ging es aber gar nicht um Finanzberatung, sondern um einen geizigen Mann, der Weihnachten doof findet.

1951-xmas-humbug-scrooge

Andererseits. Sind fünf Prozent Outperformance schon ein kleines Weihnachtsfest. Ich war mal so frei das auszurechnen. Nach 20 Jahren werden aus 50.000 € bei 3% p.a. 90.306 € bei fünf Prozent Outperformance, also 8% p.a. hingegen 233.048 €. Über 142.742 € mehr würde zumindest ich mich durchaus so freuen, dass es ein wenig an Weihnachten erinnert – und Kollegen, die zuweilen in ihrer Wertschätzung gegenüber dem Weihnachtsfest zwischen Grinch und garstigem Hobbit changieren, wissen wie sehr mich Weihnachten zu erfreuen vermag!

„Humbug“, sage also auch ich. Und möchte die Erklärung nicht schuldig bleiben. Zunächst geht es in der Studie um drei Jahresrenditen. 2003 bis 2005. Der Blick auf die Renditen zeigt aber, dass es sich vornehmlich um Aktien und Aktienfondsinvestments gehandelt haben muss. Ein Zeitraum von drei Jahren fasst meines Erachtens hier einfach zu kurz. Zumal die Frage erlaubt sein möge: in was für einer Marktphase befanden wir uns damals? Die Kehrseite der „Das Marktrisiko lässt sich nicht wegdiversifizieren“ Medaille ist schließlich: Schießt der gesamte Markt – eingedenk der Krise, die gerade überwunden war – steil nach oben, kann man sich dem schlichtweg nicht entziehen. Analog dazu: Das gesamte Fußballfeld zählt als Tor. Was zwangsläufig dazu führt, dass derjenige ein Tor schießen wird, der sich entscheidet, gegen den Ball zu treten.

Siehe auch die Strategische Asset Allokation

Aber geschenkt. Durchaus auch im Sinne von Weihnachten.

Das außen vor gelassen, ist noch immer die Prämisse falsch, dass Kunden zwangsläufig beraten sind. Angenommen ein Kunde, der gemäß des standardisierten Privatkundengeschäfts in seiner Hausbank „beraten“ wird, möchte sein Erspartes anlegen.

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird er den Beratungsraum verlassen mit einem mit hauseigenen Fonds bestückten Depot der jeweiligen Bank. Das ergibt auch Sinn. Also nicht für den Kunden. Aber für die Bank. Der schließlich ist damit geholfen, wenn das ureigene Investmentgeschäft Zuflüsse verzeichnet – und genau den Auftrag haben die jeweiligen Berater. Was aber die Prämisse angeht, dass der Kunde „beraten“ wurde, müsste man fairerweise sagen: dem Kunden wurde verkauft.

Warum dann aber die unvorteilhafte Performance. Immerhin haben wir mit der DWS doch Deutschlands größte Fondsgesellschaft? Richtig. Und Deutschland ist, was Investment angeht, genau so stark wie im Tennis.

Schaut man sich übrigens Portfolios von wirklich beratenen Kunden an, erzielen die durchaus eine deutliche Outperformance. An Alpha und Beta. Was für ein Investment-Weihnachten Alpha est et O.

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
Dann melde Dich: per Mail beratung@finanzdiskurs.de oder Telefon +49 178 3484412

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