Cashflow heißt das Zauberwort

Thema: // Author: Arne Lotze

Und dabei hat „Cashflow“ wenig mit Magie zu tun. Was blöd ist, da sich beim Aussprechen kein „Vermögen öffne Dich“ ereignet. Was andererseits gut ist, weil es sich der Ratio nicht verschließt.

Trotzdem wissen wenige damit umzugehen. Was einmal mehr auch am Ver-antworten der Finanzbranche liegt. Das Präfix „ver-“ in „verantworten“ hat durchaus nicht zufällig eine Schnittmenge mit dem Verschreiben und dem Verlaufen. Es zeigt etwas Übermäßiges an. Wer das sprachphilosophisch nachvollziehen möchte, dem seien einiges Durchhaltevermögen und Jacques Derridas Texte ans Herz gelegt, die er Paul de Man gewidmet hat:
Jacques Derrida: Mémoires
Jacques Derrida: Mémoires II

Das Maß der Verantwortungslosigkeit in der Finanzbranche jedenfalls ist voll. Vor allem, weil es in der Tat einfache Botschaften gibt – die aber mehr durch schillernde Produktprospekte verschleiert werden, als dass sie ins Scheinwerferlicht gerückt werden.
Dass dabei auch Menschen leidtragend sind, die ihr Geld im Scheinwerferlicht verdienen, war unlängst bei n-tv zu lesen:

Tote Hose bei der Geldanlage

n-tv: Campino mit Aktien verzockt
Zunächst ist ja erfreulich, dass bei Campino noch genügend finanzielle Masse vorhanden ist – die mit großer Wahrscheinlichkeit recht sinnbefreit angelegt sein wird. Denn, er hat ja mit diesem „Aktien“ eine Menge Geld verloren. Diese Form der Berichterstattung und Unmündigkeit im Umgang mit selbst verdientem Geld schreiben Bände.
Genauso wenig, wie ganz Gallien von den Römern besetzt ist, hätte Campino mit jeder Aktie viel Geld verloren. Wahrscheinlich war er schlecht beraten, zu gierig in Anbetracht nicht nachvollziehbar hoher Renditeversprechen oder einfach blauäugig. Das kann man wahrscheinlich davon haben, wenn man als Kind in den Zaubertrank gefallen ist.

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Aber es soll ja weder um den Zaubertrank noch um die Aktie gehen. Sondern um Cashflow.

Was das ist, wird recht plastisch, wenn ich die Frage stelle: „Ist jemand vermögend, der 5.000 € mtl. Brutto verdient?“ Beziehungsweise: „Wie sicher ist er vermögender als jemand, der 2.000 € mtl. Brutto verdient?“

Der Cashflow entscheidet

Das entscheidet der Cashflow. Vermögend ist nämlich nicht, wer gut verdient, sondern, wer weniger ausgibt als ihm zufließt. Cashflow beschreibt also das Verhältnis von zufließendem und abfließendem Geld. Und Vermögen hat insofern nur mittelbar mit dem Verdienst zu tun. Sicher, wer nichts verdient, kann auch nichts sparen. Er ist dann aber keinen Cent weniger vermögend als jemand, der jeden Monat seine gesamte Liquidität verprasst. Beziehungsweise besonders gern genommen: Die 100% Finanzierung einer Immobilie. Die Zinsen sind ja so günstig und da müssen unbedingt Menschen ohne jedes Eigenkapital zu schon immens hohen Preisen eine Immobilie kaufen. Dann sind sie vermögend.

Siehe dazu auch diesen Artikel

Wie vermögend sie sind, können sie ja einfach mal bei ihrer Bank erfragen. Die wird ihnen allerdings nur die Restschuld mitteilen. Und wer nicht zumindest mit hohen Raten schnell tilgt, bezahlt seine Immobilie über die gesamte Laufzeit durch die Zinslast doppelt.
So wird man vermögend.
Nicht.
Es sei denn, man ist eine Bank. Die wird dadurch richtig vermögend. Deshalb tun Banken auch nicht das, was sie tun sollten: Ihrer Verantwortung gerecht werden und Kunden aufklären und zu mündigen Käufern von Finanzprodukten machen.

Eine Lanze für’s Produktivkapital

Dem wird sich Campino vielleicht inzwischen verschließen. Einmal auf die Sch… Nase gefallen reicht ihm wahrscheinlich. Was schade ist.
Seine Strategie war mit Blick auf den Cashflow nämlich ganz clever. Wer in Aktien investiert, besitzt Anteile an Produktivkapital. Das heißt, das Geld liegt nicht auf einem Konto und sch… wird schlecht, sondern das jeweilige Unternehmen arbeitet damit. Wenn das Unternehmen das gut macht, tritt der Fall ein, dass Geld im wahrsten Sinne für einen arbeitet und man auf ein laufendes Arbeitseinkommen nicht länger angewiesen ist.

Siehe auch die Geschichte vom Aktienfonds.

Das klingt doch ganz zauberhaft. Das setzt aber Aufklärung, Verantwortung und Mündigkeit voraus. Gerne innerhalb eines partnerschaftlichen Verhältnisses zwischen Produktvermittler und Produktkäufer.
Die Aktien der Zaubertrank AG wird man dadurch vielleicht aus Risikoerwägungen nicht kaufen und sich später ärgern: „Ach, hätte ich doch …“ Es wird einem aber auch die „Geldanlage-tote-Hose-Erfahrung“ Campinos erspart bleiben.

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
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