Bausparvertrag

Thema: // Author: Arne Lotze

Was ist ein Bausparvertrag?

Ich wurde auf YouTube nämlich gerügt, dass nicht eindeutig klar sei, was ein Bausparvertrag überhaupt ist.

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Darüber hab ich mich gefreut – denn in der Tat ist es zuweilen so, der Wald vor lauter Bäumen. Ein Bausparvertrag ist die Kombination aus einem Sparvertrag und einem Darlehensvertrag. Bei Abschluss werden sowohl die Zinsen für das Guthaben in der Sparphase als auch für den Kredit garantiert. Beide sind im Vergleich zum aktuellen Marktzins niedriger, was also Vor- wie auch Nachteil sein kann. Das wird im Video ausführlich erläutert.

Damit man das Darlehen in Anspruch nehmen darf, müssen zwei Kriterien erfüllt sein:

  1. Der erforderliche Anteil der Bausparsumme muss angespart sein – in der Regel 40% oder 50% der gesamten Bausparsumme.
  2. Der Bausparvertrag muss zuteilungsreif sein. Jeder Bausparvertrag hat eine Bewertungszahl und je höher diese Zahl, desto weiter vorne steht man in der Schlange derer, die auch ein Darlehen haben wollen. Dahinter verbirgt sich das von Robert erläuterte Schneeballsystem, das auch im Sommer arbeitet.

Das also ist ein Bausparvertrag und warum man ihn als Geldanlage überhaupt nicht braucht und als Finanzierungstool sehr kritisch prüfen sollte im Video oben bzw. im hier folgenden Beitrag aus dem Jahr 2012.

Der Schwabe unter den Geldanlagen

Es handelt sich natürlich: Um den Bausparvertrag. „Hasch Du au en Bauspavertrag?“, fragte mich mit einem Augenzwinkern häufig ein Klassenkamerad. Und das, obwohl ich selbstverständlich nicht vor dem Erreichen der Hochschulreife schon ein Haus bauen wollte. Aber das ist da eben so. Weil es schon immer so war – und deswegen muss es gut sein.

Bausparvertrag

Wir erinnern uns: Unnötige und nötige Versicherungen

Wenn im Bundesland der Häuslebauer ein wenig mehr dem Bundestrainer nachgeeifert würde im Sinne der „hökschten Konzentration“, käme man wahrscheinlich auf die Idee, dass Bausparverträge weder gut noch zeitgemäß sind. Schützenhilfe bekämen jene Überlegungen übrigens von den Bausparkassen selbst, die derzeit einsehen, dass sie nicht funktionieren. Aufgrund der gefallenen Zinsen am Kapitalmarkt wurden und werden Zinssätze nicht nur gesenkt, die Schwäbisch Hall schafft ihren Renditetarif sogar ganz ab.

Bausparkassen senken Verzinsung

Daran könnten andere Bausparkassen sich gerne ein Beispiel nehmen. Und wenn sie schon dabei sind, können sie sich eigentlich auch gleich ganz abschaffen. Das ist so, weil Bausparverträge unflexibel sind, alle Züge eines Schneeballsystems aufweisen und dabei auch noch unverschämt teuer sind. Wer ein solches Produkt braucht? Das frage ich mich auch.

Drama 1: Kosten

Seinen Anfang nimmt das Drama bei den Kosten. Warum Sparer in Zeiten der kostenlosen Kreditkarten und Tagesgeldkonten und rabattierten Ausgabeaufschlägen beim Kauf von Investmentfondsanteilen bereit sind, 1% der Bausparsumme an Kosten zu bezahlen, ist mir schleierhaft. „Lieber Kunde, Du bekommst bei uns zwar weniger Zinsen als bei einem Tagesgeldkonto, dafür ist unser Produkt aber teurer.“ Ergibt Sinn. Nicht. Zumal hinsichtlich des Zinseszinseffektes ein Starten im Minus recht sinnbefreit daherkommt. Wir sollten einen Moment verharren und uns das nochmal auf der Zunge zergehen lassen: Dafür, dass man ein unflexibles Produkt besparen darf, zahlt man bei einer Bausparsumme von 30.000 € erstmal 300 € Abschlusskosten – und bevor man überhaupt anfängt, zu sparen, zahlt man erstmal seine 300 € Schulden bei der Bausparkasse ab.

Diese Kosten sind gemäß BGH rechtens und notwendig.

Focus: Abschlusskosten rechtens

Drama 2: Schneeballsystem

Irgendwoher müssen die Töpfe der Bausparkassen ja gefüllt werden – und gäbe es die Gebühren nicht, bestünde die Gefahr, dass die Bausparer nicht bedient werden können. Genau genommen, bezahlt sich ein Bausparer also selbst. Dass die Töpfe nicht unbedingt prall gefüllt sind, ist auch der Grund, warum es Bewertungszahlen gibt, die aussagen, wie lange man auf einen Bausparkredit warten muss. Wenn nicht genügend in die Töpfe fließt, kann eben auch nichts ausgegeben werden. Ob der Bausparer den Kredit dringend braucht, damit der Hausbau nicht erst im verregneten Spätherbst losgehen kann, ist der Bausparkasse ziemlich egal. Ob das Darlehen dann wirklich günstig ist, steht auch in den Sternen. Das hängt nämlich vom Unterschied des Zinsniveaus bei Abschluss und bei Abfrage des Kredites ab:

Drama 3: Zinswette

Paul hat einen Kirschbaum. Stefan, sein Nachbar auch. Jedes Jahr machen sie von einem Teil der Ernte Kirschmarmelade. Den Rest verkaufen sie auf dem Wochenmarkt. Nun begibt es sich eines Tages, dass Paul Freunde aus Irland zu Besuch hat. Kirschmarmelade kennen die gar nicht. Nur „richtige“ Marmelade. Aus Zitrusfrüchten und Orangen. „Kirschmarmelade ist nämlich eigentlich gar keine Marmelade, sondern Kirschkonfitüre.“ Lecker finden sie sie trotzdem. Innerhalb kurzer Zeit haben sie daher Pauls gesamte Kirschmarmeladen … ja, ja -konfitürenvorräte verspeist. Damit Paul keine Kirschen kaufen muss, will er sich bei Stefan einfach welche leihen. „Wenn Du mal Kirschen brauchst, bekommst Du welche von mir.“ „Machen wir so“, sagt Stefan. Die folgenden Jahre braucht Stefan aber gar keine zusätzlichen Kirschen. Wie der Zufall es will, klopft er dann eines Tages ausgerechnet dann an Pauls Tür, als dessen Kirschbaum kränkelt und kaum Ertrag abgeworfen hat. Aber, abgemacht ist abgemacht. Kirschschulden sind Ehrenschulden. Paul gibt Stefan seine gesamte Ernte und kauft auf dem Markt sogar noch Kirschen hinzu, um seine Schulden begleichen zu können.

So ist das mit Bausparverträgen und dem Zinsniveau. Man kann Glück haben und sich mit Sicht auf fünf, zehn oder fünfzehn Jahre ein günstiges Darlehen einkaufen. Man kann aber auch Pech haben und draufzahlen. Erschwerend hinzu kommt, dass man die Möglichkeit auf ein Darlehen nicht geschenkt bekommt, sondern den Deal eingeht, ein vielleicht günstiges Darlehen vielleicht zu dem Zeitpunkt zu bekommen, an dem man es braucht. Dafür muss man aber nicht nur ganz sicher Kosten bezahlen, sondern bekommt außerdem ganz sicher weniger Guthabenzinsen als in anderen Sparformen. Dass das zu einem richtig schlechten Geschäft werden kann, zeigt dieses nostalgisch-charmante Video:

Mit dem Bausparen ist nicht gut Kirschen essen!

Edit 7.01.0216:
Wenn es sogar bis zur BILD schon durchgedrungen ist:
BILD Bausparverträge

 

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
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