Altersvorsorge: Vorsicht Marketing

Thema: // Author: Arne Lotze

Die Deutsche Bank und Fußball

Werte Fußballvereinsvorstände, Trainer oder aber Jungmanager, mich dünkt, ich habe frohe Kunde. Analogieschlüsse legen nämlich durchaus nahe, dass die Deutsche Bank bereit sein dürfte, junge, mittelmäßig erfolgreiche, auf unterdurchschnittlichem Niveau spielende Fußballmannschaften zu sponsern. Gewiss, einiges Vermarktungsgeschick sollte man an den Tag legen, im Großen und Ganzen scheint die Deutsche Bank da aber auch mal Fünfe gerade sein zu lassen.

Und das kommt so. Ein mir nicht unbekannter Versicherungsmakler sass vor etwa einem Jahr mit einer Kundin an einem Tisch, die bis zum Renteneintritt nicht mehr ganz so lange zu arbeiten hatte, gleichwohl aber noch etwas für das Schließen der Rentenlücke tun wollte. Zwar bestanden Lebensversicherungsverträge, diese aber leider vom Typ „Legaler Betrug“ – das nochmal nachzulesen in der Spiegelausgabe vom 02.03.1998, respektive hier:

Spiegel Legaler Betrug. Der ist inzwischen übrigens 30 Jahre alt geworden

Von der ursprünglichen Versicherung zu neuen Angeboten

Da war sie also noch, die Rentenlücke bei noch gerade zehn Jahren Ansparzeit. Kurzum, man einigte sich ausdrücklich nicht auf eine Versicherungslösung aus einem einfachen Grund: Steuervorteile lohnen sich nur dann, wenn sie größer sind als die Kosten, die mit einer Versicherungslösung einhergehen.
Nun, das sah die Deutsche Bank anders. Dieses Jahr nämlich wurde einer der oben genannten Verträge fällig, merkwürdigerweise noch vor dem Erreichen des 60. Lebensjahres, schließlich wäre das Geld dann komplett steuerfrei verfügbar gewesen. Wir wollen uns nicht mit gelegten Eiern aufhalten. Sondern zu den Empfehlungen der Deutschen Bank kommen.
Empfohlen wurde sehr halbherzig eine Art Sparbuch mit Auszahlplan, ans Herz gelegt wurde der Kundin eine von zwei Versicherungslösungen zur Wiederanlage. Dass sowas theoretisch nur Sinn ergeben kann, wenn die Kundin erst mit 68 Jahren über ihr Geld verfügt, fiel bei der Deutschen Bank zwar auf, das Hauptaugenmerk wurde aber auf wunderbar zeitgemäße und krisenfeste Lösungen im Versicherungsmantel gelegt.
 Ich fasse mich, was Details angeht, etwas kürzer. Die Garantiewerte waren – Stichwort Kosten – uninteressant. Ganz anders die prognostizierten Werte, die waren zum einen ebenfalls als lebenslange Rente in Aussicht gestellt und zum anderen doppelt so hoch wie die Garantiewerte.
„Das ist ja toll! Nur, wie machen die das?“ hätte man fragen können. Wer fragt, findet häufig Antwort. Das kommt nämlich zustande durch angenommene 6% Rendite p.a. und Überschüsse auf dem Stand von 2011. „Aha. Und wie machen die das?“ Der ein oder andere mag vielleicht gelesen haben, dass sich die Überschüsse schon seit Jahren nach unten entwickeln.

Lebensversicherer

Wen wollen die eigentlich auf den Arm nehmen?

Eingedenk dessen ist wahrscheinlich recht optimistisch davon auszugehen, dass die Überschüsse 2021 noch genauso hoch sein werden. Noch spannender aber der zweite Teil. 6% machen die nämlich, indem in zwei DWS Fonds investiert wird. Aufgelegt im Februar 2010, Volumen überschaubar, Performancecharts oder -tabellen lagen nicht bei. Aber es gibt ja nichts, was sich im gut sortierten Maklerbüro nicht finden lässt. Fazit: -0,8% seit Auflage und 1,18% seit Auflage. „Okay, dann wollen wir das nochmal eben durchrechnen. Wie macht man jetzt aus -0,8% und 1,18% die Zielrendite von 6%?“ Nach nicht allzu langer Zeit gab man auf. Wer dafür eine finanzmathematisch nachvollziehbare Lösung bieten kann, melde sich unter info@finanzdiskurs.de, ich gebe eine Runde Kaffee aus.
„Im Westen nichts Neues“ könnte man beim Lesen dieses Beitrags bemängeln. Und richtig, dass Banken gerne hauseigene Lösungen verkaufen, die zudem weit unterdurchschnittliche Renditen erzielen, sehr wohl aber das eigene Geschäftsergebnis positiv beeinflussen ist wirklich nichts Neues. Das wäre im Rekurs auf die Einleitung aber auch nur die „mittelmäßig erfolgreiche“ Mannschaft. Ich möchte im folgenden also gerne „jung“ und „auf unterdurchschnittlichem Niveau“ legitimieren.
Es lag nämlich ferner bei ein Chart, der die Entwicklung seit 1988 zeigte. Wer an dieser Stelle stutzt, stutzt zurecht. Die Fonds gab es ja überhaupt erst seit 2010. Man nahm auf diesem Chart kurzerhand an, dass es die Fonds seinerzeit schon gegeben hätte. Hätte. „Toll. Dann kann man sich im Rückblick also aussuchen, welche Aktien oder Anleihen der Fondsmanager vor 15 Jahren bestimmt gekauft hätte.“ Ich bin begeistert. Nicht.
Denn, um der Einleitung zu ihrem Recht zu verhelfen, ist das ja so, als wollte ein Bezirksligaverein, den es überhaupt erst seit zwei, drei Jahren gibt und der dort noch nicht einmal um die Tabellenspitze kämpft, sondern irgendwo im unteren Mittelfeld hängt, von der Deutschen Bank Geld haben. Begründen ließe sich das wie folgt:
„Liebe Deutsche Bank, wenn wir Geld von Dir bekommen, garantieren wir, dass wir Dein Geld in zehn Jahren nicht wert gewesen sein könnten. Prognostiziert sieht das freilich aber ganz anders aus. Wir haben dieses Jahr nämlich durchaus Tore geschossen und wenn man davon ausgeht, ja ausgehen muss, dass wir nächste Saison in allen Spielen ebenso überzeugend spielen wie bei unserem überzeugendsten Sieg, dem 1:0 gegen den Tabellenachten, dann sind wir in zehn Jahren Deutscher Meister und Du, liebe Deutsche Bank, bist sein Sponsor. Klar, behaupten kann man viel. Die Vereinsführung hat sich deswegen ein besonderes Schmankerl überlegt: Sie hat eine Grafik erstellt, die zeigt, wo wir heute stünden, wenn es schon zehn Jahre früher zur Vereinsgründung gekommen wäre. Das Ergebnis: Zweifacher Gewinner der Champions League. – Wenn das nicht überzeugt! Liebe Deutsche Bank, wie wär‘s mit uns?“

deutsche_bank_im_fussball_fieber_halfpanorama

 

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
Dann melde Dich: per Mail beratung@finanzdiskurs.de oder Telefon +49 178 3484412

Das könnte dich auch interessieren

  1. Altersvorsorge – Ihr Sparerlein kommet

    Altersvorsorge: hart aber fair „Wieso warst Du hier nicht eingeladen?“, schrieb mir ein Freund und

  2. Zertifikate – Informationen über Geld

    … sind fast so wichtig wie Geld selbst. So Walter Wriston, ein amerikanischer Bankier. Ich bin

  3. Rendite – Kommt ein Mann zur Bank

    „Ich möchte Geld anlegen.“ Sagt der Mann hinter dem Schalter: „Ist Ihnen die Verzinsung wichtig

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.