Die Angst der Sparer und ihre Fehler

Thema: // Author: Arne Lotze

Geldanlage: Nichts ist so beständig wie der Wandel

Damit hat der alte Grieche Wichtiges zum Thema Geldanlage auf den Punkt gebracht – und vielleicht sogar schon mehr Beratungsleistung erbracht als mancher Bankverkäufer im standardisierten Privatkundengeschäft.

Das liegt daran, dass im fünfzehnminütigen Verkaufsgespräch in einer Bank viel über das momentan hübsche, bunte Verkaufsmaterial gesprochen wird – und zu wenig über die etwaige Beständigkeit des Wandels der Anlage, die verkauft wird. Wenn es mit dem Wandel dann losgeht, ist die Verunsicherung groß und das bunte Heftchen zur Anlage löst nicht mehr ganz so viel Optimismus aus. Zumal man als Kunde ohnehin nur vom Wandel Notiz nimmt. Presseerzeugnisse berichten sinnvollerweise ja nicht darüber, was seit zehn Jahren unverändert besteht – sondern über Neuigkeiten und Veränderung.

Zu Zeiten der Euro-Krise nach der Finanzkrise gibt es unstreitbar eine Menge Wandel bzw. Kursschwankungen. Und es ist sogar so, dass Experten hier und dort darüber nachdenken, ob die Beständigkeit nicht sogar noch wandelbarer ist als angenommen wurde.

Das führt dazu, dass große Unternehmen von einer Woche auf die andere erst um einige 100.000 € weniger wert sind – um dann binnen der nächsten Woche wieder umzuschwenken.

Heraklit lässt die Kirche im Dorf

Was Heraklit dazu sagen würde? Wahrscheinlich säße der entspannt mit dem Großinvestor Warren Buffett beim Tee. „Warren, was hältst Du denn von all diesem hypernervösen Auf und Ab an den Märkten?“ – „Die Kirche im Dorf lassen. Genauso wenig wie man ein Gotteshaus binnen einer Woche von einem Dorf ins nächste setzen kann, verlieren gute Unternehmen in so kurzer Zeit an Wert. Dafür sind gute Mitarbeiter, gute Produkte und gute Produktionsanlagen und Know-how zu persistent.“ – „Noch einen Schuss Milch in den Tee? Oder einen Keks?“ – „Danke, gerne.“

Kapitalmarkttheoretisch ausbuchstabiert heißt das, dass die finanzmathematische Bestätigung des Heraklit‘schen Diktums zwar vom Wandel berührt wird – aber nicht fällt.

Entsprechend dankbar darf man für gute Artikel sein, die eingedenk der Beständigkeit geschrieben wurden:

Handelsblatt: Der Preis der Angst

preis der angst

„Die Deutschen fürchten um ihr Geld – erst recht nach der Zinssenkung der EZB. Doch wer in vermeintlich sichere Anlangen flüchtet, tut oft genau das Falsche. Warum die Sparer Angst haben und welche Fehler sie machen.“

Angst ist ein schlechter Anlageberater

Das ist sehr trefflich formuliert. Angst ist verständlich. Sie ist aber ein schlechter Ratgeber. Allein schon, weil sie Menschen in Anlageformen treibt, die entweder teuer oder schlichtweg ungeeignet sind. Namentlich Gold und Immobilien einerseits und Tagesgeldkonten andererseits.

Schnell erklärt ist der Tagesgeldirrtum. Bei einer Inflationsrate, die ca. 1% höher ist als die Verzinsung auf einem Tagesgeldkonto, ist nichts gewonnen. Zumindest, wenn man Tagesgeldkonten als Geldanlage betrachtet. “Du bekommst von mir einen Apfel. Hinterher nehme ich Dir zwei Äpfel weg. Wie viele Äpfel hast Du dann?” Um Liquidität zu parken, sind sie allemal sinnvoller als ein Girokonto oder gar ein gruselig staubiges Sparbuch.

Lage, Lage, Lage

Was Immobilien angeht, werden zwei wichtige Faktoren häufig nicht bedacht: 1. Kosten und 2. Lage, Lage, Lage.

An Kosten stehen zu Buche: 5% Steuern, 1,5% Notar- und Grundbuchkosten, Maklergebühren (bis 7%) und ggf. Gutachtergebühren. Damit man ein Haus für den Preis von 300.000 € kaufen darf, muss man also erstmal ca. 24.000 € zahlen. Und jetzt kommt das Perfide: Die Finanzierungskosten in Zins und Zinseszins sowie Berarbeitungsgebühr kommen noch dazu.

Umso entscheidender ist die Lage. Wer annähernd ein Durchschnittsbruttojahresgehalt eines Deutschen an Gebühren bezahlt, sollte sich sehr sicher sein, dass er die Im-mobilie – die man genauso wenig wie eine Kirche einfach zwei Kilometer südlich verschieben kann – auch im nächsten und übernächsten und am besten auch in zehn Jahren noch besitzen möchte.

Vermögen durch Immobilienkauf aufzubauen hat natürlich funktioniert und wird auch weiterhin funktionieren, eine Garantie gibt es dafür aber nicht. Und eine Vokabel wie „Betongold“ ist schlicht und ergreifend Unsinn.

Siehe dazu ein Video.

Apropos Gold. Gold war in den letzten fünf Jahren ein wahnsinnig gutes Investment. Aber. Gold war historisch auch schon mal über annähernd 15 Jahre ein Verlustgeschäft. Es ist also falsch, davon auszugehen, dass Gold immer im Preis steigt. Tut es nicht. Zumal, was kann Gold eigentlich? Glänzen und rar sein und hier und dort noch in elektronischen Bauteilen und an Gitarrensaiten verbaut werden. Klingt für mich jetzt nicht über die Maßen aufregend.

Nachzulesen auch hier:

Handelsblatt: Gold eine heiße Spekulation

Was nun?

Wer langfristig beständig Geld anlegen möchte, denke über eine Auswertung der Privatbank Donner & Reuschel nach: Der Dax brachte seit 2008 eine Rendite von acht Prozent pro Jahr. Das hat bedeutet, in viereinhalb Jahren beständig dem Wandel ausgesetzt gewesen zu sein. Häufig wird nur vergessen: In beide Richtungen. Wandel nach unten und Wandel nach oben.

Und auch das ist nichts Neues. In der Broschüre einer Fondsgesellschaft fand ich folgende zwei Grafiken (Stand 31.12.2010), die wahrlich Bände sprechen:

1. Wer bei Markteinbrüchen in Panik gerät und verkauft, hat doppelt Grund zum Ärgernis. Erstens realisiert derjenige, der verkauft, seine Verluste. Zweitens verpasst man höchstwahrscheinlich den Wiederaufschwung.

markteinbrueche

2. ist Beständigkeit ungemein wichtig, wenn man die Chancen des Wandels nutzen möchte:

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“Alle menschlichen Fehler sind Ungeduld.” – Franz Kafka

Da kann man mal drüber nachdenken. Gerne bei einem Tee und Keksen. Während man den trinkt, verpasst man zwar die Euphorie über steigende Kurse, man lässt sich vor allem aber nicht von der Massenpsychologie dahin treiben, zur Unzeit zu verkaufen. Um dann in einem Zeitraum von 20 Jahren also 7.300 Tagen auch nur die besten 10 Börsentage zu verpassen und dabei einen kumulierten Gewinn von 257% zu verschenken. Zwar halte ich wenig von kumulierten, allzu fantastisch aussehenden Renditen, die Grundidee dürfte aber deutlich werden.

Ob man 1990 oder 2012 langfristig investieren möchte: Man bleibe sich und seiner Anlagestrategie treu und wenn alles “WANDEL!” schreit, koche man sich einen Tee.

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
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