Aktives vs. passives Investment

Thema: // Author: Arne Lotze

Passive Investments wie ETFs oder Indexzertifikate sind längst etabliert

Das liegt daran, dass sie nachweislich 80-90% der aktiv gemanagten  Fonds geschlagen haben. Nun nimmt das nicht weiter Wunder. 80-90% dieser aktiven Investments entspringen mehr einer Idee der Marketingabteilung als der der Analysten. Dass Geldanlage für viele Privatanleger ein Buch mit sieben Siegeln ist, macht man sich zunutze und legt flugs einen neuen Investmentfonds mit schillerndem Namen und einer schicken Werbebroschüre auf, damit beim Kunden ein wohliges Bauchgefühl entsteht.

In diesen Fällen wäre ein passives Investment häufig die bessere Wahl gewesen.

Was aber sind passive Investments?

Passiv heißen sie, weil es niemanden gibt, der aktiv entscheidet, was in den Korb der Anlagegüter kommt – siehe Was ist ein Investmentfonds. Stattdessen sucht man sich einfach einen Index wie zum Beispiel den deutschen Aktienindex DAX heraus und versucht diesen möglichst genau nachzubilden. Am besten kann das ein Algorithmus – mit dem positiven Nebeneffekt, dass ein Computer günstiger ist als ein Team von Managern und Analysten.

Richtig ist schließlich immer: Performance=Rendite – Kosten

Und bei passiven Investments wie ETFs, Indexfonds oder Indexzertifikaten entscheidet man sich für:

Performance=Nahezu durchschnittliche Rendite – wenig Kosten

Wenn es Manager doch ohnehin nicht schaffen, besser als der Durchschnitt zu investieren, dabei aber viel Geld kosten, erscheint sinnvoll, so zu handeln. Zumal eine DAX Rendite sich langfristig ja durchaus sehen lassen kann:

dax rendite Dreieck

Was aber ist mit den restlichen 10-20%?

Eine gute, wenn nicht die entscheidende Frage. Es gibt sie ja doch, die aktiv gemanagten Investments, die es schaffen, ihre Benchmark zu schlagen. Häufig sind das Fonds, die von einer Investmentstrategie getrieben sind und nicht der Marketingabteilung entsprungen sind. Zumal, Butter bei die Fische, es gibt sicherlich eine ganze Menge sinnvoller Anlagestrategien – aber nicht so viele, dass mehr als 6.000 verschiedene zum Handel zugelassene Investmentfonds gerechtfertigt wären.

Zwar bleibt auch bei einem ungemein aktiven Fondsmanager das sog. „nicht diversifizierbare Marktrisiko“, das wir von Markowitz kennen:

Die Grundidee eines Investmentfonds ist schließlich die Risikostreuung, indem nich nur „auf ein Pferd gesetzt“ wird. Ab einem gewissen Grad an Streuung verringert sich das Risiko aber nicht weiter. Deutlicher wird das, wenn man an Szenarien wie die Finanzkrise 2008 denkt: wenn der gesamte Aktienmarkt nach unten rauscht, wird man es durch Streuung nicht schaffen, dem Mitrauschen zu entgehen – es rauscht ja alles.

Möglich ist durch aktives Management aber zweierlei:

1. Absicherung gegen Risiken

Nicht alle Manager tun das, es ist aber grundsätzlich möglich, Risiken zu hedgen. Das heißt, man sichert durch derivative Finanzmarktinstrumente  gegen Kursrisiken ab. Das Einschränken von Kursverlusten ist besonders wichtig und sinnvoll, da man nach 50% Kursverlust bekanntlich 100% Kursgewinn braucht, um den Einstandwert wieder zu haben (weil die Basis auf die sich die 50 bzw. 100% beziehen ja eine unterschiedliche ist).

2. Investment in Zukunft

Wer ein passives Investment kauft, investiert in Unternehmen, die sich in der Vergangenheit gut entwickelt haben. Selbst, wenn man recht sicher weiß, dass ein bestimmter Titel – wie beispielsweise unlängst VW nach dem Dieselskandal – zu kämpfen haben wird, hat man keine Möglichkeit, sich von VW zu trennen. Entweder man kauft den DAX, dann mit VW, oder man tut das nicht.

Insofern ergibt sich eine Rangfolge:

3. Die schlechteste Idee sind die erwähnten 80-90% Quatsch an aktiv gemanagten Investmentfonds. Zumal eine Studie unlängst gezeigt hat, dass sie häufig kaum aktiv sind, sie lösen sich nämlich kaum von ihrem Vergleichsindex. Wenn sie das nicht tun, können sie ihn natürlich auch nicht schlagen. Siehe dazu eine Einführung bei Morningstar bzw. die Studie selbst:

how active is your fund manager.full

2. Die zweitbeste Idee ist auf Durchschnitt mit minimalen Kosten zu setzen. Gemäß dem Grundsatz der öffentlichen Verwaltung, der mir letztens mit einem Augenzwinkern erklärt wurde, macht zumindest nichts falsch, wer nichts macht.

  1. Die beste Idee ist es, sich einen Berater zu suchen, der unabhängig den gesamten Markt bewertet – den Quatsch auszusortieren ist mit entsprechenden Tools übrigens gar nicht so schwierig und der dann gemäß der strategischen Asset Allokation das magische Dreieck der Geldanlage anwirft. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e. V. stellt nämlich fest: Fondsmanager sind besser als ihr Ruf.

Unbedingt beachten sollte man allerdings:

geld hin und her

Man sollte stattdessen einen Berater suchen, der erfolgsabhängig vergütet wird. Sowas gibt es, Robert und ich machend das nämlich auch so. – Und sind damit sehr nah am Idealbild, von dem in einem Buch die Rede ist, das eigentlich ein Plädoyer für passives Investment darstellt:

„Was wäre der Idealzustand? Banken in ihrer Rolle als Vermögensberater sollten überhaupt nichts am Verkauf von Wertpapieren verdienen, sondern lediglich an der produktunabhängigen Beratung und an der reinen Verwaltung eines Depots. Nur dann liefe ihr Interesse und das ihrer Kunden parallel. In diesem Fall würden die meisten Berater ganz selbstverständlich jene Anlageprodukte empfehlen, die objektiv am besten zu den Bedürfnissen des Anlegers passen und die höchste Nettolangfristrendite erwirtschaften.“
aus: Kommer, Gerd: Souverän investieren mit Indexfonds, Indexzertifikaten und ETFs. 2. Auflage. Frankfurt am Main / New York 2007.
S. 151.

Upadte 25.02.2016

Unlängst war zu lesen, dass in Deutschland nach wie vor zu viele Marketing getriebene Ideen verkauft werden, die das Geld für ihr Management nicht wert sind:
Welt: Bluff der Sparkassen bei der Geldanlage

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
Dann melde Dich: per Mail beratung@finanzdiskurs.de oder Telefon +49 178 3484412

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