Was Vermittler beruflich machen reloaded

Thema: // Author: Arne Lotze

Super-Versicherungs-Klaus ist unverwüstlich. Und so nimmt es nicht Wunder, dass er einem „I‘ll be back“ auf finanzdiskurs alle Ehre macht.

I'll_Be_Back

Was zuvor passierte: WiWi und Hau-ruck sind bei einem Versicherungsmakler beraten und haben sich als Handwerker selbständig gemacht. Bei der Handwerkskammer gerieten sie an Klaus, den Vertreter einer Versicherungsgesellschaft, die eine Kooperation mit der Handwerkskammer hat. Dann passierte: Verkauf.

Es passierte nicht: Beratung. Was so‘n Stück weit blöd ist, weil WiWi und Hau-ruck mit den Worten: „Wir möchten gerne fachkundig beraten werden“ den Raum betreten haben werden und nicht mit „Klaus, verkauf uns bitte was. Egal was. Hauptsache Du machst Dir die Taschen voll.“

Der Bereich der sogenannten „biometrischen Risiken“, wo es also um Gesundheitsrisiken geht, ist nachzulesen in Teil 1:

Was Vertreter beruflich machen

Hier ging es in die nächste Runde. Es stellte sich heraus, dass Klaus das Kostümchen offenbar nie auszieht. Er sei Profi, irgendein Vertreter solle den Kunden nicht verunsichern und über die Existenzschutzversicherung seien alle wichtigen Risiken abgesichert. Zu einem günstigen Preis.

Was nichts kostet

Richtig. Und manchmal gilt in der Tat: Was nichts kostet, ist nichts wert.

Während WiWi und Hau-ruck aus ihren bestehenden Berufsunfähigkeitsversicherungen Geld bekommen, wenn sie ihren Beruf zu mehr als 50% über 6 Monate nicht mehr ausüben können, leistet des Super-Versicherungs-Klaus liebstes Produkt bei … Trommelwirbel … 50% Invalidität durch einen Unfall für mindestens 3 Jahre.

Und wie überbrücken WiWi und Hau-ruck im schlimmsten Falle 3 Jahre?

Außerdem, so Klaus, seien selbstverständlich psychische Risiken mit abgedeckt. Das Augenmerk darauf ist deswegen so wichtig, weil Stress, Depressionen und der salonfähige Burnout die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit zu werden drohen.

 

Quelle: Morgen & Morgen

Wann leistet denn nun die Super-Versicherungs-Klaus-Police?

  1. Wenn ein gesetzlicher Betreuer bestellt wurde
  2. Wenn der Versicherte in die geschlossen Nervenheilanstalt eingewiesen wird
  3. Wenn der Versicherte zeitlich und räumlich völlig unorientiert ist

Psychische Leiden? Fehlanzeige

Bis das passiert, muss es beim Burnout aber hell und heiß gebrannt haben.
Meine Herren, Klaus. Ein Mal mit Profis arbeiten. Nur fünf Minuten …
Ach so, aber Profi wollte er ja sein, der Klaus. Insbesondere für‘s Handwerk.

Dann gibt es bei Klaus‘ Lösung ja bestimmt noch einen Schnaps oben drauf, wenn es zu einem Bandscheibenvorfall kommt?

Nein, gibt es nicht. Es wird nämlich noch „professioneller“.

Bandscheibenvorfall? Fehlanzeige

Bei einem Bandscheibenleiden gibt es Geld nur dann, wenn der Bandscheibenvorfall durch einen Unfall passiert. Unter Unfällen verstehen Versicherer etwas, das plötzlich, unfreiwillig von außen auf den Körper einwirkt. Wenn man sich also blöd bewegt, oder verhebt, oder man einfach den konkreten Auslöser des Bandscheibenvorfalls nicht an einem bestimmten Unfallereignis festmachen kann, zahlt der Versicherer:
0 €.

Nun, auch ein Super-Versicherungs-Klaus hat mal einen schlechten Tag.

Rendite in der Altersvorsorge? Fehlanzeige

Vielleicht ist ja der langfristige Vermögensaufbau, die Altersvorsorge, seine Stärke.
Überraschung!
Nein, ist er nicht.

Hau-ruck bespart einen Vertrag, der den Vorteil hat, dass für Hau-ruck transparent ist, wie sich die Anlage in seinem Vertrag entwickelt. Hier hatte Hau-ruck einen guten Zeitpunkt erwischt, um einzusteigen und konnte sich über eine knapp zweistellige Jahresrendite freuen.

Toll daran ist außerdem, dass Hau-rucks Vermögen sicher ist im Falle der Insolvenz des Versicherers, es fließt dem Betriebsvermögen nicht zu.

„Never keep a winning team“ denkt sich Klaus. „Das machen wir jetzt ganz anders: Bespar doch lieber den legalen Betrug (Der König ist tot, lang lebe der König). Da verschenkst Du Deine Beiträge an das Betriebsvermögen des Versicherers. Was damit passiert, erzählt Dir niemand. Dafür fließt es im schlimmsten Falle der Insolvenzmasse zu. Und Du bekommst gleich zwei Garantien, dass Dein Geld verbrannt wird.

In der linken Ecke sehen Sie: Die Garantieverzinsung. Der Garantiezins liegt in Deutschland aktuell bei 1,75% p.a. Vor Kosten. Nach Kosten wären das bei Wiwis und Hau-rucks Verträgen 1,06% p.a. Deutlich geringer also als die durchschnittliche Inflationsrate.

In der rechten Ecke sehen Sie: Das Kapital, das während einer Rentengarantiezeit auch dann an Hinterbliebene ausgezahlt wird, wenn der Rentner stirbt. Garantiert wird hier ein Verlust von 12.000 € gegenüber den eingezahlten Beiträgen.“

Ich denke, es ist klar geworden, dass Super-Versicherungs-Klaus in der Spielecke mit bunten Klötzen besser aufgehoben ist, wo er sich sicher im Zahlenraum von 1-10 bewegen kann. Zinseszins war dann doch einen Zacken zu scharf.

In den Mittelpunkt rücken möchte ich aber WiWi und Hau-ruck. Das Problem hätten am Ende nämlich sie gehabt und nicht Klaus.

Und das hat zwei Gründe.

  1. Sind Versicherungsprodukte so unverständlich, dass Super-Versicherungs-Klaus viel erzählen konnte und sich das irgendwie gut angehört hat.
    Es braucht den Kunden, der eigenverantwortlich handeln will. Es braucht aber auch Produkte, die so gebaut sind, dass es nicht nur dem Experten möglich ist, zu bewerten sich für die passende Lösung zu entscheiden. Siehe den Dr. of Versicherungskunde.
  2. Es wird, einmal mehr eingedenk der Intransparenz, fürchterliches Schindluder getrieben mit Instituten, Namen von Versicherungsablegern, Testsiegeln usw.
    Wie sollen Kunden jemals gut beraten werden, wenn Stiftungen oberflächlich und bewerten, wenn jede Versicherung mit x Testsiegeln aufwarten kann und wenn Versicherer sich durch das Erfinden vermeintlich professionell arbeitender Tochterunternehmen irreführend positionieren?
    Nur weil das Ding „Deutsche Ärzteversicherung“ heißt, hat die Axa trotzdem nicht über alle Sparten die besten Produkte. Auch nicht für Ärzte. Das nämliche gilt für die Signal Iduna und Handwerker. Klaus: q.e.d.
Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
Dann melde Dich: per Mail beratung@finanzdiskurs.de oder Telefon +49 178 3484412

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