Versorgungswerk

Thema: // Author: Arne Lotze

Versorgungswerk – Für wen ist das relevant?

Versorgungswerke interessieren naturgemäß nur die Mitglieder dieser Versorgungswerke. Diese, also Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Anwälte, Notare, Apotheker, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Architekten, freuen sich durchaus zurecht, dass sie sich von der Beitragszahlung in die Deutsche Rentenversicherung befreien lassen können und „viel mehr Rente bekommen“ als eben jene Anderen.

Stimmt das denn?

Jein. Mehr ist richtig, viel mehr wackelt bedingt durch das Treiben an den Märkten, vor allem aber die demographische Struktur der deutschen Gesellschaft.

demographischer Wandel
Und dass sich nur die Mitglieder dafür interessieren ist im Grunde auch Quatsch. Wenn es nämlich so ist, dass ein System wahnsinnig super ist, in dem für die Rente Geld gespart wird und nicht einfach nur Beiträge auf Renten umverteilt werden, darf man sicher die berechtigte Frage stellen, warum funktioniert das denn nicht für alle so?

Weiß ich nicht. Vielleicht, weil die Deutsche Rentenversicherung eine Frittenbude ist.  Ich versteh das auch nicht. Versorgungswerke tun das und ihre Mitglieder werden dafür beneidet. Unternehmen tun das, wenn sie direkte Pensionszusagen machen und müssen dafür beträchtliche Rückstellungen bilden. Die deutsche Rentenversicherung bzw. der Staat – eingedenk von vor der Tür stehenden Beamtenpensionsverpflichtungen – tut das nicht. Das nochmal nachzulesen hier: Staatsverschuldung: „Griechenland ist hier“

Besserstellung? Ja. Schloss aus Gold? Nein.

Das ist irgendwo zwischen bedauerlich und verantwortungslos zu verorten – aber eben durchaus Grund zur Freude für Einzahler in Versorgungswerke. Nur für das Schloss aus purem Gold, das bei den Ärzten aus Berlin gigantisch groß ist, wird es nicht reichen. Dafür sollte möglichst clever eingedeckt der strategischen Asset Allokation gespart werden – und das insbesondere im Jahre 2015 deutlich abweichend von der Portfolio-Struktur des Versorgungswerks der Ärzte in Hamburg aus dem Jahr 2012, wo ca. 30% des Portfolios in Anleihen investiert waren – was anders auch gar nicht geht, schließlich werden schon Renten ausgezahlt und dafür sind festverzinsliche Vehikel strategisch ja genau richtig. Taktisch hingegen wäre schön, wenn der Gang raus aus Anleihen möglich wäre.

portfolio Versorgungswerk

 

Und auch die Absicherung für den Fall der Berufsunfähigkeit ist zwar vorhanden, qualitativ aber bestenfalls mittelprächtig.

Immerhin die „ärztliche“ Tätigkeit, aber sie muss „vollständig“ eingestellt sein und niedergelassene Ärzte dürfen auch keinerlei Einkünfte aus einer Praxisvertretung haben. Und die Berufsunfähigkeit muss auf „nicht absehbare Zeit“ bestehen, was gemäß Rechtssprechung eine Zeitspanne von bis zu drei Jahren bedeuten kann. Auch hier also eine Besserstellung gegenüber der Erwerbsminderungsrente in der gesetzlichen Rentenversicherung – aber kein Ersatz für eine hochwertige, private Absicherung.

Diese sollte übrigens ohne Kopplung an eine Rürup-Rente abgeschlossen werden, was viele Finanzvertriebe, die sich bei akademischen Berufen tummeln unsinnigerweise aber häufig machen. Wer sowas schon hat oder jemanden kennt, der sowas hat, einfach diesen Link weiterschicken.

bu Versorgungswerk

Am Ende bleibt also niemand der Pflicht, sich selbst zu kümmern, enthoben. Der Altersreichtum durch’s Versorgungswerk ist genauso ein Märchen wie die fabelhafte Dienerschaft, die sich nur von Toastbrot und Orangensaft ernährt.

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
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