Riester: Trauerarbeit

Thema: // Author: Arne Lotze

Zunächst haben Riester und Trauerarbeit nur zufällig etwas mit einander zu tun. Das Institut für Transparenz in der Altersvorsorge teilt sich ein Akronym mit dem Institut für Trauerarbeit (e.V.).

Bittet man, wie ein Kollege von mir das gerne tut, darum zu verharren, damit geprüft werden kann, bekommen die Parallelen mehr Zuwachs als erwartet.

Mangelnde Vererbbarkeit von Riester Verträgen

So kann beim Thema Riester vielfältig getrauert werden. Zunächst um das viele Geld, das eingezahlt und bestenfalls verzinst wurde, dem Sparer aber nicht zufließt, weil er zu früh verstirbt. Dann in dem Zuge auch von seinen Angehörigen, denen kein einziger Cent vererbt wird, es sei denn, es besteht ein Riestervertrag, auf den das Vermögen übertragen werden kann. Das bedeutet übrigens im Umkehrschluss, dass auch die Angehörigen nur dann was vom Kapital des Verstorbenen haben, wenn sie entsprechend alt werden – der überschaubar begeisternde Rentenfaktor ihres Riestervertrages wird dafür Sorge tragen.
Der Rentenfaktor ist eine Zahl, mit der das gesamte Vertragskapital multipliziert wird. Das Ergebnis ist dann die monatliche Rente. Hinter dem Rentenfaktor steht eine Sterbetafel bzw. eine von der jeweiligen Versicherung unterstellte Lebenserwartung – die gewöhnlich signifikant höher ist als die vom Statistischen Bundesamt ermittelte. Wem das zu verworren ist: Das ist bei Versicherungsverträgen leider häufig so. Verständnisfragen kläre ich gerne in den Kommentaren.

Traurige Intransparenz

Wir waren dabei zu trauern. Anlass zur Trauer bietet nach wie vor die Transparenz von Riesterverträgen auf dem Markt. Zu dem Schluss kommt auch die besagte Studie des ITA. 43 Anbieter von Riesterprodukten wurden angefragt, nur sechs haben die nötigen Informationen geliefert.
Das ist bedauerlich. Andererseits warte ich fast auf die Stimme eines Versicherers, dass absichtlich nicht teilgenommen wurde, weil die Qualität der Studie traurig macht.

Zumindest ist das bei mir der Fall gewesen. Man fragt sich, übrigens wie der Geschäftsführer des ITA, Dr. Mark Ortmann, ebenfalls, wie es nach niederschmetternder Riesterkritik in Hülle und Fülle mit einem Mal zu solch positiven Ergebnissen kommt? Renditen zwischen 5,44% p.a. und 7,34% p.a. sind ja durchaus ordentlich.

Die Antwort ist einfach: Wer weihnachtsmärchenartig rechnet, wird im Ergebnis das erhalten, was Ebenezer Scrooge von Weihnachten hält: „Bah. Humbug!“

1951-xmas-humbug-scrooge

„Alle von uns untersuchten Produkte haben dem Kunden mehr ausgezahlt als Beiträge eingezahlt und Zulagen gutgeschrieben wurden.“

Das ist gleich in dreierlei Hinsicht Unfug

  1. Ohne schädliche Verwendung der Zulagen kann über Riesterkapital nur verfügen, wer in die Rentenphase eintritt. Dass sich jeglicher Altersvorsorgevertrag mit einer Restlaufzeit von 10 Jahren lohnt, möchte ich stark anzweifeln.
  2. Auszahlungen aus einem Riestervertrag sind zu 100% nachgelagert zu versteuern. Sinnvoll ist also nur eine Rendite nach Steuern.
  3. Über das Kapital kann überhaupt nicht zu 100% verfügt werden. Demnach ist die Rendite vor allem abhängig von der Anzahl der Zahlungsströme, d.h. davon, wie lange ein Sparer lebt und wie häufig er seine monatliche Rente demnach erhält. Von Kapital, das im Vertrag ist, an den Versicherten aber nicht ausgezahlt wird, hat der wenig.

In Form von Riester und Äpfeln im Video

Oder welcher Bäcker verkauft einem Brot, wenn man ihm versichert, dass man jetzt, in diesem Moment zwar kein Geld hat, zukünftig aber welches bekommen wird. Und wenn man ein Alter zwischen 80 und 90 Jahren erreicht, dreht die Rendite der Altersvorsorge sogar ins Plus!

Tolle Wurst. Nicht, dass man die davon bezahlen könnte …

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
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