Finanzprodukte sind kein Joghurt

Thema: // Author: Arne Lotze

Und die Rente, lieber Walter Riester, lässt sich nicht aus Fliesen legen.

Da bekanntlich variatio delectat, möchte ich gar nicht – nicht noch einmal – im Einzelnen und Besonderen darlegen, warum Riester Rentenprodukte, die am Markt zu haben sind, den Sparer kaum voranbringen.

Das Interview mit dem Erfinder der Rente, „kennen Sie den noch, den schlecht verfugten Fliesenleger – mein Gott Walter Riester“, wie Volker Pispers mal vorgetragen hat, ist aber dennoch für ein Streiflicht gut.

Riester: Finanzprodukte sind kein Joghurt.

Joghurt

 

Riesters Kernaussagen

Die Kernaussagen von Herrn Riester sind schnell zusammengefasst:

  1. Der Staat ist stark, die Rente ist sicher.
  2. Mit der Riester Rente wird alles gut.
    2b) Ein wenig scheint er noch untermogeln zu wollen, dass gerade bei der Riester Rente wenig an Provisionseinkünften verdient werde.

Zwar ereignen sich die Aussagen nicht in der Reihenfolge, ich möchte aber dennoch gerne entsprechend darauf eingehen, während ich gemächlicher schreibe, weil ich nicht ablassen kann, den Kopf zu schütteln. Einmal mehr frage ich mich: „Glaubt er das oder möchte er das den Leser glauben machen?“ Und: „Ist er also ein überschaubar intelligenter oder ein hintertriebener, manipulativer Mensch?“

Aus der antiken Philosophie wissen wir ja: tertium non datur. Wenn ein Argument, das deduktiv nicht schlüssig ist, mit aller Entschiedenheit behauptet wird, hat der Sprecher das entweder nicht verstanden oder er möchte den Gegenüber hinter‘s Licht führen.

„Weil in Deutschland noch immer ein erheblicher Teil vom Staat kommt. 245 Milliarden Euro werden jährlich von der gesetzlichen Rentenversicherung ausgezahlt, davon sind 80 Milliarden Euro aus Steuern finanziert.“

Super. Nun könnte sich der kritische Leser ja fragen: „Warum macht er das denn, dieser Staat? 80 Miliarden, in Zahlen: 80.000.000.000, das ist ja ganz schön viel, oder?“ Das kann man so unterstützen und mich ängstigt eher, dass rund ein Drittel der ausgezahlten Leistungen nicht aus eigener Kasse gezahlt werden kann. „Vielleicht, um Rücklagen zu bilden?“ – „Nein.“ Die gesetzliche Rentenversicherung ist ein umlagefinanziertes System. Das heißt, was von den Mitgliedern eingezahlt wird, wird sofort wieder ausgeschüttet.

Gesetzliche Rentenversicherung schon heute überfordert

Die Kassen sind also schon mit zwei Dritteln überfordert.

„Vielleicht sieht das später aber ja viel besser aus?“ „Ne, ist klar. Wenn die Kasse von Menschen gefüllt wird, die im besten Arbeitsalter mit entsprechendem Einkommen sind und heute fest steht, dass die Bevölkerung immer älter wird, die Masse der Empfänger verhältnismäßig also immer größer wird, dann ist das hochgradig wahrscheinlich. Nicht.“

„Aber dann kann man doch einfach noch mehr aus Steuern auffüllen?“ „Genau. Wer zahlt denn gleich dieses Steuern? Oh, das sind ja genau die, die auch die Kassen füllen. Aber das sind ja zu wenige. Will sagen: Nein, das kann man nicht.“

Sehr erhellend dazu auch Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen hier bzw. in Bild und Ton hier

Mit der Riester Rente wird alles gut. Wer die Berichterstattung verfolgt, hat vielleicht in der Oktoberausgabe der Wirtschaftswoche einen wirklich guten Bericht dazu gelesen.  Falls nicht, kann man sich aus der Fülle der kritischen Beiträge munter bedienen.

„Finanzprodukte sind kein Joghurt“ respektive „wenn der Verkäufer auf einen uninformierten Kunden trifft, hat er nicht die Zeit für eine Schulung und der Kunde oft gar nicht das Interesse, ein Beratungsprotokoll ernsthaft durchzugehen.“

Vielleicht hat sich Herr Riester da doch zu häufig und intensiv mit Herrn Maschmeyer unterhalten? Was heißt denn hier „hat er nicht die Zeit für eine Schulung“? Was sonst ist den der Job eines Verkäufers, der eigentlich ein Berater sein sollte? Nur, damit er dem Kunden zeigt, wo er unten rechts unterschreiben soll, halte ich den Verkäufer für deutlich überbezahlt – und ich ich hoffe nicht nur -bezahlt sondern auch -qualifiziert.

Unfassbar.

Komplizierte Finanzprodukte

Aber Finanzprodukte sind ja so kompliziert. Nun, das kann Joghurt übrigens auch sein. Oder wer weiß, was sich hinter diesem ganzen E… verbirgt? Und wer war nicht überrascht zu lesen, wie viel Zucker in Fruchtjoghurt enthalten ist und hat demnach über Jahre intransparentes Joghurt gekauft? Und was heißt in dem Fall „Bio“? Einfach Bio und egal woher, oder tatsächlich Bio und biologisch effizient, weil das Obst vom Bauern um die Ecke kommt und nicht eigens aus Südafrika eingeflogen wurde?

Herr Riester hat natürlich Recht. Finanzprodukte sind kompliziert. Und sie werden immer komplizierter als Joghurt bleiben. Man könnte sie aber auch deutlich ent-komplizieren. Ich hätte da ein, zwei Ideen.

Schließlich die Provisionen. Ob das tatsächlich mal unlukrativ war, weiß ich nicht. Ich weiß aber um das Perfide: Einzahlungen in einen Riestervertrag sind heute Beiträge + Zulagen. Und das schlägt sich in Summe in der Provisionszahlung an den Vermittler nieder. Der Clou ist also, dass der Vermittler Geld verdient an Beiträgen, die gar nicht der Kunde sondern der Staat bezahlt.

Damit der Vermittler sein Joghurt auch dann noch bezahlen kann, wenn Steuergelder nicht mehr reichen, um eine Altersrente auszuzahlen, die vielen Rentnern schon heute ein ausgesprochen spürbares Verständnis von „Altersarmut“ verleiht.

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir mindestens Unterhaltung und bestenfalls einen Erkenntnisgewinn beschert! Er stellt selbstverständlich keine Beratung dar. Du möchtest aber gerne Beratung haben?
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