Riester: Es war einmal Verbraucherschutz

Thema: // Author: Arne Lotze

Miese Riester-Renten

Am 20.09.2011 konnte man mit dem Zweiten bestimmt besser, nicht aber bessere Altersvorsorgeverträge sehen. Und das soll offenbar so bleiben. Frontal 21 klärte im begrüßenswerten Beitrag „Miese Riester-Renten“ auf, dass Volker Pispers Wort: „Das mit der Riester-Rente hätten sie sich sparen können“ nach wie vor Gültigkeit hat. Genau genommen wird sich die Problematik der teuren, dafür aber renditeschwachen Riesterverträge noch verschärfen, nachdem zum Jahreswechsel der Garantiezins gesenkt wird und im Laufe von zehn Jahren Riester-Rente neue Sterbetafeln die Vertragsgrundlage von Riesterverträgen bilden.
Nicht umsonst werben Banken und Versicherer mit dem Engpass zum 31.12.2011. „Schnell noch ein – ich zitiere Frontal 21 – ,mieses‘ Produkt abschließen, bevor es in 2012 dann nur noch richtig miese Produkte gibt.“ Klingt sinnlos, ist es auch.

All dies ist bei finanzdiskurs allerdings nichts Neues. Appellcharakter mit Blick auf einen Beitrag hatte dann aber die geschätzte Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU), die ihrem Titel nicht eben Ehre macht. Gemäß Frau Aigner gebe es nämlich keinerlei Handlungsbedarf. Es gebe, so Frau Aigner, inzwischen schließlich ein Produktinformationsblatt, dem Kunden die Kosten eines Produkts entnehmen können. Das sei eine Frage der Transparenz, für die sie selbstverständlich auch stehe.

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Wahrscheinlich meint Frau Aigner mehr die Frage als die Transparenz, für die sie steht.

Miese Produktinformationsblätter

Es ist ja so. Produktionsinformationsblätter gibt es. Nur gelesen werden sie von keinem Menschen. Nun ginge man sicher fehl, die Schuld gänzlich von den Schultern der Verbraucher zu nehmen. Wenn sie unbedingt wollten, könnten sie sich das ja anschauen.
Es wird ihnen aber auch nicht besonders leicht gemacht. Der Wust, in dem sich das Produktinformationsblatt verbirgt, ist umfangreich und rein optisch sieht das Informationsblatt nicht anders oder leserfreundlicher aus als die Allgemeinen Versicherungsbedingungen. – Mal angenommen, man hätte das Produktinformationsblatt für den Verbraucher eingeführt, wäre dann nicht sinnvoll gewesen, es so zu gestalten, dass der Verbraucher auch was damit anfangen kann – und vielleicht sogar will? Sicher, das muss juristisch für den jeweiligen Produktanbieter wasserdicht sein, so wie Produktinformationsblätter heute aussehen, hätte man sie sich aber gleich mit der Riester-Rente sparen können.
Zudem, liebe Frau Verbraucherschutzministerin, was genau gewinnt der Verbraucher denn, wenn er das Produktinformationsblatt tatsächlich liest? Da stehen Produktkosten in Euro. Super. Das ist ungefähr so hilfreich wie wenn mir jemand erzählt, der Fußballer Sowieso hat 324 Tore geschossen. Ist das gut? Ist das schlecht? Von welchem Zeitraum ist die Rede? Was haben andere Stürmer in der Zeit zustande gebracht? Von welcher Spielklasse ist überhaupt die Rede?
Ich bin so frei, zu unterstellen, dass der bloße Eurobetrag zunächst in jedem Vertrag ein teures Produkt unterstellt. Aussagen darüber, was marktüblich ist und wie sich Kosten zu Steuervorteilen verhalten, finden sich hingegen nicht und so frage ich mit meinem ehemaligen Philosophie Professor: „Wo hinaus?“
So werden also gut gemeinte und schlecht gemachte steuerlich geförderte Produkte weiterhin ohne Regularien was Kosten oder akzeptable unterstellte Lebenserwartungen an Kunden verkauft werden.
Das führt am Ende immerhin dazu, dass es deutschen Banken und Versicherern weiterhin gelingen wird, die hauseigenen Tresore zu füllen. Und wer weiß, für welche Finanzkrise die nochmal gut sind. Das könnte nicht zuletzt immerhin auch bedeuten, dass von Seiten des Staates nicht eingegriffen werden muss, um einen Versicherer mit vergleichsweise leererem Tresor vor der Insolvenz zu retten. Das hilft für das Alter vorsorgenden Menschen zwar gar nicht bis im Höchstfalle mittelbar, Frau Aigner wird dem im Beitrag gezeigten Rentner auf ihre einfühlsame Art aber mit Sicherheit erklären können, dass 40 € mtl. Zusatzrente ja im Grunde gar nicht so schlecht sind. Das sind bei einem unterstellten Brotpreis von 2,50 € immerhin 16 Brote im Monat, also alle zwei Tage eins. Ist das nicht schön?
Ja, das ist nicht schön.

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