Riester: Es irrt der Mensch, solang er spart

Thema: // Author: Arne Lotze

Der aufmerksame Leser merkt natürlich auf der Stelle: So steht das gar nicht in Goethes Faust (Vers 317). Außerdem sind die Kostenstrukturen und Versicherungsbedingungen eines Riestervertrages nun wahrlich nicht „des Pudels Kern“ (Vers 1323) geschweige denn das, „was die Welt im Innersten zusammenhält.“ (Vers 382)

Und doch sind Parallelen nicht von der Hand zu weisen, scheint das komplexe Produktkonstrukt Riester Rentenversicherung doch eine List des Mephistopheles entsprungen, der dem gelehrten Faust immer einen Schritt voraus ist, letzten Endes aber dem HERRN auf den Leim geht.
Ich entwirre an dieser Stelle gerne, zumal eingedenk der mit „Altersverwirrung“ überschriebenen Analyse aus der ZEIT vom 14. Juli 2011. Angenommen, der HERR, respektive die Bundesregierung hätte das Gebot ausgegeben, dass Menschen in Deutschland privat für ihr Alter vorsorgen sollen. Um Anreize zu schaffen, wurden Steuervorteile eingeräumt, die fortan von Lebensversicherern und Banken zumindest zur Vermarktung exzellent genutzt wurden.

Riester-Rente

Wir erinnern uns, die Haspa Riesterrente gibt es sogar in 15 Minuten ans Knie genagelt.

„Riester ist wirtschaftlich unsinnig“

Von Seiten der Produkthersteller – und das sind eben genau diejenigen, die das Produkt vermarkten und mit Freuden verkaufen, wurden die Dinge allerdings nicht so transparent gestaltet, wie es im Verkaufsgespräch den Anschein hat. Rüdiger Jungbluth schreibt in der ZEIT: „Es ist vermutlich nicht überspitzt, zu sagen, dass 15 Millionen Menschen in diesem Land Vorsorgeverträge laufen haben, deren wesentliche Grundlagen sie nicht begreifen.“ Und wo auf der einen Seite ein Produkt nicht verstanden wird, „kann es [auf der anderen Seite] passieren, dass Vorsorgeverträge mit Steuergeldern bezuschusst werden, die wirtschaftlich unsinnig (Hervorhebung vom Verfasser, A. Lotze) sind.“
Bevor wir Opfer der Undurchsichtigkeit werden, die zu bemängeln ist ein Mal in einfach:

5 Schritte zum Irrtum

1.    Menschen müssen privat für ihr Alter vorsorgen. Das haben wir Deutschen, Ausnahmen bestätigen die Regel, in der Regel verstanden.
2.    Der Gesetzgeber bietet Steueranreize.
3.    Sinnvoll wäre doch jetzt, wenn dadurch am Ende mehr herauskäme, als wenn man das Geld auf anderem Wege spart.
4.    Schließlich ist Altersvorsorge nichts anderes als langfristiges Sparen. Konsumverzicht jetzt für Lebensstandard später.
5.    Klappt aber nicht. Zu intransparent, zu teuer, zu vorsichtig mit unrealistischen Lebenserwartungen von Versicherten gerechnet.
„Die Riester-Illusion“ betiteln daher Britta Langenberg und Frauke Ladleif ihren Artikel in der Capital aus dem April 2011. Eine Illusion zudem mit Kalkül: „Das Kernstück der Riester-Rente – konkrete Konditionen für die Auszahlung – war für Millionen Sparpläne bis vor Kurzem unklar. Es gab keine. ‘Erst mal verkaufen, um den Rest können wir uns später noch einen Kopf machen.“
Na prima. Gespart wird, mit Blick auf eben dieses „später“, genau das halten sich Versicherer und Banken aber zunächst offen. „Weil es jeder macht“, heißt es weiter unten im Artikel.
Was kommt den aber nun dabei heraus? „Nur ein paar Tausend der gut 14 Millionen Riester-Sparer haben das Rentenalter schon erreicht. Die meisten werden mit einer Einmalzahlung abgefunden. Das Ersparte ist so gering, dass die Monatsrente unter 25,55 Euro läge (Hervorhebung vom Verfasser, A. Lotze).“

Ein Viertel der Beiträge in die Rente ab 85

Das werden sich die Sparer mit Sicherheit anders vorgestellt haben. Die Autorinnen auch: „Wer käme denn aus freien Stücken darauf, ein Viertel seins Geldes in eine Rente ab 85 Jahren zu stecken?“
Ich lasse diese Frage als rhetorische stehen und verweise auf Riester und Äpfel.
Und die Vorsorgenden? Werden sich hoffentlich der Werbung und Verkaufshilfen ab- und kritischer Presse zuwenden.
Damit sie nicht am Ende nach Faust ausrufen müssen: „Da steh‘ ich nun, ich armer Thor! / Und bin so unvermögend als wie zuvor.“ (Verse 358/359).

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